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Der IWF blickt sorgenvoll in die Zukunft.

Konjunkturaussichten weiter düster

Berlin/Paris - Die Aussichten für die Konjunktur und den Arbeitsmarkt bleiben düster: Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet in diesem Jahr einen wirtschaftlichen Einbruch in Deutschland von fünf Prozent.

Das berichtete das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" unter Berufung auf den neuen IWF-Weltwirtschaftsausblick, der Ende April erscheinen soll. Nach Angaben der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sank der Frühindikator CLI im Februar erneut auf ein Rekordtief, während die Arbeitslosenquote stieg. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt warnte dennoch vor Schwarzmalerei.

Trotz der düsteren Perspektiven gab Hundt die Hoffnung auf eine rasche Überwindung der Rezession noch nicht auf. "Ich hoffe sehr, dass wir im Verlauf des Jahres die konjunkturelle Talsohle durchschreiten. Auf jeden Fall warne ich davor, die schwierige Situation durch Schwarzmalerei weiter zu belasten", sagte er der Deutschen Presse-Agentur dpa. Um Kurzarbeit für die Wirtschaft noch attraktiver zu machen, regte er neue Entlastungen an: Die Arbeitgeber sollten bei Kurzarbeit vorübergehend von den Sozialabgaben für die Beschäftigten komplett befreit werden.

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Opfer der Wirtschaftskrise wehren sich

Eine Einschätzung über die Entwicklung des Arbeitsmarktes wollte der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) nicht geben. "Ich halte seriöse Prognosen derzeit für nicht möglich." Die Unternehmen bemühten sich aber, ihr Personal so lange wie möglich zu halten.

Laut "Spiegel" zeichnet sich ab, dass die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrem Frühjahrsgutachten für 2009 ebenfalls ein Minus in der Größenordnung von fünf Prozent erwarten. Die Bundesregierung dürfte ihre frühere Schätzung von minus zweieinviertel Prozent ebenfalls deutlich nach unten korrigieren. Inzwischen ist auch in der großen Koalition von einem Einbruch von vier bis fünf Prozent die Rede.

Nach Angaben der OECD stieg die Arbeitslosenquote im OECD-Raum im Februar auf 7,3 Prozent nach 7,0 Prozent im Vormonat. Auf Jahressicht stieg die Quote um 1,7 Punkte. In Deutschland gab es einen Anstieg von 7,3 auf 7,4 Punkte, in der Eurozone von 8,3 auf 8,5 Prozent. Die Arbeitslosenquote in den USA stieg deutlich von 7,6 auf 8,1 Prozent. Der Frühindikator CLI sank laut OECD von revidiert 92,7 (zuvor 92,3) Punkten im Januar auf 92,0 Punkte im Februar. Für Deutschland gab die Organisation einen Rückgang im Februar auf 90,3 Punkte nach 90,6 Punkten im Januar bekannt, für die Eurozone von 94,0 auf 93,8 Punkte.

Derweil will Japan mit der größten Konjunkturspritze aller Zeiten die schwerste Rezession der letzten Jahrzehnte überwinden. Die Koalition von Ministerpräsident Taro Aso segnete ein Konjunkturpaket mit haushaltswirksamen Ausgaben von 15,4 Billionen Yen (116 Milliarden Euro) ab. Dies entspricht rund drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Zur Finanzierung der gigantischen Ausgaben will die Regierung Staatsanleihen in Höhe von 8 Billionen Yen platzieren.

In Frankreich fertigte das produzierende Gewerbe im Dreimonatszeitraum vom Dezember 2008 bis Februar 2009 rund 13,5 Prozent weniger Waren als ein Jahr zuvor. Von Januar auf Februar sank die Produktion nur um 0,5 Prozent nach 3,9 Prozent im Vormonat. Die Schrumpfung verlangsamte sich unter anderem, weil die Kokereien und Raffinerien ihre Leistung um 11,6 Prozent steigerten, teilte das Statistikamt INSEE mit.

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall erwartet unterdessen einem Zeitungsbericht zufolge einen massiven Einbruch der Produktion in der Metall- und Elektroindustrie. "Für 2009 ist ein Produktionsrückgang im zweistelligen Prozentbereich nicht ausgeschlossen", sagte Verbandspräsident Martin Kannegiesser der "BILD"-Zeitung (Samstag). "Wir befinden uns in einem Sturzflug, dessen Tempo und Wucht alle überrascht." Die Auftragseingänge lagen dem Bericht zufolge im Februar um 40 Prozent unter dem Vorjahreswert. Im Januar hatte das Minus rund 39 Prozent betragen. "Ich vermute, dass wir den Tiefpunkt unserer Branche in der ersten Jahreshälfte 2010 sehen werden", sagte Kannegiesser.

dpa

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