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Rainer Bomba ist Chef der Regionaldirektion Bayern.

„Unser Krisenkonzept steht“

München – Rainer Bomba, Chef der bayerischen Arbeitsagenturen, über die Folgen der Rezession für den Stellenmarkt im Freistaat

Noch trotzt der bayerische Stellenmarkt der Konjunkturkrise. Vor allem Kurzarbeit bremst den Personalabbau. Doch ab Sommer müssen sich viele Menschen im Freistaat auf den Verlust ihrer Stelle einstellen, wie Reiner Bomba (45), Chef der Regionaldirektion Bayern sagt.

-Herr Bomba, Volkswirte befürchten massive Auswirkungen der Konjunkturkrise auf den deutschen Arbeitsmarkt. Allein bis zum Jahresende könnte die Zahl der Joblosen um 500 000 auf über vier Millionen zulegen. Wie viele Stellen fallen in Bayern weg?
Darüber möchte ich nicht spekulieren. Derzeit befinden wir uns in Bayern noch auf der Insel der Glückseligen mit einer Arbeitslosenquote von 5,1 Prozent. Allerdings fangen wir aktuell 395 000 Personen in Kurzarbeit auf. Wenn sich die Lage am Arbeitsmarkt nicht bessern sollte – und das ist leider nicht zu erwarten –, wird ein Teil dieser Leute in die Arbeitslosigkeit gehen müssen.

-Bislang hat sich die Rezession am Stellenmarkt kaum niedergeschlagen. Die Zahl der Arbeitslosen in Bayern lag im Februar auf Vorjahresniveau. Wann kommt der Einbruch?
Im April und Mai wird die Arbeitslosenzahl in Bayern noch mal sinken. In diesem Zeitraum wird bei uns traditionell die Winterarbeitslosigkeit abgebaut. Dann werden wir bei der Quote, die aktuell bei 5,1 Prozent steht, noch mal eine vier vor dem Komma sehen. Ab Sommer rechnen wir mit signifikant zunehmenden Entlassungen. Das haben uns die Unternehmen bereits signalisiert.

-Wie bereiten sich die Arbeitsagenturen auf den Einbruch vor?
Unser Krisenkonzept steht. Punkt eins: Wir haben derzeit noch 58 000 offene Stellen, die wir so schnell wie möglich vermitteln wollen. Punkt zwei: Wir versuchen mit Kurzarbeit die Beschäftigten so lange wie möglich in den Unternehmen zu halten. Dann müssen die Firmen nicht nach guten Kräften suchen, wenn es wieder aufwärts geht. Punkt drei: Die Lohnersatzleistungen müssen ohne Verzögerungen ausgezahlt werden. Punkt vier: Tritt Arbeitslosigkeit ein, müssen wir sofort mit den Betroffenen arbeiten. Dann müssen wir feststellen, welche Defizite es gibt und mit Qualifizierung dagegen arbeiten.

-Brauchen die Agenturen personelle Verstärkung?
Die Agenturen haben reagiert und bundesweit mehr Personal eingestellt. Allein in Bayern haben wir einige hundert Mitarbeiter geholt.

-Im Februar 2005 fanden 590 000 Menschen im Freistaat keine Arbeit. Aktuell sind es 330 000. Werden wir die damalige Rekordmarke toppen?
Nein, so schlimm wird es nicht kommen. Wir können sehr viel mit Kurzarbeit und anderen arbeitsmarktpolitischen Instrumenten auffangen.

-Wie stark vermag Kurzarbeit den Anstieg der Arbeitslosenquote bremsen?
Das lässt sich nicht quantifizieren. Aber ein Vergleich mit den USA zeigt, wie wirkungsvoll dieses Instrument ist: Der US-Arbeitsmarkt ist in den vergangenen Wochen zusammengebrochen, weil es dort keine Kurzarbeit gibt. In Bayern haben wir seit März mehr Kurzarbeiter als Arbeitslose. Wenn uns dieses Instrument nicht zur Verfügung stünde wäre die Arbeitslosigkeit massiv gestiegen.

-Mit wie vielen bayerischen Kurzarbeitern rechnen Sie zum Jahresende?
Derzeit werden Anträge für bis zu 50 000 weitere Kurzarbeiter geprüft. Damit ist klar, dass wir die 400 000-Marke locker überspringen. Allerdings haben wir den Zenit der Steigerung bereits überschritten. Das heißt, die Zahl der Neuanträge sinkt wieder.

-Wir haben gehört, dass sich wegen der Flut an Kurzarbeitanträgen in manchen Agenturen die Bearbeitungszeit erhöht hat. Um wie viele Tage?
Die Bearbeitungszeit für Kurzarbeiter-Anzeigen hat sich erhöht. Wir liegen im Durchschnitt bei knapp zehn Tagen. Das ist aber kein Wunder, weil wir letztes Jahr praktisch keine Kurzarbeit hatten. Die Zahl der Fälle hat sich um den Faktor 30 bis 40 erhöht. Arbeitgeber haben sich deshalb aber nicht beschwert.

-Die wachsende Arbeitslosigkeit wird das Budget der Bundesagentur für Arbeit belasten, weil mehr Arbeitslosengeld ausgezahlt werden muss. Wann muss der Arbeitslosenbeitrag wieder steigen?
Wir haben in den letzten Jahren gut gehaushaltet und 17 Milliarden Euro auf die hohe Kante gelegt. Dieses Geld wird nun intensiv eingesetzt, um die aktuelle Lage zu meistern. Sicherlich muss bei einer gleichbleibenden Lage über eine Erhöhung des Beitrages nachgedacht werden.

-Wann wird sich die Lage am Arbeitsmarkt wieder entspannen?
Den Höchststand der saiso-nalen Arbeitslosigkeit erwarten wir im Februar/März 2010. Wann der konjunkturelle Anstieg zu Ende geht, vermag ich nicht zu sagen. Die Lage wird sich bessern, wenn die Wirtschaft wieder anzieht und die Auftragseingänge steigen. Eines ist allerdings klar: Nach dieser Krise werden wir jeden Mann und jede Frau brauchen. Dann wird uns für lange Zeit das Schrumpfen und Altern der Bevölkerung beschäftigen. Einen Vorgeschmack haben wir vergangenes Jahr bekommen. Da hatten wir Bezirke mit 1,3 Prozent Arbeitslosigkeit. Da gibt es nichts mehr zu vermitteln.

-Im Wettstreit der Musterländer mit der geringsten Arbeitslosigkeit ist Bayern seit Dezember hinter Baden-Württemberg auf Platz zwei gerutscht. Warum wächst im Freistaat die Arbeitslosigkeit schneller?
Das liegt an dem Phänomen der Winterarbeitslosigkeit mit den vielen Außenberufen. Das gibt es so in anderen Bundesländern nicht. Ich erwarte aber, dass wir im April oder Mai die Nase wieder vorne haben werden.

Interview: Florian Ernst.

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