Weiterbildung

Die Krise bietet auch Chancen

Weniger im Portemonnaie haben derzeit alle, die in Kurzarbeit sind. Dazu kommt die Angst um den Arbeitsplatz. Neue Fördermöglichkeiten für Weiterbildung lassen die Kurzarbeit aber zu einer Chance werden, sich besser auf dem Arbeitsmarkt zu positionieren.

Auch für alle anderen Arbeitnehmer kann sich eine Fortbildung in Krisenzeiten lohnen.

Kurzarbeit nutzen

Zirka 446 400 Deutsche waren laut Angaben der Bundesagentur für Arbeit im April von Kurzarbeit betroffen – 416 200 mehr als im Vorjahresmonat. Aus diesem Grund setzt die Bundesregierung auf Weiterbildung: Unternehmen, die Kurzarbeit angemeldet haben, können von der Agentur für Arbeit Zuschüsse für Fortbildungsmaßnahmen bekommen. Die Höhe des Zuschusses hängt von der Betriebsgröße und der Art der Qualifizierung ab. Im besten Fall werden 80 Prozent der Lehrgangskosten erstattet. Zusätzlich werden die Sozialversicherungsbeiträge, die auf das Kurzarbeitergeld entfallen, übernommen. Vom Qualifizierungsprogramm können auch die Empfänger von Saisonkurzarbeitergeld, das zum Beispiel im Baugewerbe gezahlt wird, profitieren.

Für beide Vorteile

Ein Interesse an der Fortbildung sollten sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer haben: Auf der einen Seite erhöht besser ausgebildetes Personal die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens, auf der anderen Seite können die Angestellten so gestärkt aus der Krise hervorgehen. Denn für Personalentscheider kann es bei Stellenstreichungen durchaus eine wichtige Rolle spielen, dass Mitarbeiter sich in Eigeninitiative fortgebildet haben. Sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber können beim Arbeitsamt die Übernahme der Kosten beantragen. Dort wird der Anspruch auf Förderung geprüft und verschiedene Weiterbildungsmöglichkeiten vorgeschlagen.

Lebenslanges Lernen

Aber nicht nur für Kurzarbeiter werden derzeit verstärkt Mittel für Weiterbildung zur Verfügung gestellt. Unter dem Motto „Lebenslanges Lernen“ will die Regierung auch gering Qualifizierte oder Fachkräfte dazu motivieren einen Abschluss zu machen oder sich neues berufsbezogenes Wissen anzueignen. „Nur durch ständiges Lernen kann in Zukunft der Alltag gestaltet, der Arbeitsplatz behalten oder Karriere gemacht werden“, heißt es in dem Konzept. Mittels Bildungsprämie oder WeGebAU (siehe Kasten) werden von der Agentur für Arbeit 25 bis 80 Prozent der Lehrgangsbeiträge und beispielsweise Fahrtkosten übernommen.

Gute Vorbereitung

Wer eine Weiterbildung plant, der sollte sich vorher informieren, welche Kurse in seinem Berufszweig sinnvoll sind, rät Stiftung Warentest, denn dies kann die Voraussetzung für eine Förderung sein. Besonders die Berufsverbände sind hier die richtigen Ansprechpartner, da sie den besten Einblick in den Berufszweig haben. Auch das Arbeitsamt, kommunale Beratungsstellen sowie die IHK und HWK bieten entsprechende Informationen und helfen den richtigen Partner für das gesuchte Bildungsangebot zu finden.

Um eine Förderung vom Staat in Anspruch nehmen zu können, müssen vorher meist Beratungsgespräche bei den jeweils zuständigen Stellen absolviert werden, wie zum Beispiel beim Bildungs- oder Prämiengutschein. Dabei wird überprüft, ob die Weiterbildung einem zuvor festgelegten Bildungsziel entspricht. „Es empfiehlt sich den Besuch beim Arbeitsberater gut vorzubereiten und sich stichhaltige Argumente für eine Weiterbildung zurechtzulegen“, rät Stiftung Warentest, denn dieser muss vom Erfolg der Maßnahme überzeugt werden. Sinnvoll sei zum Beispiel vorher zu klären, was man genau erreichen möchte, welche Qualifikationsdefizite bestehen und welche Weiterbildungs-Angebote überhaupt infrage kommen. Auch ein Anruf beim Bildungsträger kann helfen: Je mehr man über den Inhalt des geplanten Kurses weiß, desto einfacher kann der Berater vom Nutzen des Kurses überzeugt werden.

Diana Millgramm

Ansprechpartner

-Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales bietet Informationen zum Thema Qualifizierung während der Kurzarbeit im Internet unter www.einsatz-fuer-arbeit.de und zur Förderung unter www.bildungspraemie.info.

-Viele Infos zum Thema Qualifizieren statt Entlassen bietet die Bundesagentur für Arbeit unter www.arbeitsagentur.de. Über 600 000 Weiterbildungsangebote werden auf www.kursnet.arbeitsagentur.de angeboten.

-Infos zur Absetzbarkeit von Weiterbildungsmaßnahmen geben Lohnsteuerhilfevereine oder das Finanzamt. - Tests und Leitfäden zur Weiterbildung gibt es bei der Stiftung Warentest unter www.test.de/weiterbildung.

Rubriklistenbild: © dpa

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