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Lebensversicherung: Krise erschwert den Weiterverkauf

Wer seine Lebensversicherung vorzeitig los werden will, hat derzeit schlechte Karten. Der Zweitmarkt für Policen steckt schwer in der Krise. Eine Alternative ist das Beleihen.

Harte Zeiten für Lebensversicherungskunden in Finanznot: Die Chancen, eine Police zu verkaufen statt zu kündigen, gehen allmählich gegen null. Nur noch die wenigsten Versicherungsnehmer finden einen Käufer. Im Sog der Finanzkrise ist auch der sogenannte Zweitmarkt für Lebensversicherungen in die Knie gegangen. Vorbei die Zeiten, in denen Aufkäufer mehr Geld zahlten als der eigene Versicherer beim Storno. Die Policenhändler sind inzwischen selbst knapp bei Kasse, ihr Geschäftsmodell wackelt. „Gekauft wird momentan nur noch wenig und wenn, dann ausgewählt“, sagt Thomas Laumont, Vorstand des Bundesverbands Vermögensanlagen im Zweitmarkt Lebensversicherungen (BVZL) in München. Für abgewiesene Versicherungsnehmer mit Finanzengpass bedeutet das: In den sauren Apfel beißen und sich mit dem mageren Rückkaufswert des Versicherers bescheiden. „Das ist bedauerlich, aber nicht zu ändern“, sagt Arno Gottschalk von der Verbraucherzentrale Bremen. Verkaufen ist besser als stornieren: Seit Gründung des Zweitmarkts 1999 hatten Millionen Verbraucher die Chance genutzt, ihre Kapitalleben auf diesem Weg bestmöglich loszuwerden. Jeder zweite der etwa 94 Millionen Lebensversicherungsverträge wird vor Laufzeitende aufgelöst, so der BVZL. Viele Versicherungsnehmer konnten die herben Verluste, die bei jedem Frühstorno anfallen, mit einem Verkauf wenigstens noch ein wenig abfedern.

Ankäufe drastisch gefallen

In Spitzenzeiten zahlten die Aufkäufer zwischen 5 und 15 Prozent mehr Geld als der Versicherer – allerdings auch nur für renditestarke Policen solider Gesellschaften, die nur noch ein paar Jahre Laufzeit vor sich hatten. Jetzt klopfen selbst die Besitzer solcher Policen häufig vergeblich an die Tür der Ankäufer. Deren Zurückhaltung ist drastisch. Die BVZL-Mitglieder kauften 2008 nur noch Verträge für 500 Millionen Euro an. 2007 gaben sie noch 1,4 Milliarden Euro für Ankäufe aus. Der Ausblick auf das Jahr 2009 ist eher düster. „Ich weiß nicht, wer aktuell noch Policen kauft“, räumt Laumont ein. Die Bücher der Policenhändler seien voll mit Policen, die Firmen eher satt. Wer eine konkrete Anfrage über die Beratungstelefone eines der größten Ankäufer startet, bekommt mitunter die Auskunft zu hören: „Es passiert, dass wir heute Versicherungen ablehnen, die wir noch vor einem halben Jahr genommen hätten.“

Geschäftsmodell funktioniert nicht

Dass die gesamte Branche in Schieflage sei, liege nicht zuletzt an der Konstruktion des Geschäftsmodells, ist Verbraucherschützer Gottschalk überzeugt. Die Policenhändler boten mehr als den Rückkaufswert der Versicherer, weil sie die Lebensversicherungen mit Gewinn an Fondsgesellschaften weiterverkauften. Diese bündeln gebrauchte Policen in einen geschlossenen Fonds und verkaufen Anteile an Anleger. Einige Aufkäufer führen Policen auch auf eigenes Risiko weiter bis zum Ende der Laufzeit. Und streichen damit den Teil des Gewinns ein, der fällig ist, wenn der Vertrag bis zum Schluss durchgehalten wird. Doch seit der Finanzkrise funktioniert das alles nicht mehr wie vorher. „Der klassische Policenaufkäufer kann nur dann kaufen, wenn Abnehmer da sind“, erklärt Laumont. Zudem mache das Zinsniveau der Branche zu schaffen. Der Policenankauf wird oft auf Pump vorfinanziert. Je höher die Kreditzinsen sind, desto mehr sinkt die Gewinnspanne. Dazu kommt, dass die Renditen vieler Versicherungsverträge nach unten tendieren.

Todesfall-Schutz adé?

Wer dennoch einen Aufkäufer finde, solle sich darüber im Klaren sein, dass eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung insolvent gehen könne, gibt Michael Wortberg von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz zu bedenken. Ein weiteres Risiko: Der Todesfallschutz könne weg sein, wenn der Aufkäufer so klamm ist, dass er selbst Policen beim Versicherer stornieren muss, um an Geld zu kommen. Das sei bereits passiert, meldet das Magazin „Finanztest“. Grundsätzlich werben BVZL-Mitglieder zwar damit, dass der Todesfallschutz für Verkäufer bis zum Laufzeitende erhalten bleibt. Im Vertrag behalten sie sich jedoch ein Recht zur Kündigung vor. Bei kurzfristigen Engpässen sollten Kunden versuchen, ihre eigene Police zu beleihen statt zu verkaufen oder zu kündigen. „Das wäre noch eine Lösung, aber auch nicht für jeden“, sagt Lars Gatschke, Versicherungsfachmann beim Bundesverband der Verbraucherzentralen. Betroffene sollten sich immer beraten lassen, bevor sie bei ihrer Kapitalleben verlustreich die Reißleine ziehen.

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