Deutsche Musikindustrie mit leichten Einbußen

Berlin - Trotz der rasanten Zunahme von Musik aus dem Internet stützt sich die deutsche Musikindustrie weiter auf den CD- Verkauf.

Zwar wurden im vergangenen Jahr mit 145,1 Millionen Alben rund 3,5 Millionen Stück weniger als 2007 abgesetzt. Die Silberscheibe bleibt aber mit Abstand der beliebteste Tonträger, wie der Bundesverband Musik am Donnerstag in Berlin mitteilte. Für schrille Töne sorgen nach wie vor die illegalen Downloads aus dem Internet, die seit Jahren kontinuierlich zurückgehen, 2008 aber wieder gegen den Trend etwas anzogen.

“Wo digital ist, ist umsonst nicht weit“, sagte der Verbandsvorsitzende Dieter Gorny. Der Gründer des Musikkanals “Viva“ forderte die Bundesregierung auf, sich stärker beim Schutz des Urheberrechts in der digitalen Welt einzusetzen. Bis auf weiteres will die Musikindustrie über Klagen und Mahnverfahren den Druck auf Raubkopierer aufrechterhalten. Als Beispiel einer effektiven Lösung nannte er die französische Initiative, ertappten Mehrfachtätern den Zugang zum Netz abzudrehen.

Die Strategie, mit dem Ausbau der Digitalangebote die CD nicht zu vernachlässigen, habe sich ausgezahlt, sagte Verbandsgeschäftsführer Stefan Michalk. Während weltweit die Erlöse meist zweistellig fallen, ging in Deutschland der Branchenumsatz im vergangenen Jahr um moderate 4,7 Prozent auf 1,575 Milliarden Euro zurück.

Dennoch liegt für die Musikindustrie die Zukunft im Netz. Die Einnahmen aus Musikdownloads nahmen im vergangenen Jahr um 34 Prozent zu. Doch die Plattenfirmen suchen nach weiteren Geschäftsmodellen im Internet. Laut einer Verbandsumfrage unter den großen Plattenfirmen soll sich in den kommenden fünf Jahren der Anteil neuer Erlösquellen von derzeit fünf bis zehn Prozent auf 15 bis 20 Prozent mindestens verdoppeln.

Als große Chance wittern die Firmen dabei den Lizenzverkauf an Internet-Plattformen wie YouTube oder My Space. Auch die Hersteller von Hard- und Software wie etwa der Handy-Produzent Nokia oder das Videospiel “Guitar Hero“ werden für die Musikindustrie interessanter. Plattenfirmen machten sich immer stärker vom klassischen Musikverkauf unabhängig und entwickelten sich zu Entertainment-Unternehmen, sagte Michalk.

Kopfzerbrechen bereitet der Branche nach wie vor der Schutz des Urheberrechts. Zwar hat die Musikindustrie seit 2004 rund 100 000 Verfahren gegen Raubkopierer eingeleitet. Die Zahl illegaler Downloads ging auch von mehr als 600 Millionen Titeln im Jahr 2004 auf 316 Millionen im vergangenen Jahr um rund die Hälfte zurück. Doch seitdem die Staatsanwaltschaften erst ab rund 3000 illegalen Dateien ermitteln, steige die Zahl der illegalen Downloads wieder etwas an, kritisierte der Musikverband.

dpa

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