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Frist bis zum 4. Mai: Aktionäre, die ihre Aktien bis dahin nicht verkaufen, werden herausgedrängt oder enteignet, geht aus dem offiziellen Übernahmeangebot der Bundesregierung hervor.

Bund setzt Aktionäre der Hypo Real Estate unter Druck

München/Berlin - Die Bundesregierung setzt den Aktionären des maroden Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate nach monatelangem Streit um die Verstaatlichung die Pistole auf die Brust. Wer seine Aktien bis zum 4. Mai um Mitternacht nicht für 1,39 Euro verkauft, wird herausgedrängt oder enteignet, geht aus dem offiziellen Übernahmeangebot hervor. Eine weitere Frist wird es nicht geben.

Mit dem Übernahmeangebot will der Bund die 100-prozentige Kontrolle über die Hypo Real Estate (HRE) erlangen und damit sicherstellen, dass die Nothilfe von 102 Milliarden Euro an den taumelnden Finanzriesen aus München nicht vergeblich war. Im Weg steht dabei vor allem der US-Großaktionär J. Christopher Flowers, der sein 22-prozentiges Aktienpaket trotz der klaren Drohung nicht einfach verkaufen will.

Der lange Zeit erfolgsverwöhnte Investor aus New York würde durch einen Verkauf seiner HRE-Aktien zu den staatlichen Konditionen rund eine Milliarde Euro in den Sand setzen. Er hofft deshalb darauf, dass der Aktienkurs mit dem Staat als Mehrheitsaktionär wieder steigt und er zu einem besseren Zeitpunkt aussteigen könnte. Um das zu erreichen, will er notfalls auch vor Gericht ziehen. “Rechtliche Schritte schließen wir nicht aus“, sagte sein Sprecher.

Eine Enteignung hätte aus Sicht von Flowers weitreichende Folgen für das Ansehen des Landes. “Die Reputation Deutschlands als Investitionsstandort für ausländische Investoren würde durch eine Enteignung schweren Schaden nehmen“, warnte er vor wenigen Wochen in einer Stellungnahme an den Bundestag. Aber auch bei anderen Aktionären ist nicht sicher, ob sie das Angebot des Bundes direkt annehmen werden oder in der Hoffnung auf Nachbesserung auf ihren Aktien sitzen bleiben.

Aktionärsschützer warnten nach der Veröffentlichung des Angebots vor einem überstürzten Verkauf. “Man sollte jetzt nicht sofort zur Bank rennen“, sagte ein Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Erfahrungsgemäß warteten die meisten Aktionäre bei einem Übernahmeangebot möglichst lange ab. Falls der Kurs, der am Freitag mit 1,39 Euro genau die Angebotshöhe erreicht hatte, bis zum Termin am 4. Mai noch steigt, sei der Verkauf über die Börse lukrativer.

Generell gebe es zum Verkauf der Aktien aber keine Alternative. Bislang hält der Bund knapp 9 Prozent der Anteile an der HRE. Sollte er sich durch das Übernahmeangebot mindestens 90 Prozent sichern, will er die übrigen Aktionäre durch ein sogenanntes Squeeze- Out-Verfahren herausdrängen. Aber auch die Enteignung ist möglich, nachdem die Bundesregierung im Februar das “Rettungsübernahmegesetz“ gebilligt hatte, das diesen Schritt als letztes Mittel ermöglicht.

Im Übernahmeangebot weist der Bund eindringlich auf die Notlage der HRE hin, um sein Vorgehen zu rechtfertigen. “Zur Klarstellung: Die Zielgesellschaft befindet sich in einer existenzbedrohenden Lage“, heißt es dort in fettgedruckten Buchstaben. Die Aktionäre werden die Offerte in diesen Tagen per Post von ihren Banken erhalten. Das Schreiben könnten sie vielleicht eines Tages als historisches Dokument ihren Enkeln zeigen: Erstmals wird darin Aktionären einer Bank ein Übernahmeangebot im Namen der Bundesrepublik Deutschland unterbreitet.

dpa

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