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"Düster sieht’s nicht aus", sagt Linde-Chef Wolfgang Reitzle. Aber richtig gut auch nicht. Das Unternehmen (hier die Konzernzentrale im Münchner Zentrum) verschärft den Sparkurs.

Linde verschärft Sparprogramm

Das Ende der Unbeschwertheit

München - Nach dem erfolgreichsten Jahr seiner Geschichte spürt der Münchner Industriegasespezialist Linde die Folgen der Wirtschaftskrise. Das Sparprogramm des Konzerns wird verschärft. Es gilt Einstellungsstopp.

Im vergangenen Oktober war die Welt noch in Ordnung bei Linde. Damals wurde bei Führungskräften des Konzerns in allen Teilen der Erde die Geschäftslage abgefragt. Der Tenor sei gewesen: "Krise? Welche Krise?", erinnerte sich Linde-Chef Wolfgang Reitzle gestern bei der Vorstellung der Konzernbilanz in München. Der Oktober sei der beste Monat in der Geschichte des Unternehmens gewesen. Heute stellt sich die Lage anders dar. Linde wirft seine mittelfristigen Geschäftsziele über den Haufen. Ein bereits angekündigtes Sparprogramm wird verschärft.

Nach dem Rekordjahr 2008 mit einem Umsatz von 12,66 Milliarden Euro und einem Gewinn von 776 Millionen Euro sind neue Bestmarken kaum noch zu erwarten. Im Januar und Februar sei die Konjukturkrise für Linde "klar spürbar" gewesen, räumte Reitzle ein. "Düster sieht’s nicht aus", stellte er klar. Die Vielzahl kleiner und mittelständischer Kunden sorge für eine gewisse Stabilität des Geschäfts. "Wir haben keine zweistelligen prozentualen Umsatzrückgänge." Auch die Pleite des größten Kunden in den USA, des Chemiekonzerns Lyondell Basell, sei zu handhaben. Der Betrieb dort werde weitergeführt. "Ohne unsere Gase können die nicht produzieren", erklärte Reitzle. Doch der Konzernchef ist sich sicher: "2007 war das letzte Jahr eines unbeschwerten Wachstums. Wir stellen uns auf eine Krise ein, die wir so noch nie gesehen haben." Entsprechend vorsichtig formuliert er seine Prognose für das laufende Jahr: "Aus heutiger Sicht ist es immer noch möglich, dass der Konzernumsatz und das Konzernergebnis leicht über oder auf dem Niveau von 2008 liegen, wir müssen aber auch einen Rückgang einkalkulieren." Kurzum: "Noch ist es nicht sicher, dass dieses Jahr komplett abgeschrieben ist."

Für das mittelfristige Ziel, im Jahr 2010 ein operatives Konzernergebnis von drei Milliarden Euro zu erreichen, gilt das allerdings schon. Dieses sei nicht mehr erreichbar, räumte der Linde-Chef ein. Er hat deshalb das vor einem Jahr angekündigte Sparprogramm HPO verschärft. Unter anderem sollen die Reisekosten um rund 20 Prozent gedrückt und die Zahlungen an externe Berater reduziert werden. Zudem wurde ein Einstellungsstopp verhängt, der dazu führen könne, dass die Mitarbeiterzahl geringfügig sinke. Konkrete Pläne zu Stellenabbau oder Kurzarbeit verfolge man aber nicht.

Mit am schnellsten spürbar wird der Sparkurs am Standort Pullach (Kreis München). Dort sollen die Verträge von rund 400 Leiharbeitern nicht mehr verlängert werden, kündigte Vorstand Aldo Belloni an. Zudem würden dort für die kommenden Jahre geplante Umbaumaßnahmen bis auf Weiteres aufgeschoben. Da der Standort über längere Zeit gewachsen sei und keinem Gesamtentwurf entspreche, habe man dort eine Arrondierung begonnen, führte Reitzle aus. "Es ist klar, dass man ,schöner Wohnen‘ als Erstes stoppt", sagte er. Das Vorhaben werde zu einem späteren Zeitpunkt weitergeführt. "Das kann in einem Jahr sein. Das kann in zwei Jahren sein."

Dominik Müller

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