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Dr. Wolfgang Gerke hält wenig von Bad Banks.

Interview

Wirtschaftsexperte: „Banken müssen verantwortlich bleiben“

Möglicherweise kommen auf die Steuerzahler weitere Milliardenrisiken zu: Heute trifft sich eine Expertenrunde unter der Leitung von Kanzlerin Angela Merkel, um die Bad-Bank-Pläne der Regierung zu beraten. Wir sprachen mit dem Wirtschaftsexperten Wolfgang Gerke.

Herr Prof. Gerke, warum machen Experten plötzlich so großen Druck beim Thema Bad Bank?

Man möchte die Banken endlich wieder aktiver in der Finanzierung mittelständischer Unternehmen sehen und hofft, dass sie sich endlich wieder voll ihrem Tagesgeschäft widmen können, wenn sie ihre toxischen Papiere in einer Bad Bank ausgegliedert haben.

Die Bad Bank ist eine Art Müllhalde der Finanztitel. Hier sammelt man die Engagements eines Kreditinstitutes, die einen hohen Abschreibungsbedarf haben, und hofft, durch eine Auslagerung die Verluste dort minimieren zu können. Mit Hilfe des Staates will man das Tagesgeschäft dann weiter betreiben können.

Wie könnte eine solche Bad Bank konstruiert sein?

Es kann ein zentrales Institut geben, in dem der Staat beispielsweise diese Engagements aufkauft. Das wäre den Banken natürlich am liebsten. Es kann aber auch ein dezentrales Institut sein, bei denen der Staat zwar Garantien gibt, die Kreditinstitute sich aber auch selber beteiligen.

Sie selbst halten wenig von Bad Banks. Warum?

Ich bin der Meinung, dass der eingeschlagene Weg der richtige ist. Dass der Staat die Banken stützt, sich an ihnen beteiligt und wenn es gar nicht anders geht, sie völlig übernimmt. Ich glaube aber nicht, dass es Sinn macht, den Banken den Druck wegzunehmen, ihre schiefgelaufenen Engagements selber abzuwickeln. Allerdings kann ich mich für eine dezentrale Bad- Bank-Konstruktion erwärmen, bei der die Kreditinstitute weiter voll verantwortlich sind, ansonsten aber getrennt ihr traditionelles Bankgeschäft betreiben.

Welche Rolle würde hier der Staat einnehmen?

Da gibt es verschiedene Spielarten. Das Wichtigste für mich ist, dass der Staat da keine kostenlose Hilfe leistet und möglichst kein Geld verliert, sondern am allerbesten noch ein bisschen Geld verdient. In jedem Fall darf der Staat hier nicht leichtfertig mit Steuergeldern umgehen.

Um welche Beträge geht es denn?

Die Schätzungen laufen hier von 200 bis 300 Milliarden Euro. Allein die Differenz hätte uns früher schon furchtbar erschreckt. Wir haben uns ja mittlerweile an unglaublich hohe Beträge gewöhnt.

Könnte das Bad-Bank-Modell auch ein Druckmittel sein, um die Bundesländer zu einer Vereinbarung über die künftige Struktur der Landesbanken zu bringen?

Ich glaube, da hätte man schon vorher ansetzen können und müssen. Bei der Sanierung der Landesbanken ist leichtfertig so weiter gearbeitet worden wie bisher. Die Länder haben es versäumt, ein bundesweites Konzept auf den Weg zu bringen.

Derzeit gibt es sieben Landesbanken, welche Anzahl halten Sie für sinnvoll und warum?

Ich sage seit vielen, vielen Jahren, dass man sich auf eine einzige Landesbank einigen sollte, alles andere ist suboptimal. Die Sparkassen können ohne Landesbanken leben, sie könnten aber sehr gut eine bundesweite Landesbank gebrauchen, die beispielsweise die Großkundschaft ins Ausland begleiten würde, das sind typische Aufgaben einer Landesbank. Die Mittelstandsfinanzierung schaffen Sparkassen und Genossenschaftsbanken selber eigentlich besser. Interview: Ines Pohl

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