Mittelstand in der Kreditklemme: Handwerk beklagt Sippenhaft

- München - Ohne Kredite kommt die Jobmaschine Mittelstand nicht in Schwung. Wenn ein Handwerker eine neue Maschine anschaffen oder ein Existenzgründer seinen Betrieb aufbauen will, geht ohne die Banken meist nichts. Mit ihnen geht aber auch oft nichts, mahnen Handwerksvertreter an. Inzwischen herrsche für bestimmte Branchen ein genereller Kreditboykott.

Knapp die Hälfte der Handwerksbetriebe in Deutschland haben in den vergangenen zwölf Monaten mit Banken über Kredite oder Bürgschaften verhandelt, hat der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) im Rahmen einer Umfrage festgestellt. Doch viele Handwerker blieben dabei erfolglos. "Fast 30 Prozent der Verhandlungen endeten mit einer Ablehnung durch die Hausbanken", erklärte ZDH-Präsident Dieter Philipp. Die Banken hätten sich meist auf unzureichende Sicherheiten, zu geringes Eigenkapital oder magere Ertragskraft der Betriebe berufen. Und für schwächelnde Bereiche wie die Bau- oder Kfz-Branche gebe es von einigen Banken generell keine Kredite mehr - selbst wenn ein Unternehmen wirtschaftlich stark wäre.

"Die Situation ist sehr schwierig", urteilt auch Hartmut Drexel von der Betriebsberatung der Handwerkskammer für München und Oberbayern. Gerade im Ballungsraum München sei der Preisdruck enorm und die Konkurrenz wachse. Dies wirke sich negativ auf die Eigenkapitalausstattung der Betriebe aus, die wiederum für die Kreditvergabe durch Banken ein wichtiges Kriterium ist. Darüber hinaus sei auch hier eine Sippenhaft von Betrieben in Problem-Branchen festzustellen.

Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Dietrich Hoppenstedt, betonte die Bereitschaft der Sparkassen, Finanzierungen zu ermöglichen. "An uns scheitert keine wirtschaftlich vertretbare Investition", sagte er. Tatsächlich hielten Sparkassen und Genossenschaftsbanken dem Handwerk eher die Stange als Großbanken, erklärt HWK-Berater Drexel. Doch auch bei ihnen seien restriktivere Richtlinien bei der Kreditvergabe zu spüren.
So betonen Mittelständler, dass sie gerne mehr investieren würden, wenn ihnen die Banken das nötige Geld zur Verfügung stellten, während Banken beteuern, dass sie gerne Milliarden an Krediten ausgeben würden, wenn die Betriebe und ihre Investitionspläne überzeugender wären. Um dieses Dilemma zu überwinden, gibt es Hilfen öffentlicher Fördergesellschaften oder auch die Kredit-Garantiegemeinschaft des bayerischen Handwerks. Sie hilft Existenzgründern und Betrieben, die keine oder nicht ausreichende Sicherheiten für Kredite vorweisen können, mit Bürgschaften. Pro Jahr sind das etwa 100 bis 150 Unternehmen, erklärt Wolfgang Wünsch von der KGG Handwerk. Für andere Branchen - wie Handel, Gastronomie und Industrie - gibt es ähnliche Einrichtungen.
"Zuallererst sollte man sich bei der Betriebsberatung der Handwerkskammern schlau machen und dann mit diesem Wissen die Hausbank kontaktieren", rät Wünsch. Der Hinweis auf Förderprogramme oder Bürgschaften durch die KGG Handwerk könne mitunter helfen.

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