Mittelstand will mehr Forschungsförderung

Berlin - Es sei einmalig auf der Welt, sagen die Betreiber des bundesweiten Forschungsnetzwerks AiF für den Mittelstand. Sein Bekanntheitsgrad in der Wirtschaft könnte dennoch steigen. Ebenso die Forschungsförderung.

Die mittelständische Wirtschaft hat das künftige Regierungsbündnis aufgefordert, kleine und mittlere Firmen bei der Vergabe von Forschungsfördergeld stärker zu berücksichtigen. Die Präsidentin des Industrie-Forschungsnetzwerks AiF, Yvonne Proppert, verwies darauf, dass zwar 99 Prozent aller deutschen Unternehmen Mittelstandsfirmen seien. Diese bekämen aber nur die Hälfte der Fördermittel in der Industrieforschung. Die andere Hälfte entfalle auf das restliche eine Prozent der deutschen Wirtschaft.

Proppert warnte vor einem einseitigen Ausbau der steuerlichen Forschungsförderung zulasten einer Projekthilfe: „Von einer teuren Steuerförderung nach dem Gießkannenprinzip würden nur große Unternehmen profitieren.“ Kleine und mittlere Firmen dagegen gingen leer aus: „Flächendeckende Steueranreize dürfen nicht die Förderung von Forschungsprojekten beschränken, an denen sich auch Kleinfirmen beteiligen können und die genau definiert sowie zielgerichtet ist.“

Die Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen (AiF) führt seit fast 60 Jahren Mittelstandsfirmen und Forschung zusammen. Viele kleine und mittlere Unternehmen haben keine eigenen Kapazitäten für Forschung und Entwicklung. Über das Netzwerk soll ihnen der Zugang zu neuen Technologien erleichtert werden - ohne in diesem Stadium in Wettbewerb miteinander zu stehen.

Herzstück des von Industrie und Bund finanzierten Netzwerks ist die Industrielle Gemeinschaftsforschung (IGF). Unter dem Dach der AiF agieren etwa 100 Forschungsvereinigungen und mehr als 1200 Institute. Etwa 50 000 vorwiegend mittelständische Unternehmen profitierten bisher von den Ergebnissen, die Vorstufe für spätere firmenspezifische Entwicklungen sind. Hinzu kommt die Fördersäule Kooperationsprojekte des Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand.

„So ein Netzwerk gibt es in anderen Ländern nicht“, sagt die ehrenamtliche AiF-Chefin, die auch Gesellschafterin der Pharma-Labor Yvonne Proppert GmbH (Hagen) sowie der Pharma-Zentrale GmbH (Herdecke) ist. „Es ist ein total gutes Instrument, um Voraussetzungen für die Entwicklung neuer Produkte zu schaffen - ohne Wettbewerbsdruck und von Nutzen für die gesamte Branche.“ Hier stecke noch viel Innovationspotenzial, das stärker genutzt werden sollte - von den Unternehmern sowie der Wissenschaft und Politik.

Aus ihrer Sicht könnten auch die Industrie- und Handelskammern (IHK) noch stärker werben. Der Anstoß für Projekte komme aber von den Unternehmen selbst, die Forschungsbedarf sehen. Die AiF und die Gemeinschaftsforschung seien auch ein guter Indikator für Branchenentwicklungen: „Das Netzwerk ist zudem eine unglaublich gute Rekrutierungsplattform und ein Sprungbrett für junge Mitarbeiter.“

Der Bund steuert 2013 etwa 140 Millionen Euro allein für die Industrielle Gemeinschaftsforschung bei, 2004 waren es rund 90 Millionen Euro. „Kein Cent davon ist für die Verwaltung, das Geld fließt in die Projekte“, sagt Proppert. Insgesamt wird die AiF 2013 voraussichtlich rund 490 Millionen Euro Fördermittel in Innovationen lenken. Seit Gründung des Netzwerks 1954 summieren sich die öffentlichen Fördermittel auf mehr als neun Milliarden Euro.

dp

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