+
Auch Müller hat offenbar gegen Datenschutzvorschriften verstoßen.

Drogeriekette Müller sammelte Krankendaten

Ulm - Auch die Drogeriekette Müller hat einem Zeitungsbericht zufolge gegen Datenschutzvorschriften verstoßen.

Wie die “Süddeutsche Zeitung“ am Samstag berichtete, müssen die rund 18 000 Beschäftigten dem Unternehmen regelmäßig Auskunft über ihren Gesundheitszustand geben. Wer krankheitsbedingt ausfalle, werde nach seiner Rückkehr zu einem Gespräch mit dem Vorgesetzten zitiert, berichtete ein Mitarbeiter dem Blatt. Nach Lidl und Daimler wäre dies die dritte Affäre um Krankendaten von Beschäftigten, die in diesem Monat bekanntwurde.

Anfang April war herausgekommen, dass der Discounter Lidl (Neckarsulm) in großem Umfang geheime Krankenakten geführt hat. Der Deutschlandchef von Lidl musste deshalb gehen. Vergangenen Mittwoch wurde bekannt, dass auch der Stuttgarter Autobauer Daimler in seinem Bremer Werk illegal Krankendaten von Beschäftigten erfasst hat. Die zuständige Datenschutzbehörde in Baden-Württemberg überprüft jetzt den Umgang mit gespeicherten Krankendaten im Bremer Werk.

Diesen Marken vertrauen die Deutschen

Diesen Marken vertrauen die Deutschen

Die Geschäftsleitung der Drogeriekette Müller wollte gegenüber der Zeitung zu den Vorwürfen keine Stellung nehmen. Rainer Dacke von der Gewerkschaft ver.di sagte dem Blatt, dass ihm diverse Hinweise von Müller-Mitarbeitern vorlägen, wonach solche Gespräche zum Krankheitsverlauf bei der Drogeriekette üblich seien. Er sagte: “Keine Frage, solche Fragebögen sind illegal.“ Viele der Betroffenen trauten sich nicht, solche Auskünfte zu verweigern, “obwohl sie wissen, dass dies gesetzlich nicht zulässig ist“.

Laut “Süddeutsche Zeitung“ füllen dabei Mitarbeiter und Vorgesetzter gemeinsam einen Fragebogen aus und unterzeichneten ihn. Das Formular mit dem Titel “Krankenrückkehrgespräch“ sehe unter anderem vor, dass der Beschäftigte angebe, ob er wegen “derselben Ursache im laufenden Kalenderjahr bereits krank gewesen“ oder “die Genesung vollständig abgeschlossen“ sei.

Das Vorgehen der Geschäftsleitung stößt schon länger auf Kritik bei der Gewerkschaft. Ver.di wirft ihr vor, bundesweit die Mitarbeiter einzuschüchtern und so die Gründung von Mitarbeitervertretungen zu verhindern. Gegen den Willen der Geschäftsleitung war vergangenen Mittwoch in einem Lager in Neu-Ulm (Bayern) ein Betriebsrat gewählt worden. Die Wahl sei nur zustande gekommen, weil die Kandidaten ein besonders dickes Fell gehabt hätten, sagte Dacke nach der Wahl am Mittwoch.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Der Online-Boom spaltet den deutschen Einzelhandel
Während größere Einzelhändler mehrheitlich gute Geschäfte machen, leiden kleinere Fachhändler massiv unter der Konkurrenz aus dem Internet. Rund 50 000 Läden könnten …
Der Online-Boom spaltet den deutschen Einzelhandel
Allianz-Deutschland-Chef Knof will Unternehmen verlassen
Turbulenzen bei der Allianz: Ein überraschendes Rücktrittsgesuch überlagert die Botschaft, die der Versicherer eigentlich an die Öffentlichkeit bringen will.
Allianz-Deutschland-Chef Knof will Unternehmen verlassen
Dax kommt nicht vom Fleck - Zurückhaltung wegen Fed
Frankfurt/Main (dpa) - Am deutschen Aktienmarkt hat Zurückhaltung geherrscht. Die Anleger warteten auf die Leitzinsentscheidung der US-Notenbank Fed zur Wochenmitte und …
Dax kommt nicht vom Fleck - Zurückhaltung wegen Fed
Gabriel stärkt Autoindustrie den Rücken
Frankfurt/Main (dpa) - Mit einem klaren Votum gegen ein Enddatum für Verbrennungsmotoren hat Vizekanzler Sigmar Gabriel der deutschen Auto-Industrie den Rücken gestärkt.
Gabriel stärkt Autoindustrie den Rücken

Kommentare