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Der Handelskonzern Metro will mit neuen Angebote punkten.

Metro zieht alle Register

Düsseldorf - Billigere Lebensmittel, Lieferservice für Großkunden und Elektronik-Verkauf im Internet: Der Handelskonzern Metro will in der Wirtschaftskrise mit neuen Angeboten Marktanteile hinzugewinnen.

“Wir sehen die Krise als Chance“, sagte Konzernchef Eckhard Cordes am Dienstag bei der Bilanzvorlage in Düsseldorf. Die Nachfrage der Verbraucher ist seinen Worten zufolge bislang ziemlich robust. “Es gibt keinen Grund zur Panik“, unterstrich Cordes.

Der Vorstand geht laut Geschäftsbericht jedoch davon aus, dass der Umsatz 2009 deutlich schwächer wachsen wird als die mittelfristig angestrebten mehr als sechs Prozent pro Jahr. Eine genaue Prognose für 2009 wagte Cordes nicht. Mit Spannung wird der Verlauf des Ostergeschäfts erwartet, dessen Höhepunkt ins zweite Quartal fällt. Die staatlichen Konjunkturprogramme und der gesunkene Benzinpreis stützen den Konsum. Die Metro hoffe, dass die Wirkung anhalte. Die Talsohle des Konjunkturabschwungs sei womöglich noch nicht erreicht. Im Geschäftsjahr 2008 hat Metro durch Umbaukosten in dreistelliger Millionenhöhe einen Gewinneinbruch verzeichnet. Der Konzerngewinn nach Anteilen Dritter ging um gut die Hälfte auf 403 Millionen Euro zurück. Belastet wurde die Metro-Bilanz von den Kosten für die Sanierung der Lebensmitteltochter Real und Abschreibungen auf die Adler-Modemärkte, die inzwischen an Investoren abgegeben wurden. Allein für die Trennung von unrentablen Märkten der Tochter Real wurde 2008 ein Einmalaufwand in Höhe von 237 Millionen Euro verbucht.

Operativ habe der Handelskonzern seine Ziele erreicht, betonte Cordes. Der operative Gewinn (EBIT) stieg bereinigt um Sonderfaktoren wie die Real-Sanierung um gut sieben Prozent auf 2,2 Milliarden Euro. Der Konzernumsatz kletterte um 5,8 Prozent auf 68 Milliarden Euro und erreichte damit Rekordhöhe. Knapp die Hälfte des Konzernumsatzes ging auf das Konto der Großhandelsmärkte für Gewerbetreibende. Die Sparte steigerte den operativen Gewinn um 6,8 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. Sie war damit das Zugpferd des Konzerns. Für Großhandelskunden werde ein Lieferservice unter anderem in Deutschland eingeführt, hieß es.

Die Elektronik-Ketten Media Markt und Saturn erzielten mit einem Plus von 8,9 Prozent auf 19 Milliarden Euro den höchsten Umsatzzuwachs. Der operative Gewinn ging jedoch um 1,2 Prozent auf 603 Millionen Euro wegen Kosten für neue Filialen und schwacher Nachfrage in Westeuropa zurück. Die Elektronik-Ketten wollen ihr gesamtes Warenangebot künftig auch im Internet anbieten. Zudem soll 2010 der erste Elektronikmarkt in China an den Start gehen. Media Markt/Saturn sollen den US-Weltmarktführer Best Buy überflügeln.

Die Sanierung des Deutschlandgeschäfts der Lebensmittel-Tochter Real ist laut Cordes auf gutem Weg. Bereinigt um Sondereffekte habe Real 2008 erstmals seit Jahren operativ schwarze Zahlen geschrieben. Der Umsatz im In- und Ausland stieg um 5,8 Prozent auf 11,6 Milliarden Euro. Real will sich bis Ende 2009 von 33 seiner 340 Märkte in Deutschland trennen.

Die Warenhaustochter Kaufhof steigerte im vierten Jahr in Folge den operativen Gewinn, der 2008 um 5,8 Prozent auf 113 Millionen Euro wuchs. Der Umsatz nahm allerdings um 1,1 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro ab. Cordes bekräftigte, Kaufhof solle verkauft werden. Man sei jedoch nicht unter Zeitdruck. Die Tochter hatte mitgeteilt, dass sie in Deutschland vier bis acht Warenhäuser schließen will. Die Aktionäre der Metro AG sollen für 2008 eine unveränderte Dividende von 1,18 Euro je Stammaktie und 1,298 Euro je Vorzugsaktie erhalten. Wichtigster Meetro-Aktionär ist der Familienkonzern Haniel. Cordes ist bislang Vorstandsvorsitzender beider Unternehmen. Nach seinen Angaben ist bislang noch keine Entscheidung über mögliche Veränderungen an der Haniel-Konzernspitze gefallen. Aktionärsschützer hatten von ihm mehrfach gefordert, die Doppelrolle aufzugeben.

Der Metro-Vorstand hat im Januar einen tiefgreifenden Konzernumbau gestartet, der die Metro bis 2012 effizienter machen soll. Dabei sollen weltweit etwa 15 000 Stellen wegfallen. Bei rund 300 000 Mitarbeitern entspricht das jedem 20. Arbeitsplatz. [

dpa

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