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Hartmut Mehdorn unter Druck: Der Vorstandschef der Bahn verliert an Rückhalt.

Bahn-Chef

Mehdorn vor dem Rauswurf

Berlin - Der Stuhl von Bahnchef Hartmut Mehdorn wackelt. Nach weiteren Enthüllungen in der Datenaffäre rückt offenbar auch Kanzlerin Angela Merkel von ihm ab. Die Bahngewerkschaften, die SPD und die Opposition verlangen geschlossen seinen Rauswurf.

Der Bahnchef will im Amt bleiben, verweist auf seine Erfolge und hält Kritik für politisch motiviert - allerdings wird die Luft dünn. Die Bahn räumte ein, E-Mails der Lokführergewerkschaft GDL abgefangen und gelöscht zu haben. Das Unternehmen bezieht sich auf einen Streikaufruf, wegen dem der Mail-Server der Bahn zusammengebrochen sei. Diesen Aufruf über den Bahn-Server zu versenden, sei illegal gewesen.

Laut Prüfberichten soll die Bahn aber sogar E-Mails von bis zu 80 000 Mitarbeitern zwischen 2005 und 2008 systematisch gefiltert und auf Kontakte zu Journalisten und Bahn-Kritikern überprüft haben - täglich bis zu 145 000 Stück. Das geht aus dem Bericht von Bahn-Sonderermittlern und einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft an den Aufsichtsrat hervor.

Der Druck, Mehdorn abzulösen, wächst. Nach Medieninformationen will das Kanzleramt keine "schützende Hand" mehr über Mehdorn halten. Über seine Zukunft werde bereits in den nächsten Tagen entschieden, sie sei bisher offen. Noch vor kurzem hatte Kanzleramtsminister Thomas de Mazière den 66-Jährigen ausdrücklich in Schutz genommen.

Auf die Regierungspartei SPD kann Mehdorn nicht mehr zählen. Sollten sich die Vorwürfe erhärten, "wäre es für das Unternehmen besser, wenn man eine neue Lösung für den Vorstandsvorsitz suchen würde", sagte SPD-Fraktionsvizechef Klaas Hübner. Die Gewerkschaft Transnet verlangte ebenso wie FDP und Grüne erneut den Rücktritt. Es gibt Spekulationen über eine Aufsichtsratssondersitzung diese Woche. Am Mittwoch gibt es zudem eine Sondersitzung des Bundestags-Verkehrsausschusses.

Nach Informationen der "Welt am Sonntag" hat die Regierung bereits Kandidaten für die Mehdorn-Nachfolge angesprochen, darunter Verkehrs-Staatssekretär Achim Großmann. Dieser habe abgelehnt. Spekuliert wird auch über eine konzerninterne Lösung. Im Bahn-Vorstand sitzt unter anderem der ehemalige CSU-Minister Otto Wiesheu.

Die CSU stellt sich vorerst nicht gegen Mehdorn. "Das Ganze muss lückenlos aufgeklärt werden", sagte ihr Wirtschaftsexperte Erwin Huber unserer Zeitung. Man solle vorzeitig keine Köpfe fordern, rät Huber. Zu klären sei allerdings auch, ob Bundesverkehrsminister Tiefensee (SPD) von den gefilterten Mails wusste und wann er davon erfahren habe.

Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sagte, es sei "schon ein Gebot der Vernunft, die Untersuchungen abzuwarten und dann jene entscheiden zu lassen, die die Entscheidung zu treffen haben. Das ist der Aufsichtsrat."

V. Schmitt-Roschmann und C. Deutschländer

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