+
Rüdiger Grube soll Nachfolger des langjährigen Bahnchefs Hartmut Mehdorn werden.

Grube will Bahn-Datenaffäre in vier Wochen klären

Essen/Berlin - Der künftige Bahnchef Rüdiger Grube will die Datenaffäre bei dem bundeseigenen Konzern binnen vier Wochen bewältigen.

Derweil berichtet die "Süddeutsche Zeitung", dass Ex-Bahnchef Hartmut Mehdorn noch 4,9 Millionen Euro von der Bahn bekommen wird.

Er habe sich verpflichtet, die seit Monaten schwelende Affäre im Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat bis 1. Juni "unverzüglich, schnell und bedingungslos aufzuklären", sagte Grube nach seiner Berufung am Samstag in Essen. Der bisherige Daimler- Manager tritt seinen Posten zum 1. Mai an und erhält einen Vertrag für fünf Jahre. Er folgt auf den langjährigen Bahnchef Hartmut Mehdorn, der Ende März über die umstrittenen Massenkontrollen der Daten von bis zu 170 000 Mitarbeitern gestürzt war.

Die Gewerkschaften Transnet und GDBA dringen darauf, "die nötigen Konsequenzen" aus der Affäre zu ziehen. Grube sagte nach einer Sondersitzung des Aufsichtsrats in Essen: "Ich freue mich auf die neue Aufgabe." Der Chef des Kontrollgremiums, Werner Müller, bezeichnete den 57-Jährigen als erstklassigen Manager, der die Bahn weiter stärken werde. Er würdigte zudem die bleibenden Verdienste Mehdorns, der bei der Bahn eine Ära geprägt habe.

Mehdorn (66) hatte nach massivem Druck von Politik und Gewerkschaften seinen Rücktritt erklärt. Nun lege er sein Amt "in Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat" zum 30. April nieder, teilte die Bahn mit. Damit wurde auch Einigung über die vorzeitige Beendigung seines bis 2011 laufenden Vertrags erzielt. Laut "Süddeutsche Zeitung" beschloss der Aufsichtsrat, dass die Bahn Mehdorn noch 4,9 Millionen Euro zahlt. Das entspricht etwa seinen Bezügen der vergangenen beiden Jahre. Der Manager stand fast zehn Jahre an der Spitze des letzten großen Staatskonzerns. "Es war eine schöne und stets aufregende Zeit", sagte er laut Mitteilung.

Mehdorn soll am 25. Mai im Technikmuseum in Berlin verabschiedet werden. Grube war von der Bundesregierung als Bahn-Eigentümerin für den Chefposten vorgeschlagen worden. Er ist seit 2001 Vorstandsmitglied beim Autobauer Daimler und leitete dort die Konzernentwicklung. Bei der Bahn soll er wie schon sein Vorgänger Mehdorn gleichzeitig Chef des Mutterkonzerns und der Tochter DB Mobility Logistics sein. Sie bündelt den Personen- und Güterverkehr und war für den im vergangenen Herbst wegen der Finanzkrise gescheiterten Börsengang gegründet worden.

Die Gewerkschaftschefs Alexander Kirchner (Transnet) und Klaus- Dieter Hommel (GDBA) begrüßten, dass Grube "die unsägliche Daten- Affäre lückenlos aufklären lassen will". Sie erwarteten, dass nach den für Mai angekündigten Abschlussberichten mehrerer Sonderermittler Konsequenzen gezogen würden. Dies seien mit Sicherheit strukturelle Maßnahmen. Wenn es Hinweise auf persönliche Verantwortlichkeiten gebe, seien auch weitere personelle Konsequenzen zu fordern. "Erstes Ziel des neuen Vorstandsvorsitzenden muss es aber sein, das Vertrauen der Beschäftigten zurückzugewinnen."

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Gute Wirtschaftsdaten schieben den Dax an
Frankfurt/Main (dpa) - Gute Konjunktursignale aus Europa haben dem Dax etwas Auftrieb gegeben. Der deutsche Leitindex schloss 0,31 Prozent höher bei 12 659,15 Punkten. …
Gute Wirtschaftsdaten schieben den Dax an
Brüssel will Euro-Einführung in allen EU-Ländern bis 2025
Brüssel (dpa) - Die Europäische Kommission plädiert dafür, dass bis 2025 alle EU-Länder den Euro einführen.
Brüssel will Euro-Einführung in allen EU-Ländern bis 2025
Griechenland hofft auf Fortschritte bei Hilfskrediten
Wer lässt wen zappeln? Das ist die Frage nach den jüngsten Verhandlungen über einen neuen Milliardenkredit für Griechenland. Eine Einigung steht weiter aus - und die Uhr …
Griechenland hofft auf Fortschritte bei Hilfskrediten
Alle EU-Länder sollen den Euro bekommen
Der Langzeitplan der Europäischen Kommission sieht vor, dass die Eurozone ausgeweitet wird. Die Kommission ist sich allerdings nicht in allen Punkten einig.
Alle EU-Länder sollen den Euro bekommen

Kommentare