+
Die Commerzbank-Zentrale in Frankfurt/Main (Archivbild vom 22.05.2001)

Konjunktur

Düsterste Prognose von der Commerzbank

München/Frankfurt – Mit der bislang düstersten Wirtschaftsprognose sagt die Commerzbank der Bundesrepublik die tiefste Rezession seit ihrem Bestehen voraus. Minus 7 Prozent Wirtschaftswachstum seien für 2009 nicht auszuschließen, stellte die zweitgrößte deutsche Privatbank am Montag in ihrer Konjunkturprognose fest.

Das Gros der Schätzungen von Wirtschaftsforschungsinstituten liegt derzeit bei minus 4 bis 5 Prozent für das laufende Jahr. Viele Experten schließen ein größeres Minus aber nicht aus.

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer sagte der „Welt“: „Unsere Modelle signalisieren uns ein Minus zwischen 6 und 7 Prozent.“ Bislang hatte die Bank mit einem Einbruch um 3 bis 4 Prozent gerechnet. Grund für die drastische Korrektur nach unten: „Die Wirtschaft dürfte gegenüber dem vierten Quartal 2008 nicht wie wir ursprünglich unterstellt haben um 1,5 Prozent, sondern um schätzungsweise 3,5 Prozent geschrumpft sein.“

Dies liege vor allem an den zurückgegangenen Auftragseingängen. „Sie sind von Dezember auf Januar um 8 Prozent gefallen. Das ist gewaltig“, erklärte Krämer. Das bedeute weniger Produktion in den Folgemonaten: „Wenn die Auftragseingänge so wegbrechen, strahlt das zumindest auf das zweite Quartal aus.“ Der Volkswirt rechnet deshalb mit einem weiteren Rückgang zwischen April und Juni um 1 Prozent. Erst ab Herbst werde die Wirtschaft aufhören zu schrumpfen. „Wir erwarten allerdings nur eine blutleere Aufwärtsbewegung.“

Ein Minus von bis zu 7 Prozent sei nicht auszuschließen, meint das Institut für Wirtschaftsforschung Halle. Konjunkturexperte Axel Lindner sagte, derzeit sei vieles denkbar – also sei auch nicht ausgeschlossen, dass die Commerzbank-Vorhersage zuträfe. Das IWH erwartet aber weiterhin ein Minus von 4,8 Prozent für 2009.

Die Experten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin und des Münchner Ifo-Instituts revidierten ihre Prognosen für 2009 nach unten. Das DIW rechnet nach dem schlechten Start ins neue Jahr jetzt mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 4 bis 5 Prozent, wie Konjunkturforscher Stefan Kooths sagte.

Auch die Ifo-Forscher erwarten ein Minus von mehr als 4 Prozent und im Jahresverlauf eine Million Arbeitslose mehr. Derzeit gehe man davon aus, dass das Konjunkturpaket der Bundesregierung im zweiten Quartal Wirkung zeige, sagte Ifo-Konjunkturchef Kai Carstensen. Laufe aber auch das zweite Quartal sehr schlecht, wäre ein Rückgang der Wirtschaftsleistung um fünf Prozent im laufenden Jahr „das Optimistischste“, erklärte er. Falls die Weltwirtschaft in den kommenden Quartalen im bisherigen Tempo abbaue, seien sogar minus sechs Prozent vorstellbar.

Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) erwartet jetzt einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 4,3 Prozent für 2009. Und trotz steigender Kurzarbeit wird ein Anstieg der Arbeitslosenzahl um 1,1 Millionen vorhergesagt. Die Erfahrung zeige, dass Wirtschaftskrisen, die ihren Ursprung im Bankensektor hätten, besonders zäh seien und lange dauerten, erläuterten die RWI-Experten.

Von Maria Marquart

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Größte Freihandelszone der Welt wird neu aufgestellt
Fast ein Vierteljahrhundert waren die meisten mit Nafta zufrieden - dann kam Donald Trump. Die Nordamerikanische Freihandelszone muss auf Druck des US-Präsidenten neue …
Größte Freihandelszone der Welt wird neu aufgestellt
Wohnmobile werden in Deutschland immer beliebter
In die Freizeitfahrzeuge halten jetzt immer mehr elektronische Helfer Einzug - von der Rückfahrkamera bis zum Abstandswarner. Deutschlands Versicherer halten das …
Wohnmobile werden in Deutschland immer beliebter
Ministerin Barley droht mit Frauenquote für Vorstände
Die Leitung von Unternehmen ist immer noch überwiegend Männerdomäne. Eine Pflicht für Firmen, ihre Vorstände ausgeglichen zu besetzen, gibt es nicht. Jetzt ist sie …
Ministerin Barley droht mit Frauenquote für Vorstände
Mindestlohn hat untere Tarifgehälter angehoben
Der 2015 eingeführte gesetzliche Mindestlohn hat vor allem in typischen Niedriglohnbranchen gewirkt.
Mindestlohn hat untere Tarifgehälter angehoben

Kommentare