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„Es wird ein schwieriges Jahr“: Reuschel-Geschäftsleiter Patrick Tessmann (48) sieht sein Haus dennoch gut dastehen. Die Ankündigung der Commerzbank, einen Verkauf der Münchner Tochter zu prüfen, sorgt ihn nicht.

Interview

Patrick Tessmann: „Wir haben nicht gezockt“

München – Der Geschäftsleiter der Privatbank Reuschel über Mutter Commerzbank, das Krisenjahr und persönliche Haftung

Das Privatbanken auch in üblen Zeiten Geld verdienen können, zeigt das Münchner Geldhaus Reuschel. Das kleine Institut für vermögende Bürger und mittelständische Firmen hat letztes Jahr dank konservativer Geschäftspolitik einen Überschuss eingefahren, wie der Sprecher der Geschäftsleitung, Patrick Tessmann, im Gespräch mit unserer Zeitung sagte. Auch 2009 habe erfreulich begonnen. Die Zukunft von Reuschel ist dennoch unklar: Die neue Mutter Commerzbank prüft einen Verkauf von Reuschel.

-Herr Tessmann, zum Jahresbeginn ist Reuschel als Teil der Dresdner Bank in den Besitz der Commerzbank übergegangen, die vom Staat gestützt wird. Wären Sie lieber unter dem Dach des Allianz-Konzerns geblieben, der im Vergleich zur jetzigen Mutter deutlich stabiler dasteht?
Nein. Natürlich ist die Allianz ein hochsolides, weltweit operierendes Unternehmen. Wir sehen aber auch in der Commerzbank einen starken Partner. Durch die Fusion mit der Dresdner Bank ist die zweitgrößte Bank Deutschlands entstanden. Sie ist Marktführer im Mittelstandsgeschäft und auch im Privatkundengeschäft eines der führenden Häuser. Als kleines Institut können wir davon nur profitieren.

-Die Commerzbank will auf Reuschel verzichten. Aus Kapitalnot wird der Verkauf geprüft. Wann werden Sie in die Hände eines neuen Eigentümers übergehen?
Es handelt sich um einen ganz normalen Vorgang, dass ein neuer Kapitaleigner die verschiedenen übernommenen Beteiligungen prüft und dann eine fundierte strategische Entscheidung trifft.

-Wer hat Interesse an Reuschel? Und wer genug Geld in der Kasse?
Reuschel steht gut da und ist eine starke Marke. Von daher ist es selbstverständlich, dass es Interessenten geben wird. Wir beteiligen uns aber nicht an Spekulationen. In der akutellen Situation sind natürlich die allgemeinen Preise von Banken für potenzielle Verkäufer nicht optimal.

-Gehen Sie davon aus, dass Ihre Bank unter einem neuen Eigentümer in seiner Form bestehen bleibt?
Wir zählen in Deutschland zu den Top 5 der besten Vermögensberater und Stiftungsmanager. Selbst in der Finanzmarktkrise sind wir extrem stabil unterwegs. Deshalb sehe ich keinen Anlass, unser Geschäftsmodell in Frage zu stellen. Ich gehe davon aus, dass Reuschel weiterhin eigenständig agieren wird – egal wer der Eigentümer ist.

-Stichwort „stabil unterwegs“: Wie stark spiegeln sich die Turbulenzen des Jahres 2008 in der Bilanz Ihres Hauses wider, die Sie Ende März vorlegen?
Kaum. Unser Ertrag vor Steuern liegt im zweistelligen Millionenbereich. Sowohl der Einlagensicherungsfonds als auch die Bundesbank haben uns für unsere konservative und zurückhaltende Geschäftspolitik gelobt. Wir haben nicht gezockt und hatten keine Subprimerisiken oder Schrottanleihen in unseren Büchern. Wir mussten 2008 keine neuen Wertberichtigungen im Kreditgeschäft bilden. Und wir sind jederzeit ausreichend mit Liquidität ausgestattet. Unsere Kernkapitalquote liegt bei 9,6 Prozent.

-Die Großbanken litten vor allem unter der Lehman-Pleite vergangenen Herbst. Reuschel hat das nichts anhaben können?
Wir hatten in den ersten drei Quartalen schwarze Zahlen geschrieben. Das vierte war dann knapp rot, weil wir wie alle Banken Bewertungsabschläge auf unseren Wertpapierbestand vornehmen mussten. Im Gesamtjahr waren wir aber eine der wenigen Banken, die Geld verdient haben.

-Wie hatten Ihre Kunden auf das Lehman-Desaster reagiert?
Die Situation kurz danach war bei allen Banken dramatisch. Auch wir haben unzählige Gespräche geführt, um die Kunden zu beruhigen und sachlich zu beraten. Aber wir konnten vermitteln, dass wir mehr als ausreichend kapitalisiert sind und die Gelder bei uns sicher sind. In dieser Zeit hat Reuschel eher Volumen von anderen Instituten gewonnen.

-Im Zuge der Rezession müssen immer mehr Unternehmen Insolvenz anmelden. Deshalb fallen auch mehr Kredite aus. Wie stark wird das Ihr Firmenkundengeschäft belasten?
Wir haben schon vor einigen Jahren unser Portfolio bereinigt. Seitdem betreiben wir ein sehr risikoadjustiertes Kreditgeschäft. Wir sehen deshalb für uns aktuell kein erhöhtes Risiko. Das mögen andere Banken anders sehen.

-Viele Firmen beklagen, dass sie nur teure oder gar keine Kredite bekommen. Ist Reuschel großzügiger?
Wir betreiben unser Kreditgeschäft natürlich weiter und wachsen derzeit auch. Es gibt viele Anfragen. Unserer konservativen Risikopolitik bleiben wir aber treu.

-Wird 2009 für Reuschel besser oder schlechter verlaufen als 2008?
Es wird ein schwieriges Jahr. Aber wir gehen davon aus, dass wir Kunden und Volumen dazugewinnen. Die ersten zwei Monate sind sehr gut gelaufen, besser als im Vorjahr. Hintergrund sind u. a. Transaktionen mit institutionellen Kunden. Ob wir den Trend auf das ganze Jahr hochschreiben können, hängt davon ab, wie sich die Wirtschaft entwickelt.

-Anders als die Vorstände von Großbanken haften Sie und Ihre Kollegen in der Reuschel-Geschäftsleitung mit Ihrem Privatvermögen. Wurde Ihnen in letzter Zeit nicht manchmal mulmig?
Nein. Wir haben ein belastbares Geschäftsmodell aufgebaut und können die Risiken als Unternehmer sicher abschätzen . Davon profitieren wir als Bank und natürlich auch unsere Kunden.
Interview: Florian Ernst

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