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Beliebtes Zahlungsmittel: Die Kreditkarte.

Achtung, Schuldenfalle: Finger weg von neuen Kreditkarten

Millionen US-Bürger sind mit ihr bereits in die Schuldenfalle gerutscht. Jetzt ist sie auch in Deutschland im Kommen: Die sogenannte echte Kreditkarte, die kaum etwas kostet, mit der aber jederzeit Einkäufe auf Pump gezahlt werden können.

Echte Kreditkarten sind verführerisch: Am Anfang muss nur wenig zurückgezahlt werden. Das dicke Ende kommt, wenn für die Restschulden schwindelerregende Zinssätze über 20 Prozent fällig werden. Besonders brisant: Ab Sommer stehen Anbieter voraussichtlich nicht mehr unter Bankenaufsicht – damit wäre Schuldenmachen für Verbraucher noch leichter.

„Mit der echten Kreditkarte kann man immense Schulden anhäufen, ohne dass man es merkt“, warnt Achim Tiffe vom Hamburger Institut für Finanzdienstleistungen (IFF). Für Kartenanbieter und Banken sei das Geschäft lukrativ, für Verbraucher eine sehr teure bis ruinöse Kreditform. „Finger weg“, mahnt auch Marius Stark von der Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände. In Krisenzeiten sollten Menschen in Finanznot nicht auf Werbung hereinfallen, die ihnen das Beibehalten des Lebensstandards ohne Risiko vorgaukele.

Das alte System

Bislang sind bundesweit vor allem die herkömmlichen Kreditkarten bekannt: Wer eine hat, kann damit zahlen und Geld abheben. Die Ausgaben werden gesammelt und meist am Monatsende vom Girokonto abgebucht. Zinsen fallen keine an. Das System ist übersichtlich.

„Echte“ Kreditkarten

Ganz anders funktioniert dagegen die hierzulande noch weniger bekannte Variante, die sogenannte revolvierende Kreditkarte: Wer mit ihr einkauft, kann damit jederzeit Schulden machen, ohne vorher extra einen Bankkredit abschließen zu müssen. Oder sein Konto zu überziehen. Die Kreditlinie ist „echt“, also praktisch in die Karte eingebaut. Die Gebühren sind verlockend niedrig, die Werbung dafür kommt oft ungebeten ins Haus. „Das Angebot ist nicht neu, aber es ist in letzter Zeit häufiger geworden“, betont Uwe Döhler, Kartenexperte von Stiftung Warentest.

Dispo ist billiger

Wer das neue Sofa damit auf Pump kauft, muss zunächst einmal monatlich nur wenig, meist zwischen 5 bis 10 Prozent der Summe abstottern. Die Großzügigkeit lassen sich die Banken allerdings teuer bezahlen. Der Restbetrag wird auf einem eigenen Kreditkonto gesammelt – und das ist zinspflichtig. Häufig kommt noch eine Restschuldversicherung dazu, die die Zinsbelastung auf über 20 Prozent treiben kann. Zum Vergleich: Wer beim Einkaufen sein Konto überziehe, komme deutlich billiger davon, so Uwe Döhler. „Die neuartigen Kreditkarten sollen den Konsum anheizen, die Kunden verlieren dann den Überblick über ihre Verpflichtungen“, befürchtet Tiffe vom IFF. Das Problem sei aus den USA bekannt und dränge nun auch auf den deutschen Markt. „Die echte Kreditkarte kann gerade für Menschen, die sonst keinen Kredit mehr bekommen, eine große Falle sein“, fürchtet Schuldnerberater Stark.

Prüfung könnte fallen

Im Gegensatz zum angloamerikanischen Modell beispielsweise dürfen Kreditkarten, auch revolvierende Karten, bislang nur dann vergeben werden, wenn vorher auch die Zahlungsfähigkeit des potenziellen Kunden überprüft wurde, beispielsweise über eine Anfrage bei der Schufa. Bei schlechter Bonität gibt es keinen Kredit. Das könnte sich in Zukunft ändern, wie die bayerische Verbraucherschutzministerin Beate Merk befürchtet. Ab Sommer steht die Umsetzung einer Richtlinie der Europäischen Union über Zahlungsdienste in deutsches Recht an. Der bislang vorliegende Gesetzentwurf der Bundesregierung würde ermöglichen, dass Anbieter auch ohne Banklizenz echte Kreditkarten ausgeben könnten.

Kostenfalle

Ungeachtet des politischen Tauziehens rät Tiffe zur Zurückhaltung: „Je aggressiver für die neuartigen Karten geworben und je weniger über die Kosten gesprochen wird, desto vorsichtiger sollten die Verbraucher sein.“ Kein Mensch schließe freiwillig einen Kredit für 16 Prozent Zinsen ab. Wer sich ahnungslos bereits eine echte Kreditkarte angeschafft habe, sollte versuchen, seinen Schuldenberg so schnell wie möglich abzuzahlen und weitere Einsätze vermeiden, wie Uwe Döhler von der Stiftung Warentest empfiehlt.

Von Berrit Gräber

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