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Escada-Chef Bruno Sälzer.

Escada will Finanzpaket schnüren

München - Der ums Überleben kämpfende Damenmodekonzern Escada will bis zum Sommer zumindest die schlimmsten Finanzlöcher stopfen.

Dafür sollen bis spätestens Ende Juli unter anderem 30 Millionen Euro über eine Kapitalerhöhung eingesammelt werden, wie Escada am späten Donnerstagabend in München mitteilte. Außerdem will der Konzern die Verschuldung deutlich zurückfahren und die mittel- bis langfristige Finanzierung abgesichern. An der Börse wurde die Ankündigung positiv aufgenommen. Die Escada-Aktie legte am Freitag bis zum frühen Nachmittag knapp 3,3 Prozent auf 3,16 Euro zu.

Über die Kapitalerhöhung sollen die Aktionäre bei der Hauptversammlung am 28. April abstimmen. Dafür muss das Grundkapital des Unternehmens jedoch zunächst herabgesetzt werden. Grund dafür ist, dass durch hohe Verluste im vergangenen Jahr das Eigenkapital der Firma unter das Grundkapital gesunken ist. Diese sogenannte Unterdeckung muss zunächst aufgelöst werden, um neue Aktien ausgeben zu können. Dafür wird der Nennwert der Aktien von derzeit 5,12 Euro auf 2,78 gesenkt.

Die Tchibo-Eigner Wolfgang und Michael Herz, die zusammen einen Anteil von knapp 25 Prozent an Escada halten, seien bereit, allein bis zu 20 Millionen Euro des Gesamtbetrags zu investieren, teilte Escada weiter mit. Bedingung sei aber, dass sie von der Finanzaufsicht BaFin von der Abgabe eines Pflichtangebotes an die übrigen Aktionäre befreit werden. Denn sollten sie tatsächlich diesen Betrag beisteuern, dürfte ihr Anteil deutlich über die Marke von 30 Prozent klettern, ab der ein Pflichtangebot fällig wäre. Dem Vernehmen nach verhandeln die Herz-Brüder bereits mit der BaFin über eine Befreiung.

Stellenabbau bislang nicht geplant

Darüber hinaus will das Unternehmen eine 2005 begebene Anleihe mit einem Volumen von nominal 200 Millionen Euro, die 2012 zur Rückzahlung fällig wird, neu verhandeln. “Als Sanierungsbeitrag würden die Gläubiger durch die Annahme des Angebots auf die Rückzahlung eines signifikanten Teils der Anleihe verzichten und einer Verlängerung der Laufzeit zustimmen“, hieß es in der Mitteilung. Außerdem liefen Gespräche mit den Banken über bestehende und neue Kreditlinien. Dabei dreht es sich vor allem um eine Kreditlinie über 60 Millionen Euro, die derzeit auf Eis liegt.

Im vergangenen Geschäftsjahr 2007/08 (31. Oktober) hatte Escada einen Verlust von 70 Millionen Euro verbucht. Auch im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres schrieb Escada bei sinkenden Umsätzen rote Zahlen. Escada-Chef Bruno Sälzer will das Unternehmen unter anderem durch eine Verkleinerung der Kollektionen und einen drastischen Sparkurs aus der Krise führen. Ein Stellenabbau sei bislang aber nicht geplant, sagte ein Sprecher am Freitag. Zuletzt beschäftigte der Konzern weltweit rund 4000 Menschen.

Der frühere Chef von Hugo Boss war im vergangenen Jahr als Sanierer an die Spitze von Escada getreten, nachdem seine beiden Vorgänger keine Kehrtwende einleiten konnten. Als finanzstarken Partner für die erhoffte Wende gewann Escada die Tchibo-Eigner Wolfgang und Michael Herz. Weiterer Großaktionär ist der russische Multimillionär Rustam Aksenenko, der zuletzt gut 20 Prozent der Anteile hielt. Ob er bei der geplanten Kapitalerhöhung mitzieht oder eine Verwässerung seines Anteils in Kauf nimmt, ist unklar.

dpa

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