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Mit seinen Mitarbeitern geht der Discounter Lidl nicht besonders fair um.

Datenskandal

Neuer Spitzel-Skandal bei Lidl: Datenschutzbeauftragte schaltet sich ein

Düsseldorf - Lidl hat Daten über kranke Mitarbeiter gesammelt - schon wieder ein Verstoß gegen den Datenschutz. Der neue Skandal  um geheime Krankenakten hat die nordrhein-westfälische Datenschutzbeauftragte auf den Plan gerufen.

Sprecher Niels Schröder sagte am Montag in Düsseldorf: “Für die Aufzeichnung der Krankheitsgründe durch den Arbeitgeber sehen wir keine Rechtsgrundlage.“ Der Vorfall werde überprüft. Der Discounter hatte noch nach Aufdeckung des Skandals um die Bespitzelung von Mitarbeitern Beschäftigte aufgefordert, den Grund ihrer Erkrankung anzugeben, und diesen auf Formularen festgehalten.

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Schröder sagte, man sei schon erstaunt, dass Lidl noch nach dem Bußgeld im vergangenen Sommer gegen den Datenschutz verstoßen habe. Das Unternehmen habe damals Besserung gelobt. Lidl hatte am Samstag nach einem Bericht zu den Krankenakten eingeräumt: “Dies war nicht datenschutzkonform, diente aber dazu, die Mitarbeiter ihrem gesundheitlichen Zustand entsprechend einzusetzen.“ Ende 2008 sei die Praxis eingestellt worden. Das Vorgehen kam laut “Spiegel“ heraus, nachdem mehrere hundert Seiten firmeninterner Unterlagen zufällig in einer Mülltonne in Bochum entdeckt wurden. Dagegen teilte Lidl mit, die Listen seien von einem Mitarbeiter unsachgemäß entsorgt und dem “Spiegel“ zugeleitet worden. In den Krankenunterlagen steht dem Bericht zufolge über eine Mitarbeiterin, die im Juni vergangenen Jahres krankgeschrieben war: “Will schwanger (werden). Befruchtung nicht funktioniert.“ Im Fall einer Filialleiterin seien “private Probleme“ notiert worden.

Möglicherweise bundesweites Problem

Alle Einträge stammen nach Informationen des Blatts aus der Zeit nach der Entdeckung der Spitzelmethoden. Lidl hatte im März 2008 eingeräumt, in 219 Filialen Detektive zur Mitarbeiterüberwachung eingesetzt zu haben. Deswegen war ein Bußgeld von insgesamt fast 1,5 Millionen Euro verhängt worden. Der Sprecher der nordrhein-westfälischen Datenschutzbeauftragten sagte weiter, nun werde geprüft, ob es sich um ein bundesweites Problem bei Lidl handele. Sollte dies der Fall sein, solle möglicherweise Baden-Württemberg die Untersuchung des Vorfalls übernehmen. Die Lidl-Zentrale ist in Neckarsulm bei Heilbronn angesiedelt.

(ap)

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