+
Vorsicht im Supermarkt: Ab Ostern fallen Einheitsgrößen für Lebensmittel weg.

Vorsicht im Supermarkt

Ab Ostern gibt es keine Einheitsgrößen für Lebensmittel mehr

Frankfurt/Main - Verbraucher müssen beim Vergleich der Preise  ab Ostern genau hinschauen. Denn für viele Lebensmittel fallen die Vorschriften für einheitliche Verpackungsgrößen weg. Verbraucherschützer befürchten versteckte Preiserhöhungen.

Dann könnten beispielsweise Schokoladentafeln zu 95 Gramm im Supermarktregal liegen. Verbraucherschützer befürchten, dass die Hersteller die Freigabe für versteckte Preiserhöhungen nutzen. Wer Wasser kauft, sieht bisher schon auf den ersten Blick, für wie viele Liter er bezahlt: große Flaschen enthalten 1,5 Liter, die kleineren einen Liter. Der Preisvergleich könnte künftig schwerer fallen, weil mit Wegfall der vorgeschriebenen Einheitsgröße beispielsweise auch Flaschen mit 1,2 Litern möglich sind. Theoretisch können ab 11. April sogar 0,005 bis 10 Liter abgefüllt werden. Bei Fruchtsäften, Milch oder Bier ist mit der Umsetzung einer EU-Richtlinie dieselbe Bandbreite möglich, Wein, Sekt und Spirituosen sind dagegen nicht freigegeben. Bei Zuckerpackungen sind künftig zwischen 100 Gramm und 5 Kilogramm zulässig, bei Schokolade 85 bis 500 Gramm.

Bei Mehrwegflaschen Änderungen zu aufwendig

Nach Angaben des Verbandes des Deutschen Getränke-Einzelhandels ist bei Mehrwegflaschen aber kaum mit gravierenden Änderungen zu rechnen. Die Umstellung von Flaschen, Kästen und Abfüllanlagen sei zu aufwendig, sagte der Vorsitzende des Verbandes, Josef Gail, am Dienstag der AP. Beim Einweg hält Gail neue Flaschengrößen für wahrscheinlicher. Die Verringerung der Menge sei eine Möglichkeit, die für den Verkauf wichtigen Schwellenpreise wie zum Beispiel aktuell 19 Cent für 1,5 Liter Wasser bei Discountern zu halten. “Solche Überlegungen wird es in Zukunft in allen Bereichen, nicht nur bei den Getränken, geben“, sagt Gail. Das befürchten auch Verbraucherschützer. “Bei viel gekauften Lebensmitteln werden die Verbraucher künftig mit versteckten Preiserhöhungen hinters Licht geführt werden“, befürchtet Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg. Die Masche wird der Zentrale zufolge schon bei Lebensmitteln wie Süßigkeiten oder Frühstückscerealien, für die keine Einheitsmengen gelten, und anderen Produkten angewandt.

Handel verweist auf Grundpreisangaben

Der Handel hält die Änderung dagegen für verbraucherfreundlich. Die Verpackungsgrößen könnten besser auf bestimmte Käufer wie Singles oder Ältere abgestimmt werden, sagt Ulrike Hörchens vom Hauptverband des Deutschen Einzelhandels. Ohnehin glaubt Hörchens nicht, dass es bald eine Vielzahl unterschiedlicher Größen gibt: “Das wäre unpraktisch für Handel und Hersteller.“ Die Verbandssprecherin weist zudem darauf hin, dass Kunden die Preise weiterhin mit einem Blick auf die Grundpreisangaben pro Kilogramm oder Liter am Regal vergleichen können. Dazu rät auch Verbraucherschützer Valet: “Nur anhand des erhöhten Grundpreises können Verbraucher den Anbietern auf die Schliche kommen. Der Packungspreis ist letztendlich für Preisvergleiche uninteressant.“ Nach Erfahrung der Hamburger Zentrale fehlen die Angaben allerdings immer wieder in den Supermärkten, sind fehlerhaft oder unleserlich klein am Regal versteckt.

(ap)

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Euro steigt auf 12-Monats-Hoch
Frankfurt/Main (dpa) - Der Euro hat im frühen Handel seine Klettertour fortgesetzt und ist zwischenzeitlich erstmals seit einem Jahr über 1,14 US-Dollar gestiegen. Am …
Euro steigt auf 12-Monats-Hoch
Streit um Ikea-Bett "Malm" vor dem BGH
Das Ikea-Bett "Malm" steht in etlichen Schlafzimmern. Aber ein Frankfurter Designer ist überzeugt: Die Schweden haben die Idee geklaut - von ihm. Nun kämpft er dafür, …
Streit um Ikea-Bett "Malm" vor dem BGH
GfK veröffentlicht Konsumklimastudie für Juni
Nürnberg (dpa) - Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in Nürnberg legt heute ihre aktuellen Daten zur Verbraucherstimmung in Deutschland vor.
GfK veröffentlicht Konsumklimastudie für Juni
Streit um Luftprobleme: BMW und Audi rüsten Diesel um
Die bayerischen Auto-Konzerne verpflichten sich, den Ausstoß an Stickoxiden durch Nachrüstung zu verringern. Andere Hersteller sollen dem Beispiel folgen.
Streit um Luftprobleme: BMW und Audi rüsten Diesel um

Kommentare