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Der Vorstandsvorsitzende der IKB Deutsche Industriebank, Hans Jörg Schüttler, vor Beginn der außerordentlichen Hauptversammlung.

Heftiger Streit bei IKB-Hauptversammlung

Düsseldorf - Ein Streit um die Aufklärung der Beinahe-Pleite der Mittelstandsbank IKB hat am Mittwoch die außerordentliche Hauptversammlung in Düsseldorf bestimmt.

Der Mehrheitseigentümer Lone Star musste heftige Kritik einstecken für das Vorhaben, die laufende Sonderprüfung bei der IKB zu beenden. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und die Schutzgemeinschaft für Kapitalanleger (SdK) forderten, die Prüfung zur Aufdeckung möglicher Pflichtverletzungen von ehemaligen Vorständen und Aufsichtsräten fortzusetzen. Die Debatte verlief mit lautstarken Zwischenrufen aus den Reihen der gut 600 Kleinaktionäre turbulent. Der US-Finanzinvestor Lone Star besitzt über 90 Prozent der IKB-Aktien. Deshalb gilt die Annahme seiner Anträge als sicher.

Die DSW kritisierte, der Sonderprüfer solle kurz vor dem Erreichen der Ziellinie abberufen werden. Der Prüfer sei bereits relativ weit und habe im Frühjahr Ergebnisse vorlegen wollen, sagte DSW-Vertreter Carsten Heise. Die Rettung der IKB habe Milliarden gekostet, deshalb hätten die Aktionäre und die Steuerzahler großes Interesse an der Aufklärung. Lone Star habe offenbar Angst vor Klagen und Schadenersatzforderungen gegen die IKB, hieß es.

Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) kritisierte ebenfalls, dass Lone Star keine ausführliche Begründung geliefert habe, warum die Sonderprüfung vor Abschluss eigentlich beendet werden solle. SdK-Vertreter Markus Kienle bemängelte auch, dass Aufsichtsratschef Bruno Scherrer bei der Sonder-HV fehlte, der zugleich auch Europa-Chef von Lone Star ist. “Bei dessen Fernbleiben kann doch eigentlich nur noch der Tod entschuldigen“, sagte Kienle. Während die Aktionärsschützer Beifall für ihre Kritik erhielten, bekam eine Vertreterin von Lone Star beim Vortrag der Anträge des US- Finanzinvestors heftigen Zwischenrufe. Aus Sicht von Lone Star gibt es keinen Anlass daran zu zweifeln, dass Vorstand und Aufsichtsrat pflichtgemäß prüfen, ob ehemalige Mitglieder Pflichtverletzungen begangen haben. Das wurde bereits im Vorfeld der außerordentlichen Hauptversammlung mitgeteilt.

Ende Juli 2007 war bekanntgeworden, dass das Düsseldorfer Institut durch sein Engagement mit zweitklassigen Anleihen auf dem US- Hypothekenmarkt in eine schwere Schieflage geraten war. Ex- Vorstandschef Stefan Ortseifen musste seinen Hut nehmen, weitere Vorstände folgten. Die staatseigene KfW war mit 38 Prozent damals größter Anteilseigner der Mittelstandsbank. Durch Kapitalerhöhungen besaß die KfW schließlich 90,8 Prozent des Instituts, bevor es Ende Oktober 2008 an den US-Finanzinvestor Lone Star verkauft wurde. Die IKB hat nach eigenen Angaben von mehreren Ex-Vorständen erfolgreich Bonuszahlungen für das Geschäftsjahr 2006/2007 zurückgefordert. Ansatzpunkt war, dass der Jahresabschluss nachträglich geändert wurde, auf denen die Boni beruhten. Mit Ex-IKB-Chef Ortseifen gibt es laut IKB weiter einen Rechtsstreit. Bank-Chef Hans Jörg Schüttler verwies auf der Hauptversammlung zudem auf die laufenden staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen, die die Bank verfolge.

dpa

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