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Die Hürden im Alltag sind für Menschen mit Behinderung oft groß. Diese Nachteile sollen zumindest finanziell ein wenig ausgeglichen werden.

Unterstützung für Menschen mit Behinderung

Wo es finanziellen Ausgleich gibt

Menschen, deren körperliche oder geistige Gesundheit beeinträchtigt ist, haben im Alltag viele Nachteile. Diese sollen durch finanzielle Ausgleiche für behinderte Personen ein wenig gemindert werden.

Als behindert gilt, wessen Gesundheit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweicht. Die Schwere der Betroffenheit wird durch den Grad der Behinderung (GdB) ausgedrückt, der zwischen 20 und 100 liegen kann. Als Schwerbehinderte gelten Personen mit einem GdB von mindestens 50. Viele Menschen mit Behinderung wissen nicht, dass ihnen in bestimmten Situationen ein Nachteilsausgleich zusteht. „Betroffene Personen können am gesellschaftlichen Leben nicht so teilnehmen wie andere“, erklärt Harald von Steinaecker vom Zentrum Bayern Familie und Soziales. „Während die einen Strecken zu Fuß gehen können, sind andere auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Diese Nachteile sollen durch einen finanziellen Ausgleich gemindert werden.“

Steuern

Beim Finanzamt können Menschen mit einem GdB von mindestens 50 einen Pauschbetrag beantragen, der vom Jahreseinkommen abgezogen wird. Diese Möglichkeit haben auch Menschen mit einem GdB von 25 Prozent, wenn ihnen wegen ihrer Behinderung Rente zusteht oder die Behinderung auf einer Berufskrankheit beruht. Für blinde oder hilflose Personen (Merkzeichen Bl oder H im Behindertenausweis; siehe Kasten) beträgt der Pauschbetrag 3700 Euro. Steht dieser einem Kind zu, kann er auf die Eltern übertragen werden. Personen, die einen behinderten, hilflosen Menschen (H) pflegen, können einen Pflegepauschbetrag von 924 Euro pro Jahr geltend machen.

Auto

Von der Kraftfahrzeugsteuer können sich alle Personen mit den Merkzeichen H, Bl und aG befreien lassen. Dabei kann das Fahrzeug auch auf ein Kind angemeldet werden, sollte dies von der Behinderung betroffen sein. Personen mit den Zeichen G und Gl haben die Wahl zwischen einer Befreiung oder Freifahrten im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Die Kosten für Privatfahrten können Personen mit einem GdB von mindestens 80 (gilt bei 70, wenn auch das Merkzeichen G vergeben wurde) als außergewöhnliche Belastung geltend machen. Als angemessen wird von den Behörden ein jährlicher Aufwand von 3000 Kilometern erachtet, der mit 900 Euro angerechnet wird (0,30 Euro pro Kilometer). Bei Menschen mit den Merkzeichen aG, Bl oder H werden alle Fahrzeugkosten bis 15 000 Kilometern berücksichtigt.

Parken

Einen blauen Parkausweis für Schwerbehinderte können Personen mit den Merkzeichen aG, Bl bei der örtlichen Straßenverkehrsbehörde beantragen. Zusätzlich können diesen Nachteilsausgleich auch Menschen mit einer starken Gehbehinderung (GdB mindestens 70 bis 80) erhalten. Damit darf zum Beispiel auf Behindertenparkplätzen geparkt oder das Auto kostenlos an Parkuhren abgestellt werden. Fahrzeuge, die von Personen gefahren werden, die die Merkzeichen aG, H oder Bl besitzen, sind von Fahrverboten in Umweltzonen befreit und dürfen diese auch ohne Plakette befahren.

ÖPNV

Schwerbehinderte Menschen (G, aG, H, Bl und Gl) können kostenlos den ÖPNV nutzen. Dazu muss beim Versorgungsamt eine Wertmarke beantragt werden. Diese ist für Personen mit den Merkzeichen Bl und H kostenlos. Für alle anderen kostet sie für ein Jahr 60 Euro. Genutzt werden können Straßenbahnen, U- und S-Bahnen, Busse sowie in Wohnortnähe die Züge des Nahverkehrs der Deutschen Bahn. Personen mit dem Merkzeichen B können eine Begleitperson kostenlos mitnehmen. Das gilt auch im Fernverkehr der Bahn. Für beide kann kostenlos ein Sitzplatz reserviert werden (gilt auch für Bl).

Medien

Personen mit dem Merkzeichen RF können sich von den Rundfunkgebühren der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender befreien lassen.

Post

Die Deutsche Post befördert Blindensendungen unentgeltlich sofern die Schriftstücke in Blindenschrift verfasst sind oder deren Sender oder Empfänger anerkannte Blindenanstalten sind.

Ansprechpartner

  • Alle Infos rund um den Nachteilsausgleich gibt das Zentrum Bayern Familie und Soziales auf www.zbfs.bayern.de oder unter Telefon: 09 21/6 05-03.
  • Fragen zum Steuerausgleich beantwortet das Finanzamt unter www.finanzamt.bayern.de.
  • Infos zur Freifahrtberechtigung in Zügen der Deutschen Bahn gibt es unter Telefon: 0 18 05/51 25 12 oder auf www.bahn.de unter Services.

von Diana Millgramm

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