+
Ersatzteile wird es auch in Zukunft geben.

Pleite muss nicht das Aus bedeuten

Märklin, Rosenthal, Schiesser, Opel, Arcandor... die Liste der Unternehmen, die bereits insolvent sind oder von der Pleite bedroht, wächst in der Wirtschaftskrise kontinuierlich. Doch eine Insolvenz muss nicht zwangsläufig das endgültige Aus für ein Unternehmen bedeuten.

Hier die wichtigsten Fragen und Antworten:

-Wie kommt es zu einer Insolvenz?

Bei drohender oder tatsächlicher Zahlungsunfähigkeit sowie bei Überschuldung des Unternehmens. Wenn kein Geld mehr in der Kasse ist, wird umgangssprachlich auch davon gesprochen ist, dass ein Unternehmen pleite ist. Das Unternehmen oder ein Gläubiger stellen dann nach der Insolvenzordnung beim Amtsgericht einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Umgangssprachlich sagt man auch: Sie melden Insolvenz an.

-Welche Ziele werden mit dem Insolvenzverfahren verfolgt?

Zweck des Verfahrens ist in erster Linie, die Gläubiger zu befriedigen, indem das noch bestehende Vermögen des Unternehmens verwertet und der Erlös entsprechend verteilt wird. Werden alle Gläubiger entsprechend der errechneten Insolvenzquote ausgezahlt, wird das Verfahren beendet und die Firma gelöscht. In den meisten Fällen, bei vielen kleineren Unternehmen, ist aber nur noch so wenig Vermögen („Masse“) vorhanden, dass gar kein Verfahren eröffnet werden kann. Dann wird das Unternehmen liquidiert.

-Warum muss Insolvenz nicht das Aus bedeuten?

Mit der Reform des Insolvenzrechts 1999 kam ein weiteres Ziel dazu, nach dem Vorbild des US-Insolvenzrechts, das mit seinem „Chapter eleven“ Pate stand. Die bis dahin gängigen Begriffe Konkurs, Vergleich bzw. Gesamtvollstreckung wurden durch den einheitlichen Begriff Insolvenz ersetzt. Zugleich wurden bessere Möglichkeiten zur Fortführung von grundsätzlich lebensfähigen Unternehmen eingebaut: In einem Insolvenzplan kann dafür eine Regelung getroffen werden. Das bedeutet, die Insolvenz markiert nicht das Ende – sondern steht am Anfang eines Sanierungsprozesses, bei dem so viele Arbeitsplätze wie möglich erhalten bleiben sollen. Das Unternehmen produziert weiter und es wird nach Investoren gesucht.

-Wie läuft ein Insolvenzverfahren praktisch ab?

Weil oft Eile geboten ist, ernennt das Gericht sofort einen vorläufigen Insolvenzverwalter, der sich unverzüglich an die Arbeit macht, noch bevor das Insolvenzverfahren förmlich eröffnet wird. Er erhält besondere Vollmachten und ist quasi Chef im Haus . Er spricht mit potenziellen Investoren und versucht, mit Sparplänen die Kosten zu drücken. Der Geschäftsbetrieb oder die Produktion läuft soweit möglich währenddessen weiter. Zugleich muss der Insolvenzverwalter versuchen, die Gläubiger von seinen Plänen zu überzeugen; dazu gibt es eigens einberufene Gläubigerversammlungen. Auf der Märklin-Gläubigerversammlung Anfang der Woche versuchte etwa der Insolvenzverwalter die Gläubiger zu besänftigen, indem er von sieben Interessenten berichtete. Unlängst fiel auf einer Versammlung der Hertie-Gläubiger aber auch der Beschluss, die Warenhauskette zu schließen.

-Wer kommt als Insolvenzverwalter in Betracht?

Der Insolvenzverwalter ist in der Regel ein erfahrener Jurist und Betriebswirt. Der Verband der Insolvenzverwalter Deutschlands hat nach eigenen Angaben lediglich 435 Mitglieder.

Wenig Probleme für Autobesitzer erwartet

Viele Opelbesitzer fragen sich derzeit, wie es nach einer möglichen Pleite des Mutterkonzerns General Motors ( GM ) mit den Herstellergarantien und der Beschaffung von Ersatzteilen für ihre Autos in Zukunft aussehen wird. „Ich würde mir da keine zu großen Sorgen machen“, rät Markus Saller , Jurist der Verbraucherzentrale Bayern. Zumindest in den ersten zwei Jahren nach dem Kauf eines Fahrzeuges bleibt der Händler in der Gewährleistungspflicht, sollte es zu Defekten am Fahrzeug kommen, denn mit ihm wurde der Kaufvertrag geschlossen. „Das wurde bisher kaum in Anspruch genommen, da die meist dreijährige Herstellergarantie der Automobil-Unternehmen, die Gewährleistung zurückgedrängt hat.“ Dies könnte sich nun ändern: „Vielleicht kommen jetzt mehr Autobesitzer bei Problemen zu ihren Händlern“, mutmaßt Saller. Denn an der Gewährleistungspflicht ändere sich auch bei einer Herstellerinsolvenz nichts. Auch schließt der Experte nicht aus, dass die von der Insolvenz bedrohten Hersteller Opel, Chevrolet, Cadillac, Corvette und Hummer, die alle zum GM -Konzern gehören, ihre Händler verpflichten, die verlängerten Garantieleistungen zu übernehmen. „In der Dimension haben wir das aber noch nie erlebt“, sagt Saller, der nicht ausschließt, dass gerade die Rechte und Ansprüche der Kunden im Falle einer Pleite besonders aufgefangen werden. „Man kann bisher nur spekulieren.“ Auch die Gefahr, dass künftig nur noch schwer Ersatzteile für Opelfahrzeuge zu beschaffen sein könnten, ist laut Saller gering. Es besteht für die Konzerne die Möglichkeit, Lizenzen für die Herstellung an andere Firmen zu verkaufen, sollte die Produktion im eigenen Haus eingestellt werden. „Es gibt zwar keine gesetzliche Regelung, die die Händler gegenüber den Kunden verpflichtet dauerhaft Ersatzteile bereit zu halten“, erläutert der Jurist, „aber es gibt ein BGH -Urteil, dass zumindest in einem solchen Zeitraum Teile bevorratet oder erhältlich sein sollten, der der zu erwartenden Lebensdauer des erworbenen Gegenstandes entspricht.“

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Investor interessiert am insolventen Küchenbauer Alno
Pfullendorf (dpa) - Für die Belegschaft des insolventen Küchenbauers Alno gibt es wieder etwas Hoffnung. In der kommenden Woche würden Gespräche geführt mit einem …
Investor interessiert am insolventen Küchenbauer Alno
BMW verärgert über Kronzeugenanträge von Daimler und VW
München (dpa) - BMW ist verärgert über die Anträge von Daimler und Volkswagen, im Fall des Kartellverdachts gegen die deutsche Autoindustrie als Kronzeugen zur …
BMW verärgert über Kronzeugenanträge von Daimler und VW
Kaufhof-Mutter HBC trennt sich von Chef Storch
Die Warenhauskette Kaufhof steckt in der Krise - wie auch die kanadische Mutter HBC. Nun verlässt HBC-Chef Storch den Konzern. Kaufhof gibt sich gelassen.
Kaufhof-Mutter HBC trennt sich von Chef Storch
EU-Kommission erwartet Aufholjagd bei schnellem Internet
Europa hängt bei Zukunftstechnologien in wichtigen Bereichen hinterher. Doch nach dem jüngsten EU-Gipfel können Online-Shopper und Nutzer des mobilen Internets hoffen.
EU-Kommission erwartet Aufholjagd bei schnellem Internet

Kommentare