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Keine Prototypen – die Personal-Chefin des Modehauses Konen und Enkelin des Firmengründers, Gabriele Godl, wünscht sich Auszubildende mit eigenem Kopf und etwas Tiefgang. Standard-Bewerbungen ausdem Handbuch kommen schlecht an.

Bewerbung: „Den perfekten Kandidaten gibt es nicht“

Auf der Suche nach geeigneten Auszubildenden erleben die Personalverantwortlichen der Unternehmen so einiges. Rechtschreibfehler scheinen Standard und Bewerbungs-Trainingsbücher haben ihre Tücken.

Der Weg zu einem Ausbildungsplatz ist kein einfacher. Schließlich geht es um die Zukunft. Beruflich und auch persönlich. Mit der Arbeitswelt haben die wenigsten Schulabgänger wirklich Erfahrung. Und viele kommen ins Stolpern, wenn es um Bewerbungen und Vorstellungsgespräche geht. „Wir erleben da so einiges“, sagt Brigitte Haydn, seit sechs Jahren Ausbildungsleiterin beim Münchner Modehaus Konen.

Grobe Schnitzer beim ersten Treffen

Jugendliche, die mit einem McDonalds-Becher in der Hand zur Vorstellungsrunde erscheinen, deren Mobiltelefon während des Gesprächs klingelt oder die sich auch bei der Bewerbung nicht von den Kopfhörern ihres MP3-Players trennen können – alles bereits vorgekommen. „Die wissen noch nicht so ganz, wohin sie eigentlich wollen“, interpretiert Gabriele Godl, Mitgesellschafterin und Personal-Chefin bei Konen dieses Verhalten. „Wer ernsthaftes Interesse daran hat, bei uns zu arbeiten, dem passieren solche groben Schnitzer nicht.“

Rund 1000 Bewerbungen sind in den vergangenen Monaten auf dem Tisch von Brigitte Haydn gelandet. Vor drei Jahren seien es über 2000 gewesen. „Jetzt kommen die geburtenschwachen Jahrgänge“, erklärt sie. Die Ausbildungsleiterin hat 18 Lehrstellen neu zu besetzen. Am 1. September 2009 sollen acht Kaufleute im Einzelhandel, vier Handelswirte und jeweils zwei Bürokaufleute, Gestalter für visuelles Marketing und Änderungsschneider ihre Lehre antreten. Um dorthin zu gelangen müssen sie drei Hürden nehmen: die schriftliche Bewerbung, ein Assessment-Center und ein persönliches Bewerbungsgespräch.

50 Prozent Standard – 70 Prozent fehlerhaft

„Wahnsinnig viele Rechtschreibfehler“ – so abgedroschen dieses Klischee klingt, „mindestens 70 Prozent der schriftlichen Bewerbungen sind fehlerhaft“, sagt Brigitte Haydn. Und dabei geht es weit über die reine Orthografie hinaus. Es zeigt sich, dass Handbücher und Ratgeber inklusive Vorlagentexte rund um das „richtige“ Bewerben ihre Tücken haben. „Da ist dann die Bewerbung zwar korrekt an Frau Haydn adressiert, aber im Anschreiben steht noch die Standard-Frau-Meier aus dem Vorlagentext“, sagt Gabriele Godl. „Oder die Ausbildungsleiterin von Loden Frey“, sagt Brigitte Haydn und lacht.

Solche Patzer kommen, wie in jeder anderen Firma, nicht gut an. Genauso wenig alberne Urlaubsfotos oder düster wirkende Bahnhofs-Automaten-Bilder. Wer solche Porträts in die Bewerbungsmappe setzt, dem fehle das Feingefühl, sagt die Personal-Chefin. „Der Blick aufs Foto ist wichtig für uns. Denn die meisten Azubis haben viel Kundenkontakt und müssen eine gewisse Ausstrahlung mitbringen.“

Viel Wert legen die beiden auch auf den Textinhalt der Bewerbungen. Dabei ist über die Hälfte Standard, schätzt Brigitte Haydn. „Dabei möchten wir ein individuelles Anschreiben lesen mit ein bisschen Tiefe“, erklärt Gabriele Godl. Der Bewerber sollte sich genau überlegen: Was will ich? „Das fehlt oft“, sagt die Personal-Chefin. „Es ist besser, sich auf fünf oder sechs Bewerbungen ganz genau zu konzentrieren, als sich zu sagen: Ich versuch’s mal überall“, rät sie.

Die Frage, ob sie die Messlatte nicht arg hoch setzen für ihre Azubis, verneinen beide augenblicklich. „Den perfekten Kandidaten gibt es nicht“, sagt Gabriele Godl. Aber die Grundzüge müssten stimmen: Anstand, Auftreten, persönliches Interesse und ein erstes Bild vom Berufsalltag im Einzelhandel sollten vorhanden sein. Dann seien die Aussichten groß. „Den Rest bekommen wir hin“, sagt Ausbildungsleiterin Brigitte Haydn.

Von Stefanie Backs

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