+
Rente in der Sonne - der Sprung in die ruhige Phase des Lebens muss gut vorbereitet werden.

Expertin: Die häufigsten Renten-Irrtümer

Früher oder später muss sich jeder Arbeitnehmer mit dem Thema Rente beschäftigen. Keine unkomplizierte Materie, um die sich viele Irrtümer ranken, wie die Münchner Rentenberaterin Adeline Klinge aus ihrer alltäglichen Praxis weiß.

Sie nennt im Folgenden die häufigsten Missverständnisse:

Die letzten fünf Jahre sind entscheidend für die Höhe der Rente

Das stimmt nicht. Um die monatliche Rente zu erhalten, werden sämtliche Entgeltpunkte bis zum Rentenbeginn zusammengerechnet – ohne Unterschied, ob diese in den letzten, den mittleren oder den ersten Berufsjahren angefallen sind. Um den sogenannten Entgeltpunkt zu berechnen, wird das eigene Jahres-Bruttoentgelt durch das Brutto-Durchschnittsentgelt aller Versicherten geteilt. Dieser Schnitt wird jährlich statistisch festgelegt – für das Jahr 2009 beläuft er sich auf 30.879 Euro. Wer also exakt diese 30.879 Euro brutto im Jahr verdient, kommt auf genau 1 Entgeltpunkt. Wer die Hälfte, also 15.440 Euro verdient, kommt auf einen halben Entgeltpunkt. Dabei entspricht ein Entgeltpunkt einem monatlichen Rentenzahlbetrag in Höhe von 26,56 Euro – ein halber würde demnach 13,28 Euro bringen. Die Gesamtsumme der Rente ergibt sich, wenn alle Entgeltpunkte zsammengerechnet werden und mit dem aktuellen Rentenwert (derzeit
26,56 Euro) multipliziert werden.

Die Rente beginnt automatisch, wenn ich das entsprechende Alter erreicht habe

Das ist nicht der Fall. Die Rente wird nur auf Antrag gezahlt. Der Antrag sollte fünf Monate vor dem gewünschten Rentenbeginn vorbereitet werden. Dabei müssen je nach Fall etliche Formulare ausgefüllt werden, die im Internet abrufbar sind oder bei der Deutschen Rentenversicherung angefordert werden können. Grundsätzlich kann jeder den Antrag eigenständig ausfüllen – ähnlich einer Steuererklärung. Wer den Aufwand scheut oder sich unsicher ist, kann sich an einen Rentenberater oder einen Fachanwalt für Sozialrecht wenden. Die Kosten richten sich nach den gesetzlich vorgeschriebenen Anwaltsgebühren, dürften aber im Fall einer Altersrente um die 700 Euro liegen.

Als Frau kann ich immer mit 60 Jahren ohne Abschlag in Rente gehen

Dies ist nicht zutreffend. Die Altersrente für Frauen wird ab dem 60. Lebensjahr gezahlt, wenn nach dem 40. Lebensjahr mehr als 10 Jahre mit Pflichtbeiträgen nachgewiesen sind. Dazu zählen Beiträge als Arbeitnehmerin, Beiträge aus einer geringfügigen Beschäftigung mit Aufstockungsbeiträgen, Pflichtbeitragszeiten wegen Sozialleistungsbezug wie z.B. Kranken- oder Arbeitslosengeld, Kindererziehungszeiten und Pflichtbeitragszeiten wegen Pflege. Gleichzeitig muss die Wartezeit von 15 Versicherungsjahren erfüllt sein. Für diese Wartezeit rechnen Pflicht- oder freiwillige Beiträge. Der Abschlag beträgt aufgrund des vorgezogenen Rentenbeginns zum 60. Lebensjahr 18 Prozent. Verschiebt sich der Rentenbeginn z.B. durch Weiterarbeit, Altersteilzeit oder Arbeitslosengeldbezug, verringert sich der Abschag pro Monat um 0,3 Prozent. Diese Altersrente kann nur noch für Frauen gezahlt werden, die bis zum 31. Dezember 1951 geboren sind. Für Frauen, die ab 1952 geboren sind gilt ebenfalls die stufenweise Anhebung der Altersgrenze.

Ich kann unabhängig von meinem Alter in Rente gehen, sobald ich 45 Pflichtbeitragsjahre nachgewiesen habe

Ein Abschlag fällt nicht an. Auch das trifft nicht zu. Durch das Altersgrenzenanpassungsgesetz wurde die Altersrente für besonders langjährig Versicherte eingeführt. Dieses Gesetz bewirkt, dass ein Anspruch auf eine abschlagsfreie Rente weiterhin mit dem 65. Lebensjahr besteht – trotz stufenweiser Anhebung der abschlagsfreien Altersgrenze auf das 67. Lebensjahr. Das heißt aber auch, dass etwa ein gesunder 60-Jähriger grundsätzlich keinen Anspruch auf Altersrente hat, auch wenn er bereits ab seinem 15. Lebensjahr Beiträge in die Rentenkasse gezahlt hat und er damit 45 Pflichtbeitragsjahre nachweisen kann. Den Anspruch hat er erst ab 65. Für die Ermittlung der 45 Jahre rechnen Pflichtbeitragszeiten, Kindererziehungs- und Kinderberücksichtigungszeiten bis zum 10. Lebensjahr sowie Pflegezeiten. Zeiten des Bezuges von Arbeitslosengeld I und II zählen dagegen nicht zur Berechnung der 45 Pflichtbeitragsjahre.

Als Schwerbehinderter habe ich einen Anspruch auf die Altersrente ab dem 60. Lebensjahr ohne Abschlag

Dies trifft nur dann zu, wenn Sie zum 16. November 2000 bereits schwerbehindert, berufs- oder erwerbsunfähig waren und bis zum 16. November 1950 geboren sind. Als zusätzliche Voraussetzung sind 35 Versicherungsjahre nachzuweisen. Hierzu zählen alle rentenrechtlichen Zeiten, z. B. neben den Beitragszeiten auch die Schul- oder Studienzeiten ab dem 17. Lebensjahr im Umfang bis zu acht Jahren. Sofern die Stichtagsvoraussetzung nicht erfüllt sind, fällt für die Geburtsjahrgänge bis zum 31. Dezember 1951 ein reduzierter Abschlag in Höhe von 10,8 Prozent bei einem Rentenbeginn ab dem 60. Lebensjahr an. Dieser reduzierte Abschlag gilt auch für Schwerbehinderte, die vor dem 1. Januar 2007 anerkannt worden sind und vor dem 1. Januar 2007 einen Altersteilzeitvertrag abgeschlossen haben. Ab dem 63. Lebensjahr steht eine abschlagsfreie Altersrente zu. Durch das Altersgrenzenanpassungsgesetz erhöht sich das Mindestalter für diese Altersrente schrittweise vom 60. auf das 62. Lebensjahr. Der Abschlag von 10,8 Prozent bleibt dabei unverändert. Das abschlagsfreie Renteneintrittsalter erhöht sich ab dem Jahrgang 1952 vom 63. auf das 65. Lebensjahr.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

18.000 demonstrieren gegen "Agrarindustrie"
Berlin - Anlässlich des Beginns der Agrarmesse "Grüne Woche" haben Tausende in Berlin unter dem Motto "Wir haben es satt!" für eine Neuausrichtung der Landwirtschaft …
18.000 demonstrieren gegen "Agrarindustrie"
Müller: BER-Eröffnung 2017 "kann nicht mehr funktionieren"
Berlin - Nun wird allmählich offiziell, was sich schon länger andeutete: Mit dem neuen Hauptstadtflughafen wird es auch 2017 nichts.
Müller: BER-Eröffnung 2017 "kann nicht mehr funktionieren"
Weltgrößte Wassersport-Messe "Boot" eröffnet
Düsseldorf - Über 1800 Aussteller aus 70 Ländern präsentieren in Düsseldorf auf der weltgrößten Wassersportmesse „Boot“ wieder ihre Produkte vom Surfbrett bis zur …
Weltgrößte Wassersport-Messe "Boot" eröffnet
Nach Trump-Party: Euphorie an der Börse schwindet
Frankfurt/Main - Nach dem Wahlsieg von Donald Trump sind die Aktienkurse in die Höhe geschossen. Doch nun kommen bei Anlegern die Sorgen zurück. Denn niemand weiß genau, …
Nach Trump-Party: Euphorie an der Börse schwindet

Kommentare