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Jürgen Schneider, Vorstand SRQ FinanzPartner AG.

Honorarberatung gewinnt an Akzeptanz

Die Zahl der Anleger, die sich für die Form der Honorarberatung entscheiden, steigt seit einiger Zeit kontinuierlich an.

Lange Zeit hatten Berater, die nach diesem Modell arbeiten, einen schweren Stand. Deutsche Anleger waren es nicht gewohnt wie beim Anwalt oder Architekt auch bei ihrem Finanzberater ein Honorar für die Beratungsleistungen zu zahlen. Die Finanzbranche sei an diesem Zustand nicht ganz unschuldig gewesen. In der Vergangenheit hat vor allem die Versicherungswirtschaft ein Geheimnis aus den Kosten gemacht, die für die Beratung und Vermittlung eines Versicherungsvertrages anfallen. Damit ist seit dem 1. Januar 2008 allerdings Schluss, weil die Informationspflichtenverordnung nun die Angabe der Kosten in Euro und Cent vorschreibt. Auch dies hat die Verbreitung der Honorarberatung weiter gefördert.

Gerade in der jetzigen Phase, die von einer großen Volatilität an den Aktienmärkten geprägt ist, hat sich die Honorarberatung für viele Kunden ausgezahlt, da die Berater in diesen Marktphasen die Depots an die veränderten Bedingungen angepassen und Umstellungen vornehmen. Nach dem klassischen Vergütungsmodell wäre bei jeder dieser Umschichtung eine Abschlussprovision angefallen, bei Investmentfonds zum Beispiel in Gestalt des Ausgabeaufschlages.

Anleger, die einen Vertrag über Honorarberatung geschlossen haben, erhalten eine umfassende und ständige Depotbetreuung dagegen für einen festen Betrag, ohne dass bei jeder Umschichtung eine Provision bezahlt werden muss. Wesentlicher Vorteil dieses Verfahrens: Der Kunde erfährt eine völlig neutrale Beratung, die nicht produkt- oder anbietergesteuert ist. Vor allem Financial Planner, die nicht einfach Produkte verkaufen, sondern auf der Grundlage einer umfassenden Analyse eine ganzheitliche Betreuung des Kunden vornehmen, schlagen ihren Kunden eine Beratung gegen Honorar vor.

Inzwischen existieren am Markt verschiedene Modelle der Honorarberatung, darunter auch einige Mischformen, die nicht immer im Sinne des Kunden ausfallen. In der Fondsvermittlung zum Beispiel lassen sich einige Berater ihre Leistungen über eine so genannte Servicegebühr vergüten. Möglich wurde das, seitdem die Fondsplattformen, mit denen die Vermittler zusammenarbeiten, eine Einrechnung einer solchen Servicegebühr in ihre Software eingebaut haben. Die Vermittler reagieren damit auf unter Druck geratene Ausgabeaufschläge. Da Discount-Broker und Direktbanken ohne jegliche Beratung Rabatte auf den Ausgabeaufschlag einräumen, verlangen die Anleger eine solche Rabattierung häufig auch von ihren Anlageberatern. Doch diese leisten mehr als die Discounter, bei denen der Anleger völlig allein gelassen wird. Mit der Servicegebühr erfolgt für die Beratung und Information des Kunden daher eine Vergütung.

Allerdings ist diese Servicegebühr häufig Teil eines Mischsystems. Der Anleger zahlt zusätzlich Teile des Ausgabeaufschlages. Diese Mischsysteme sind nicht immer ausreichend transparent. Außerdem muss die Servicegebühr durch zusätzliche Leistungen des Beraters gerechtfertigt sein. Anderenfalls ist ein solches Mischsystem für den Anleger eine eher ungünstige Lösung.

Allerdings werde die Honorarberatung auch weiterhin nur eine Vergütungsform unter mehreren bleiben. Bei kleinen Depots kann die bisherige Form der Abschlussvergütung durchaus die passendere Vergütungsform sein. Denn mit einer pauschalen Gebühr für die gelegentliche Anlage von zum Beispiel 5.000 Euro in einem globalen Aktienfonds würde ein Vermittler kaum eine kontinuierliche Beratung dieses Kunden sicherstellen können, der an einer ständigen Betreuung möglicherweise auch gar kein allzu großes Interesse hat, weil weder Bedarf zu neuen Anlagen noch zu Umschichtungen besteht. Für solche Fälle kommen zunehmend Vermögensverwaltungsprodukte zum Einsatz. Dabei stehen dann mehrere Portfoliolösungen zur Auswahl, die sich durch ihre Rendite-Risiko-Struktur unterscheiden.

Autor:
Jürgen Schneider ist Vorstand der SRQ FinanzPartner AG in Berlin und München.

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