Mittelstand im Stimmungshoch

- München - Dem deutschen Mittelstand geht es so gut wie lange nicht mehr. Angeschoben von Export-Rekorden und WM-Sonderkonjunktur, klingeln bei vielen kleinen und mittleren Firmen wieder die Kassen, zehntausende neue Jobs sind im Zuge des Booms schon entstanden.

Die gute Laune lässt sich mancher Unternehmer deswegen selbst von der Mehrwertsteuer- Erhöhung zum Jahreswechsel nicht verderben. Wie gut die Stimmung in der deutschen Unternehmerlandschaft derzeit ist, belegen mehrere Studien. In einer Umfrage des Kreditspezialisten Creditreform beispielsweise bewerteten fast 45 Prozent der 4000 befragten Unternehmen ihre aktuelle Lage als sehr gut oder gut. "Der Optimismus ist damit deutlich gestiegen", sagte Creditreform- Vorstand Helmut Rödl bei der Vorlage der Ergebnisse in München.

Nur noch etwa fünf Prozent hätten ihre Lage als mangelhaft oder ungenügend bezeichnet. Aber nicht nur die Einschätzung der Unternehmer hat sich gebessert, sondern auch die harten Wirtschaftsdaten: Die Zahl der Firmenpleiten im Mittelstand ging im ersten Halbjahr um 12,8 Prozent auf 16 700 zurück. Zudem verzeichneten fast 40 Prozent der Betriebe im vergangenen halben Jahr steigende Umsätze, wobei vor allem der Handel profitiert. Ein ähnliches Ergebnis liefert die Mittelstands-Studie (MIND) des Sparkassenverbands, des Magazins "Impulse" und des Instituts für Mittelstandsforschung, die in Berlin vorge-stellt wurde: Demnach sieht sich momentan knapp die Hälfte der deutschen Mittelständler auf Wachstumskurs. Längst schlägt sich dieser Aufschwung auch in den Beschäftigtenzahlen wieder.

Nach Einschätzung von Creditreform- Chef Rödl schafft der Mittelstand in diesem Jahr bundesweit rund 100 000 Jobs. Rund 70 000 seien seit Januar schon entstanden, wobei sich vor allem Händler, Maschinenbauer und Dienstleister als Jobmotoren entpuppten. Laut der Creditreform- Umfrage wollen derzeit erstmals seit zehn Jahren mehr Unternehmen (14,3 Prozent) Arbeitsplätze schaffen als abbauen (10,4 Prozent). Trotz der Erhöhung der Mehrwertsteuer zum 1. Januar wird kein deutlicher Dämpfer für diesen Boom im kommenden Jahr erwartet. Grund dafür ist nach Einschätzung von Helmut Rödl,dass viele Unternehmen die Aufschläge teilweise schon vorweggenommen haben.

"Die klugen Leute haben vorgesorgt", sagte er. Auch die Präsidentin der IHK in Schwaben, Hannelore Leimer, glaubt nicht, dass der Aufwärtstrend gebrochen wird: "Eine Rückkehr zu einer Eiszeit bei den Investitionen ist nicht zu befürchten", sagte sie in Augsburg. Wie aus der MIND-Erhebung hervorgeht, erwarten zwar vier von fünf Firmen, dass der Steueraufschlag der Gesamtwirtschaft schaden wird. Für ihre eigene Firma sind sie aber nach wie vor durchaus optimistisch. 36 Prozent rechnen mit besseren Geschäften, 39 Prozent gehen zumindest von einer gleichbleibenden Lage aus.

Dies deckt sich mit den Erkenntnissen von Creditreform: Ein knappes Drittel der Befragten erwartet eine Umsatzsteigerung, dies sind deutlich mehr als im Vorjahr. Mit sinkenden Erlösen rechnen nur noch 13,4 Prozent der Betriebe, die übrigen erwarten eine stabile Entwicklung. Als problematisch sieht Creditreform-Chef Rödl allerdings nach wie vor die Finanzierungssituation vieler deutschen Unternehmen an. "Immer noch ist nur gut jedes fünfte mittelständische Unternehmen in Deutschland ausreichend mit Eigenkapital versorgt", sagte Rödl. Beim nächsten Abschwung könnte dies zu deutlich mehr Insolvenzen führen.

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