Mittelstand lässt länger arbeiten

- München - Die 40-Stunden-Woche und mehr ist in mittelständischen Betrieben eher die Regel denn die Ausnahme. 48,5 % der 440 antwortenden Betriebe hat eine wöchentliche Regelarbeitszeit von 40 Stunden, 14,7 % gaben noch mehr an. In nur 4 % der Betriebe gelte eine 36-Stunden-Woche. "Das deckt sich in etwa mit den Betrieben, die über 500 Beschäftigte haben", merkte Hermann Sturm, Präsident der Union Mittelständischer Unternehmen, zu der Umfrage unter 4000 mittelständischen Unternehmen an.

<P>Dieses Bild zeige die Verantwortung auch der Arbeitnehmer und konterkariere gewerkschaftliche Forderungen nach kürzeren Arbeitszeiten. 17,9 % der Betriebe hatte laut der Befragung die wöchentliche Arbeitszeit im vergangenen Jahr verlängert und 28,4 % erklärten, die Arbeitskosten gesenkt zu haben. </P><P>Trotz einer etwas optimistischeren Einschätzung der Wirtschaftskonjunktur ("gut" 14,9 %, 2004: 13,5 %, 2003: 3,8 %) rechnen 64,6 % der Unternehmer für dieses Jahr insgesamt mit einer weiter fallenden (gleichbleibend 33,1 %, steigend 2,3 %) Beschäftigung. Im abgelaufenen Jahr waren es erst 52,8 %. Allerdings hellt sich die Lage bei den Angaben zum eigenen Betrieb etwas auf: Dort gehen "nur" 30,1 % der Mittelständler von einer weiter sinkenden Beschäftigung aus, während 58,5 % glauben, dass sie gleich bleibt und 12,1 %, dass sie steigen wird.</P><P>Größte Hemmnisse für die Wirtschaftsentwicklung seien laut Sturm steigende Kosten und sinkende Nachfrage. "Wir brauchen mehr Optimismus, dann wird auch mehr investiert", sagt Sturm. Um diesen zu entfachen, müssten weitere Reformen her: "Die Bürokratie ist ein Dauerärgernis." Ganz oben auf der Agenda stünden eine Vereinfachung - nicht eine Senkung - der Steuern und mehr Rechtssicherheit und eine Befreiung des Arbeitsmarktes von Vorschriften.</P><P>Ein Problem sei die Erbschaftssteuer bei Betriebsübergaben. Wenn das Geld im Unternehmen verbleibe, sollte sie laut Sturm ganz wegfallen. Dafür könnte die Erbschaftssteuer erhöht werden, wenn der Erbe verkaufe.</P><P>Eine radikale Vereinfachung des Steuersystems mit Streichung von Privilegien und Subventionen sollte so schnell wie möglich von kompetenten Beamten erarbeitet und von den Abgeordneten beschlossen werden - ohne die Lobbyisten zu fragen. "Auch uns nicht, wir wissen, dass wir Änderungen brauchen", betonte Sturm.</P><P>Die Mittelständler schätzen weder die Vorschläge der rot-grünen Koalition noch die der CDU/CSU zur Reform des Gesundheitswesens. Am liebsten wäre es den Arbeitgebern, so Sturm, wenn sie ihren Beitrag zur Krankenversicherung in Form einer Lohnerhöhung direkt an ihre Beschäftigten auszahlen dürften: "Wo die Arbeitnehmer versichert sind, ist deren Bier."</P><P>Die Zufriedenheit der Mittelständler, nicht gerade traditionelle SPD-Anhänger, mit der Bundesregierung ist auf 7,9 % (zuvor 3,4 %) gestiegen. Unzufrieden waren 88,6 % (95,6 %). Diese verbesserten Werte seien wohl der Dank für die "Hartzsche Standhaftigkeit" des Bundeskanzlers. Auffällig sei, dass die Glaubwürdigkeit der Oppositionsparteien im Allgemeinen wie auch für den Mittelstand deutlich gelitten habe.</P>

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