+
Bei der Deutschen Bahn muss jetzt ein neuer Vorstandschef gefunden werden.

Nachfolgedebatte bei der Bahn

Berlin - Nach dem Rücktritt von Bahnchef Hartmut Mehdorn ist die Debatte über die Nachfolge an der Konzernspitze in vollem Gange.

In der ZDF-Sendung “heute“ wurde der Chef des größten deutschen Flughafens in Frankfurt, Wilhelm Bender (64), als Kandidat für die Nachfolge genannt. Fraport-Sprecher Klaus Busch sagte auf dpa- Anfrage: “Fraport nimmt keine Stellung zu Spekulationen.“ Er habe davon bisher nichts gehört. Nach einem Bericht der Zeitung “Die Welt“ (Dienstag) soll es bei der Bahn künftig eine Doppelspitze geben.

Mehdorn stürzte nach fast zehn Jahren an der Spitze des Konzerns über die Datenaffäre. Die Bundesregierung will an diesem Dienstag über einen Nachfolger beraten.

Lesen Sie auch:

CSU: Wiesheu soll neuer Vorstandschef werden

Zum Schluss ein bisschen Gefühl

Datenaffäre bei der Bahn

In der Politik und im Konzern werde diskutiert, die Funktion Mehdorns künftig zu teilen, berichtete die “Welt“ unter Berufung auf Bahnkreise. Demnach soll es einen Vorstandschef an der Spitze des Gesamtkonzerns geben sowie einen Spitzenmanager, der für das operative Geschäft zuständig ist. Als ausgemacht gilt dem Bericht zufolge, den neuen Mann an der Spitze außerhalb des Konzerns zu suchen. Der zweite Mann werde wohl aus dem Bahnkonzern nachrücken. Für diesen Job werde der derzeitige Fernverkehrsvorstand Nikolaus Breuel immer öfter genannt.

Auch Finanzvorstand Sack vor dem Rücktritt?

Nach Informationen des “Handelsblatts“ (Dienstag) will angeblich auch Finanzvorstand Diethelm Sack die Deutsche Bahn verlassen. Die Zeitung berief sich auf Informationen aus dem Umfeld des Unternehmens und aus Bankenkreisen. Demnach gelte es als sicher, dass Sack dem Konzern den Rücken kehren wird. Er habe seit langem sein berufliches Schicksal mit dem von Mehdorn verbunden und werde deshalb entsprechende Konsequenzen ziehen. Ein Bahnsprecher lehnte eine Stellungnahme ab.

Klaus-Dieter Hommel, der Vorsitzende der Gewerkschaft GDBA, forderte die große Koalition auf, die Suche nach einem neuen Bahnchef nicht für parteipolitische Zwecke zu nutzen. “Wir erwarten von der Politik, dass die Suche nach einem Nachfolger für Hartmut Mehdorn nicht zu Machtkämpfen und Ränkespielen der Parteien missbraucht wird“, sagte er der “Passauer Neuen Presse“ (Dienstag). Die Arbeitnehmer erwarteten, in den Prozess einbezogen zu werden. Für den GDBA-Chef ist besonders wichtig, dass der neue Bahnchef den Konzernverbund erhalten will. “Von uns wird es kein grünes Licht für einen Vorstandsvorsitzenden geben, der das anders sieht.“

Hommel forderte eine schnelle Aufklärung der Datenaffäre. “Die Untersuchung der Vorgänge muss jetzt konsequent fortgeführt werden.“ Bis Mitte April erwarte er einen Abschlussbericht, der die Zuständigkeiten klären soll. “Wenn sich dabei zeigt, dass auch andere Vorstandsmitglieder unverantwortlich gehandelt haben, müssen sie genauso wie Herr Mehdorn die Konsequenzen ziehen und ihren Hut nehmen“, sagte Hommel. Leider fehle Mehdorn “noch jegliches Unrechtsbewusstsein. Mit seinem Rücktritt hat er zwar die politische Verantwortung übernommen, mehr aber auch nicht.“

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Dax kraftlos nach jüngster Erholung
Frankfurt/Main (dpa) - Die Erholung am deutschen Aktienmarkt ist ins Stocken gekommen. Der Dax beendete den Handel mit einem Minus von 0,19 Prozent auf 12.567,42 Punkte. …
Dax kraftlos nach jüngster Erholung
Betriebsrat kontra Geschäftsleitung: Streit um Opel-Sanierung spitzt sich weiter zu
Der Konflikt um die Zukunft des verlustreichen Autobauers Opel wird schärfer. Die Auseinandersetzung sorgt nun auch für Unruhe in Berlin.
Betriebsrat kontra Geschäftsleitung: Streit um Opel-Sanierung spitzt sich weiter zu
IWF warnt vor Risiken für die Weltwirtschaft
IWF und Weltbank sind sich einig: Ziemlich viel läuft in der Weltwirtschaft in die richtige Richtung. Sorgen machen sich die beiden Institutionen wegen der hohen …
IWF warnt vor Risiken für die Weltwirtschaft
Opel-Betriebsrat weist Sanierungskonzept zurück
Der Konflikt um die Zukunft des verlustreichen Autobauers Opel wird schärfer. Die Auseinandersetzung sorgt nun auch für Unruhe in Berlin.
Opel-Betriebsrat weist Sanierungskonzept zurück

Kommentare