Mittelstand im Blickpunkt

Wie ein Münchner den Krebs bekämpft

München - Worauf tausende Biotech-Unternehmen auf der Welt hinarbeiten, hat die Münchner Trion Pharma geschafft: Im Mai soll ein von ihr entwickeltes Medikament auf den Markt kommen. Es soll Patienten helfen, die unter einer Krebs-Art leiden, gegen die es bislang keine Arznei gibt.

Es war im Herbst 1992, als Horst Lindhofer an einem besonderen Antikörper zu arbeiten begann. Damals war der promovierte Biologe am Helmholtz-Forschungszentrum in München-Großhadern tätig. Heute ist er Chef der Trion Pharma, einem Unternehmen mit 130 Mitarbeitern. Und aus seinem Antikörper ist nach mehr als 16 Jahren ein Medikament geworden.

Jahrelang hatten Lindhofer und seine Mitarbeiter an dem Antikörper geforscht, hatte ihr Partner - der deutsche Fresenius-Konzern - Geld investiert und den Entwicklungsprozess vorangetrieben, hatten sich hunderte Patienten für Versuche zur Verfügung gestellt, damit aus einer Idee eine Arznei werden würde. Letztlich schickten Trion und Fresenius einen Lkw voll Unterlagen - 60 000 Seiten - zur europäischen Arzneimittel-Zulassungsbehörde in London. In einigen Wochen werden sie einen Briefumschlag zurückbekommen. Dieser wird aller Voraussicht nach die Genehmigung enthalten, den Antikörper unter dem Namen Removab in Europa als Medikament zu verkaufen. Eine entsprechende Empfehlung hat ein Ausschuss der Behörde bereits gegeben. Trion ist dann das dritte deutsche Biotechunternehmen, das ein Medikament auf den Markt gebracht hat.

Jedes Jahr erkranken in Europa 20 000 bis 35 000 Menschen an sogenanntem Malignen Aszites, einer Wasseransammlung im Bauch, die sich oft in Verbindung mit Eierstockkrebs bildet. "Bislang gibt es keine medikamentöse Behandlung dafür", erklärt Lindhofer. Ab Mai, wenn Fresenius den Vertrieb des Medikaments beginnen will, soll Removab diesen Patienten helfen. Im menschlichen Körper sind sogenannte Fresszellen und T-Zellen dazu da, entartete Zellen zu attackieren. Bei Krebs funktioniert diese Immunabwehr nicht. Removab soll das ändern. Es soll Tumorzellen entdecken und Fress- sowie T-Zellen daran ankoppeln, die den Krebs vernichten. Maligner Aszites sei verglichen mit anderen Krebs-Arten eine Nische, räumt Lindhofer ein. Doch er hofft darauf, dass sich der Antikörper auch auf andere Krebsarten anwenden lässt, etwa Eierstock- oder Magenkrebs. Entsprechende Zulassungsstudien könnten bald folgen und in vier bis fünf Jahren weitere Medikamente entstehen.

Letztlich erhofft sich Lindhofer mit der Zeit selbstständig Wirkstoffe auf den Markt bringen zu können und so aus Trion ein mittelständisches Pharmaunternehmen zu machen. Bei Removab übernimmt Fresenius den Vertrieb. Trion stellt die Arznei an seinem Sitz im Münchner Norden her. Das ist auf engem Raum möglich, weil der Markt für Removab begrenzt ist und nur eine geringe Dosis für die Behandlung eines Patienten benötigt wird - Bruchteile eines Milligramms.

Fresenius hat mittlerweile 47 Prozent der Anteile an Trion gekauft. Eine vollständige Übernahme sei aber nicht geplant, heißt es bei Trion. Der Medizinriese habe verstanden, "dass es von Vorteil ist, wenn wir eigenständig bleiben", sagt Lindhofer. So könne man schneller agieren. Davon sollen beide Firmen profitieren - und viele Krebspatienten auf der Welt.

Dominik Müller

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