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Gerangel um die HRE: Der Bund will Eigentümer der systemrelevanten Spezialbank werden, um sie zu stabilisieren. Die Aktionäre, vor allem Christopher Flowers, müssen dazu aber ihre Anteile abgeben.

Hypo Real Estate

Bund lockt Aktionäre mit Kaufgebot

Der Bund hat den Aktionären der Hypo Real Estate ein überraschend hohes Kaufangebot gemacht. Anlegerschützer raten, die Offerte anzunehmen. Großaktionär Christopher Flowers sträubt sich dennoch. Unsere Zeitung klärt die Zusammenhänge auf.

Was will der Bund?

Die Hypo Real Estate (HRE) kann ihr Geschäft nur noch auf Grund staatlicher Bürgschaften finanzieren. Der Bund hat bereits 8,7 Prozent der Anteile übernommen, will aber 100 Prozent, damit die Bank fortan wieder leichter und vor allem auch billiger an Kredite kommt. Experten sagen, als reine Staatsbank würde die HRE jährlich 1,5 Milliarden Euro Zinsen sparen. Zudem will der Bund die schon gewährten Hilfen von 102 Milliarden Euro sichern. Schließlich könnte er bei der Sanierung rasch und ohne Rücksicht auf andere Aktionäre oder drohende Anfechtungsklagen handeln.

Was bietet der Bund den Aktionären?

Der Bund gab am Donnerstag eine unerwartet hohe Kaufofferte für die HRE-Aktien ab. Über den staatlichen Bundesfonds Soffin bietet er den Aktionären 1,39 Euro je Aktie. Das sind zehn Prozent mehr als gesetzlich vorgeschrieben wären. Insgesamt müsste der Bund damit für die Übernahme aller Anteile 290 Millionen Euro aufwenden.

Was raten Anlegerschützer den Kleinaktionären?

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz empfahl den Aktionären, das Übernahmeangebot anzunehmen. Es sei mangels Alternativen attraktiv. Auch die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger rät zum Zugreifen.

Was sagen Politiker?

Der stellvertretende FDP-Fraktionschef Carl-Ludwig Thiele hält das Übernahmeangebot des Bundes für angemessen. „Dass man einen kleinen Aufschlag bezahlt, ist in Ordnung“, sagte Thiele. Er zeigte sich zuversichtlich, dass es nicht zu einer Enteignung der Bank kommen muss. Der CDU-Haushaltsexperte Jochen-Konrad Fromme sagte: „Ich hoffe, dass möglichst viele Aktionäre von diesem Angebot Gebrauch machen.“

Wie reagierte Großaktionär Flowers?

Flowers, der knapp 22 Prozent kontrolliert, sagte eine Prüfung des Angebots zu. „Das Thema ist offen. Aber die Präferenz ist, im Unternehmen zu bleiben“, erklärte ein Sprecher. Flowers behalte sich rechtliche Schritte vor. Der Investor hatte bei seinem Einstieg einst 22,50 Euro pro Aktie bezahlt und hofft auf eine Erholung des HRE-Kurses.

Warum enteignet der Bund die Aktionäre nicht einfach?

Die Enteignung ist in einem soeben erst in Kraft getretenen Gesetz als letztes und äußerstes Mittel festgelegt. Davor will der Bund alle anderen Mittel ausschöpfen. Mit dem Übernahmeangebot geht der Bund auf Nummer sicher.

Was passiert nun?

Flowers wird wohl nicht verkaufen, die meisten Kleinaktionäre dagegen schon, erwarten Beobachter. Nach dem Ablauf der Übernahmefrist hätte der Bund dann über 50 Prozent der Aktien. Auf der Hauptversammlung – voraussichtlich im Mai – könnte er die alten Aktien mit einem Kapitalschnitt herabstufen und dann für mehrere Milliarden Euro dringend notwendiges Kapital in die HRE pumpen. Der Anteil von Flowers und der anderen Altaktionäre wäre verwässert, der Bund hätte über 95 Prozent der Anteile. Damit könnte der Bund die Aktionäre gegen Abfindung aus der Bank herausdrängen. Grundlage eines solchen „Squeeze Out“ ist das Aktienrecht, nicht das umstrittene Enteignungsgesetz.

mm/ap/dpa

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