Dividenden: Milliarden für die Aktionäre

Viele Unternehmen bieten derzeit so hohe Dividendenrenditen wie selten. Mit Dividendenfonds können Anleger von den Ausschüttungen profitieren.

In diesen Tagen machen sich wieder viele Aktionäre auf, um an der Hauptversammlung ihres Unternehmens teilzunehmen. Dort wird in der Regel auch über die sogenannte Dividende entschieden: Einen Teil des vom Unternehmen im zurückliegenden Geschäftsjahr erzielten Gewinns schüttet die Gesellschaft an ihre Eigentümer, also die Aktionäre, aus. Doch in Zeiten der Finanzkrise dürfte das bei manchem Aktienbesitzer nicht für Freude sorgen.

Milliarden-Minus

Nach der Rekordsumme von 28 Milliarden Euro im Vorjahr schütten die Dax-Firmen in diesem Jahr rund vier bis fünf Milliarden Euro weniger aus. Dennoch halten Experten die Ausschüttungsstrategie derzeit für interessant. „Im historischen Vergleich und verglichen mit den Zinsen am Geld- und Anleihemarkt sind die Dividendenrenditen sehr attraktiv“, sagt Ad van Tiggelen, Chefstratege von ING Investment Management. Thomas Schüssler, Manager des auf dividendenstarke Firmen fokussierten Fonds DWS Top Dividende beurteilt das ebenso. „Dax-Firmen bringen derzeit Dividendenrenditen von durchschnittlich rund fünf Prozent, einzelne Werte bringen es gar auf über sieben Prozent“, sagt er. Die Dividendenrendite ist das Verhältnis zwischen der Ausschüttung pro Aktie und dem aktuellen Kurs.

Dividendengrößen

Grund für hohe Dividendenrenditen sind die drastischen Kurseinbrüche, die zu niedrigen Kursen geführt haben. Doch gilt dies eben nicht für den breiten Markt, sondern nur partiell. Exemplarisch für die erheblichen Unterschiede bei der Dividende stehen die Titel aus dem Dax. Bei der Commerzbank oder der Postbank zum Beispiel fallen die Ausschüttungen für 2008 ganz aus, die Deutsche Bank muss die Dividende drastisch kürzen. Der Versorger RWE dagegen plant, für 2008 eine Dividende in Höhe von 4,60 Euro zu zahlen. Die Aktie weist Mitte April damit eine Dividendenrendite von etwa acht Prozent aus. Dieselbe Größenordnung erreicht die Deutsche Telekom. BASF und die Lufthansa liegen bei etwa sieben Prozent.

Fonds haben gelitten

Eine Alternative zum Investment in einzelne Aktien, die hohe Dividendenrenditen bieten, ist, auf Dividendenfonds zu setzen. Allerdings enttäuschten viele dieser Fonds zuletzt. Einige büßten in einem Jahr über 50 Prozent an Wert ein. „In der Vergangenheit“, sagt Experte Schüssler, „zeichnete sich vor allem der Finanzsektor durch hohe Dividendenzahlungen aus. Aus diesem Grund hatten viele Fonds diese Branche stark übergewichtet.“ Gerade dies wurde einigen Körben zum Verhängnis, da Banktitel unter der Finanzkrise besonders litten. Nur Fonds, die sich rechtzeitig aus diesem Sektor zurückzogen, konnten Verluste begrenzen. Doch auf dem niedrigen Niveau, auf dem sich die Aktienkurse derzeit befinden, könnte sich ein längerfristiger Einstieg lohnen. Zum einen sind Dividenden ein wichtiger Bestandteil der Rendite bei Aktienanlagen. „Sie steuern rund 40 Prozent zu den langfristigen Erträgen von Aktieninvestments bei“, sagt Schüssler. Allein deshalb ist die Dividendenstrategie, unabhängig von der Entwicklung der Aktienkurse, attraktiv. Zum anderen ist aber davon auszugehen, dass sich die Wirtschaft wieder erholen wird. Dann werden auch die Umsätze und Gewinne der Unternehmen steigen. Das dürfte dann auch zu höheren Aktienkursen führen. Schüssler glaubt: „Wer heute auf Sicht von drei bis fünf Jahren investiert, wird neben den Dividenden auf Grund der günstigen Bewertung auch Kursgewinne verzeichnen können.“

von Gerd Hübner.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Dax vor Bundestagswahl kaum bewegt
Angesichts des wieder hochgekochten Nordkorea-Konflikts ist dem Dax am Freitag die Kraft ausgegangen.
Dax vor Bundestagswahl kaum bewegt
Air Berlin verhandelt mit Lufthansa und Easyjet - Wöhrl sauer
Air Berlin könnte zu großen Teilen an die Lufthansa gehen. Unterlegene Bieter halten das für eine „Katastrophe“ auch für Passagiere. Sie könnten klagen.
Air Berlin verhandelt mit Lufthansa und Easyjet - Wöhrl sauer
Air Berlin: Unterlegene Bieter zürnen, Arbeitnehmer bangen
Nach der Vorentscheidung im Bieterwettstreit geht es darum, wer wie viele Flugzeuge genau bekommen soll. Ein Zwischenstand wird für Montag erwartet. Nicht nur die …
Air Berlin: Unterlegene Bieter zürnen, Arbeitnehmer bangen
7000 Stahlkocher demonstrieren gegen Stahlfusion
Nach dem Bekanntwerden der Fusionspläne für die europäischen Stahlsparten von Thyssenkrupp und Tata wächst im Ruhrgebiet die Empörung. Bei einer Demonstration in Bochum …
7000 Stahlkocher demonstrieren gegen Stahlfusion

Kommentare