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Aktionäre im Regen: BMW-Anteilseigner forderten die Streichung ganzer Baureihen. 

Aktionäre wollen näher an Daimler rücken

München – Die Autokrise beschert sogar BMW- Aktionären Zukunftsängste. Sie drängen das Management vor allem zu Kooperationen und haben speziell Daimler im Blick.

Die Aktionäre des Münchner Luxuswagenherstellers BMW sehen ihren Konzern an einem Scheidepunkt. Angesichts von Autokrise und technologischem Umbruch in der Branche „gibt es keine heiligen Kühe mehr“, sagte eine besorgte Eignerin zur Hauptversammlung an die Adresse von Firmenchef Norbert Reithofer. Die „Ratschläge“, die sie und andere Aktionäre dem Management gaben, hatten es zum Teil in sich.

Notfalls müssten unprofitable Baureihen gestrichen werden oder die Motorradsparte verkauft. Vor allem aber sei BMW zu klein und müsse einen Schulterschluss mit Konkurrenten wagen. „Kooperationen sind das Gebot der Stunde“, meinte Aktionärsschützer Klaus Schneider. Was BMW hier bislang vorweisen könne, sei zu spärlich. Es sei Zeit für ein Umdenken.

Ein Fondsmanager schlug in dieselbe Kerbe. „Sie vertun eine Riesenchance“, kritisierte er Reithofer und forderte eine Zusammenarbeit speziell mit Daimler. Drei bis vier Milliarden Euro an Kosten ließen sich dadurch sparen. Den Luxus, im Alleingang immer mehr Geld in die Entwicklung neuer Technologien zu pumpen, könne sich BMW nicht länger leisten. „Es ist völlig unverständlich, warum BMW nicht stärker in Richtung Daimler rückt“, sagte der Aktionärsvertreter.

Reithofer blieb zurückhaltend. Er werde keine Kooperationen auf Kosten der Unabhängigkeit von BMW eingehen und sie müssten klare Vorteile für den eigenen Konzern bringen. Derzeit kooperiert BMW mit dem französischen PSA-Konzern (Peugeot, Citroen) und lässt sich von ihm Motoren für die Kleinwagenmarke Mini liefern. Demnächst wird auch die BMW 1er- Reihe von PSA mit Motoren bestückt.

Mit Daimler kooperieren die Münchner beim Hybrid-Antrieb. Geplant ist zudem der gemeinsame Einkauf nicht markenprägender Teile wie Fensterheber oder Getriebe. Einer Überkreuzbeteiligung mit anderen Autoherstellern erteilt Reithofer generell eine Absage. Auch eine gemeinsame Plattform mit Daimler kommt für ihn nicht in Frage. Kooperationen dürften nicht so weit gehen, dass sie den eigenen Markenkern beschädigen. Mit PSA will Reithofer dagegen demnächst über eine Ausweitung der bestehenden Kooperation reden.

Ansonsten vertraut er trotz gut einem Fünftel Absatzrückgang und Verlusten im ersten Quartal auf eigene Stärken und Technologien. Die Kurzarbeit werde nach und nach zurückgefahren, das Werk Leipzig ab Anfang Juni wieder normal laufen. In Leipzig werden Modelle der kleinen 1er-Baureihe gebaut, die derzeit auch von der Abwrackprämie profitiert. Im April hatte der 1er beim Absatz zumindest den Vorjahreswert erreicht. Bei fast allen anderen Baureihen war er deutlich zurückgegangen. Neben dem Dreitürer, dem Coupé und dem Cabrio soll ab Anfang September in Leipzig auch der neue, kleine Geländewagen X1 gebaut werden. Wegen der guten Nachfrage nach einzelnen Modellen hatte BMW vor kurzem auch in Regensburg die Kurzarbeit vorzeitig beendet. Damit wird dann nur noch im weltweit größten Werk Dingolfing kurzgearbeitet, wo vor allem größere Autos wie der 5er und der 6er vom Band laufen.

Für die Zukunft setzt BMW auf eigene Entwicklungen. Die BMW-Spritspartechnologie Efficient Dynamics setze Maßstäbe. „Die Freude am Fahren beginnt bei 4,4 Liter pro 100 Kilometer“, sagte Reithofer mit Blick auf den verbrauchsärmsten BMW der 1er-Reihe. BMW ändere sich und werde die Krise auch deshalb überstehen.

Von Thomas Magenheim–Hörmann

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