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Der Münchner Tüv ist der größte in Deutschland – und er will weiter jede Chance zur Expansion nutzen.

Tüv Süd baut bundesweites Netz auf

München - Der Tüv Süd strotzt vor Kraft und will die Krise zu Zukäufen im Ausland nutzen. Im Inland überschreitet er aggressiv die Grenzen zur Konkurrenz.

Der Münchner Tüv Süd wächst in der Krise und geht zunehmend auf Konfrontationskurs. Soeben habe man die Tüv Süd Auto Partner gegründet, um damit die Fahrzeuguntersuchungen auf ganz Deutschland auszuweiten, kündigte Konzernchef Axel Stepken zur Bilanzvorlage in München an. Damit ziele man zwar nur auf die Flotten von Großkunden. Aber auch Privatkunden könnten bei in vielen Großstädten geplanten Standorten ihre Hauptuntersuchung machen. Zudem werde im Industriegeschäft das eigene Niederlassungsnetz bundesweit ausgebaut. „Der Wettbewerb wird schärfer, überall“, warnte Stepken.

Da 2008 hierzulande die letzten Monopolgrenzen in der Prüfbranche gefallen sind, werde der Tüv Süd die Sicherheitsprüfung von Industrieanlagen nun verstärkt bundesweit anbieten. Damit machen die Münchner als größter deutscher Einzel-Tüv vor allem den anderen beiden Gruppierungen Tüv Nord und Tüv Rheinland gezielt Konkurrenz. Den Startschuss dazu hat das Kartellamt gegeben, als es im Vorjahr mit hohen Auflagen eine Fusion von Tüv Süd und Tüv Rheinland verhindert hat. Zuvor war schon ein Schulterschluss der Münchner mit dem Tüv Nord gefloppt. „Der Tüv Deutschland ist tot“, stellte Stepken mit Blick auf einen bundesweit einheitlichen TÜV -Konzern klar, zu dem es nun mehrere gescheiterte Anläufe gegeben hat.

Während den Münchnern im Inland bei Zukäufen damit die Hände gebunden sind und nur noch Verdrängungswettbewerb bleibt, rüsten sie sich im Ausland für Akquisitionen. Die Geschäfte laufen trotz Rezession so gut, dass man auch „erhebliche Investitionen aus eigener Kraft“ stemmen kann, stellte Finanzchef Peter Klein klar. Zudem verhandle man mit Banken derzeit über eine Kreditlinie in dreistelliger Millionenhöhe, um Gelegenheiten nutzen zu können. Eine solche war zuletzt das Forschungsinstitut Msource, um dessen Kern herum die Bayern nun den Bereich Life Science als viertes Geschäftsfeld aufbauen wollen.

Das traditionelle Kerngeschäft mit Autoprüfungen hat der Tüv Süd soeben in die Türkei exportiert. Das könne als Vorbild für weitere Expansion dieser Art ins Ausland dienen, sagte Stepken selbstbewusst. Die eigene Stärke stimmt ihn zuversichtlich, dass er ausländische Konkurrenten vom Wildern in Deutschland fernhalten kann. 2008 seien die eigenen Umsätze um gut sieben Prozent auf knapp 1,4 Milliarden Euro gewachsen, gab Stepken bekannt. Dieses Jahr sollen sie ohne Zukäufe nochmals um gut fünf Prozent zulegen. Der Tüv Süd suche auch vereinzelt noch Personal, nachdem im Vorjahr die Belegschaft schon um rund 1000 auf konzernweit gut 14 000 Menschen aufgestockt wurde. In Deutschland wurden zirka 200 auf nun gut 9000 Stellen aufgebaut.

Der Vorsteuergewinn sank dagegen im vergangenen Jahr um rund acht Prozent auf 107 Millionen Euro, weil unter anderem Kosten für die gefloppte Fusion mit dem Tüv Rheinland einmalig belastet haben. Bis 2013 sollen die Erlöse inklusive geplanter Zukäufe um fast eine auf dann 2,3 Milliarden Euro steigen.

Von Thomas Magenheim-Hörmann

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