Um Mitternacht stehen die Bänder still: Warnstreiks in ganz Bayern

- München - Ab Mitternacht werden in vielen Fabrikhallen in Bayern die Bänder stillstehen. Wenn die Friedenspflicht für die Tarifparteien ausläuft, dürfen die Gewerkschaften einen Teil der 710 000 bayerischen Metaller zu Warnstreiks aufrufen. "Wir werden punkt 24 Uhr die Arbeiten niederlegen", sagt Rudolf Steinberger, IG-Metall-Sprecher im Perlacher Infineon-Werk. Dann werden die etwa 70 Mitarbeiter der Schicht für ein bis zwei Stunden die Arbeit ruhen lassen.

Die Streiks sollen flächendeckend ab Mittwoch den Forderungen nach mehr Lohn Nachdruck geben. Auch in anderen Bundesländern wird es zu Arbeitsniederlegungen kommen. Bisher gab es noch keine Einigung bei den Verhandlungen für 1,4 Millionen Beschäftigte in fünf Bezirken. Die IG Metall fordert fünf Prozent mehr Geld.

In München seien Streiks auch bei Epcos und Bosch geplant, teilte die Gewerkschaft mit. In Augsburg seien mindestens sechs Betriebe, in Aschaffenburg vier Betriebe betroffen. Genannt wurden unter anderen auch Osram und MAN Roland.

Die Unternehmen selbst halten sich mit Stellungnahmen zurück, für die Verhandlungen sei der Arbeitgeberverband allein zuständig. "Wir hoffen, dass es nicht so lange dauert", sagte MAN-Sprecher Andreas Lampersbach. Der Maschinen- und LKW-Bauer soll auch bestreikt werden, man wisse nur noch nicht, wo.

Offensichtlich herrscht auf Seiten der Tarifparteien gegenseitiges Unverständnis. Die Beschäftigten würden mit Warnstreiks zeigen, was sie von den bisherigen Angeboten der Arbeitgeber hielten - "nämlich nichts", sagte der bayerische IG-Metall-Chef Werner Neugebauer. Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie (VBM), sagte: "Ich begreife nicht, warum sich die IG Metall so vehement gegen unsere Angebote stellt."

Der moderne Flächentarifvertrag müsse flexibler werden. Das sei doch eine "solidarische Finanzierung", wenn die Mitarbeiter unbezahlt etwas mehr arbeiten, damit andere Mitarbeiter neu eingestellt werden, sagte Brossardt. Auch bei der Frage der produktionsfernen Dienstleistungen stehe man laut Brossardt vor einer Grundsatzentscheidung: "Die Alternative ist, dass es diese Dienstleistungen in den Unternehmen nicht mehr geben wird."

Und auf der Arbeiterseite werden die Wahrnehmungen des Gegners auch als "sehr unverständlich" aufgefasst. Das Angebot, "produktionsferne" Lager- oder Verwaltungsarbeiten gesondert zu entlohnen, würde laut Siegfried Hörmann für die Betroffenen 20 Prozent Einkommensminderung bedeuten. "Unakzeptabel", so der Sprecher der IG Metall in München. Auch die Produktivitätssteigerung läge in der Metall-Branche mit vier bis fünf Prozent über dem vom Arbeitgeberverband genannten gesamten Wachstum von 1,2 Prozent.

BMW äußert sich nicht zu Verhandlungen über den Flächentarifvertrag. Zu den eingeforderten Qualifizierungsmaßnahmen sagte Sprecherin Martina Hatzel nur so viel: "Es ist sinnvoller, dass die Unternehmen das individuell regeln." "Sollte es zu Warnstreiks kommen, werden die Produktion aufrecht- und unsere Verpflichtungen gegenüber den Kunden eingehalten werden", sagte Infineon-Sprecher Günter Gaugler. Das aber aus Perlach auch nur vorübergehend, denn das Werk wird so oder so nächstes Jahr dichtgemacht.

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