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Französische Polizisten.

Frankreich: Wieder Chefs als Geiseln genommen

Paris - Die Serie von Geiselnahmen französischer Manager reißt nicht ab. Am Gründonnerstag hielten Ingenieure des größten französischen Autozulieferers Faurecia drei Manager stundenlang fest.

Die Manager wurden kurz vor Mitternacht aus dem Betrieb in Brières-les-Scellés (bei Paris) freigelassen.

Tags zuvor waren vier Manager des Klebstoffherstellers Scapa in Bellegarde-sur-Valserine über Nacht festgesetzt worden. Scapa versprach für ihre Freilassung die Verdoppelung der Abfindungen.

Viele Manager bereiten sich mittlerweile auf mögliche Geiselnahmen vor und lagern Zahnbürsten und Lebensmittel im Büro. Berater bieten Kurse an, wie man sich bei Betriebsbesetzungen und Abriegelung des Büros verhalten soll.

Normalerweise schalten die Unternehmen nicht die Justiz ein, sondern machen den Arbeitnehmern finanzielle Zugeständnisse. So sagten Caterpillar, Sony und 3M nach Geiselnahmen von Managern höhere Abfindungen zu.

“Diese Praktiken müssen aufhören“, erklärte der Mittelstands-Staatssekretär Hervé Novelli . “Das ist nicht gesund für die Demokratie.“ Novelli lehnte ein staatliches Eingreifen ab. Man könne “auf die Illegalität nicht mit Gewalt antworten, die unnütz sein kann, wenn sich die Dinge regeln“. Doch “wenn die Lage sich verschlimmert, muss man eine Ordnung wieder herstellen, die nicht mehr existiert“.

Zuvor hatte Präsident Nicolas Sarkozy gedroht, er werde Geiselnahmen nicht länger dulden. Das führte allerdings zur Verhärtung der Haltung der rebellierenden Arbeiter. Caterpillar-Werker sagten ein Gespräch im Élyséepalast demonstrativ ab und erklärten, Sarkozy solle zu ihnen kommen.

Viele Franzosen zeigen Verständnis für "boss napping" 

Bis weit ins bürgerlich-konservative Lager hinein stößt das “boss napping“ bei Franzosen auf Verständnis. Das Oppositionsblatt “Libération“ begründet dies mit dem fest verwurzelten Wunsch der Franzosen nach Gleichheit und dem Fehlen eines sozialen Dialogs, der die Opfer wirtschaftlicher Maßnahmen zu Notwehrmaßnahmen zwinge. Gewerkschafter erklären, die Aktienoptionen und “Goldenen Handschläge“ für Manager verbreiteten bei den Arbeitnehmern ein Gefühl krasser Ungerechtigkeit.

Das trifft auch den Nerv vieler Mittelständler. “Die Aktienoptionen und dieser ganze Unsinn haben das Klima verdorben“, erklärt der Unternehmer François Turcas der “Libération“. “Ich verstehe die Verbitterung. Die Leute haben kein Mittel mehr, sich Gehör zu verschaffen.“

dpa

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