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Ein Liebhaber-Auto: Das VW-Karmann-Ghia Cabrio.

Insolvenz

Traditionsreicher Fahrzeugbauer Karmann meldet Insolvenz an

Osnabrück - Der traditionsreiche Fahrzeugbauer Karmann ist Opfer der weltweiten Krise in der Autoindustrie geworden. Das mehr als 100 Jahre alte Unternehmen hat wegen drohender Zahlungsunfähigkeit Insolvenz anmelden müssen.

Das Insolvenzgericht setzte am Mittwochmorgen um 09.50 Uhr dem Frankfurter Anwalt Ottmar Hermann zum vorläufigen Verwalter des Unternehmens ein. Mit dem Zusammenbruch von Karmann ist auch der vergangenen Herbst eingeleitete Unternehmensumbau vom Autobauer zum Zulieferer und Dienstleister der Branche vorerst gescheitert. Karmann hat nach eigenen Angaben derzeit 5.400 Beschäftigte, davon 4.500 in Deutschland. Von der Insolvenz seien alle deutschen Mitarbeiter betroffen, sagte Unternehmenssprecher Christian Eick. Im Zuge der geplanten Einstellung des Fahrzeugbaus haben in Rheine und Osnabrück gut die Hälfte der deutschen Mitarbeiter bereits Kündigungen erhalten.

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Für den Zusammenbruch machte Eick die weltweite Autokrise und Sozialplankosten zweistelliger Millionenhöhe verantwortlich. Die Krise und der Einbruch der Autonachfrage hätten die Planungen zunichtegemacht. Die Zahl der von Karmann noch zu produzierenden Cabrios sei von den Auftraggebern drastisch gekürzt worden. Daher sei der für die Gekündigten vereinbarte Sozialplan nicht mehr zu finanzieren. “Die Sozialplankosten sind der ausschlaggebende Punkt für die Insolvenz“, sagte Eick.

Suche nach einem Käufer

Die IG Metall wies dagegen den Eigentümern die Schuld an der Unternehmenspleite zu. “Es ist eine Unverschämtheit, die Insolvenz auf die Sozialplankosten abzuwälzen, wenn man nicht einmal Abfindungen zahlt“, sagte der erste Bevollmächtigte der Gewerkschaft in Osnabrück, Hartmut Riemann. Das Unternehmen habe keine Vorsorge getroffen, um Löhne während der Kündigungsfristen zu zahlen. Nach Angaben von Karmann-Sprecher Eick bieten die Eigentümer das Unternehmen seit langem zum Kauf an. Im Fahrzeugbau suchte Karmann vergeblich nach Anschlussaufträgen für die Produktion von Mercedes-Cabrios in Osnabrück und von Audi-Cabrios in Rheine gesucht. Schließlich beschloss der durch den legendären “Karmann Ghia“ bekannt gewordene Autobauer im vergangenen September die Einstellung der Autofertigung.

Unternehmen im Kern sanierungsfähig

Nach Angaben von Eick arbeiten die 900 im Ausland tätigen Karmann-Mitarbeiter in einem rechtlich selbstständigen Unternehmsteil und sind als einzige von der Insolvenz nicht betroffen. Neben der auslaufenden Cabrio-Fertigung produziert Karmann auch Dachsysteme und Werkzeuge für den Automobilbau und betreibt eine für andere Unternehmen tätige Entwicklungssparte. Ziel sei es, dort möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten, sagte Eick. Das Unternehmen betonte, es sei “im Kern sanierungsfähig“ und “praktisch frei von Bankkrediten“. Der Zusammenbruch des Automobilmarktes einerseits und der Sozialplan hätten in der Summe zu Belastungen geführt, die die Finanzierungskraft überstiegen. Die Frankfurter Kanzlei des Insolvenzverwalters teilte mit, Hermann und sein Team wollten sich zunächst ein Bild der Lage bei Karmann machen. Der Anwalt hatte unter anderem die Pleite des Baukonzerns Philipp Holzmann abgewickelt. (AP)

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