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US-Notenbankchef Ben Bernanke glaubt, dass ein Ende der Rezession in diesem Jahr möglich sei, sollte sich der Finanzsektor stabilisieren. (Archivbild)

US-Notenbank: Eine Billion gegen die Krise

Washington - Zur Stützung des amerikanischen Finanz- und Immobiliensektors will die US-Notenbank zusätzlich eine Billion US- Dollar (770 Mrd Euro) in die Märkte pumpen.

Wie die Federal Reserve am Mittwoch in Washington ankündigte, will sie bis zu 750 Milliarden Dollar (577 Mrd Euro) an hypothekenbesicherten Wertpapieren erwerben. Außerdem sollen bis zu 300 Milliarden Dollar an langfristigen Staatsanleihen gekauft werden, um die Zinsen auf verschiedenen Märkten zu drücken. Dadurch sollen Kreditklemme und Immobilienkrise überwunden werden. Zugleich beließ die Fed den US-Leitzins auf seinem historischen Tiefstand von knapp über null Prozent, der Mitte Dezember festgelegt worden war.

“Die Federal Reserve wird unter den gegebenen Umständen alle verfügbaren Mittel einsetzen, um die wirtschaftliche Erholung voranzutreiben und Preisstabilität zu gewährleisten“, hieß es in der Mitteilung der Notenbank nach der Sitzung des Offenmarktausschusses.

Experten zeigten sich über die Entscheidung der Fed zum Ankauf der Staatsanleihen überrascht. “Das ist ein wirklich dramatischer Schritt“, sagte Analyst James Caron von Morgan Stanley. Die Kurse an den US-Börsen wurden in der Folge nach oben getrieben. Der US- Leitindex Dow Jones Industrial Average (DJIA) schloss am Mittwoch mit plus 1,23 Prozent auf 7486,58 Punkte, nachdem er zeitweise sogar bis auf 7572 Zähler gestiegen war. Der Kurs des Euro sprang im späten Handel aufgrund der Fed-Ankündigungen auf ein Zweimonatshoch knapp unter 1,35 Dollar.

Die Notenbank erwartet trotz eines auf kurze Sicht schwachen Konjunkturausblicks, dass durch das Konjunkturprogramm der US- Regierung und die jetzt getroffenen Maßnahmen sich die Finanzmärkte und -institutionen stabilisieren. Dies werde dazu beitragen, dass es zu einer “schrittweisen Wiederaufnahme“ eines nachhaltigen Wachstums komme. Notenbank-Chef Ben Bernanke hatte am Wochenende in einem Fernsehinterview seine Einschätzung unterstrichen, dass ein Ende der Rezession in diesem Jahr möglich sei, sollte sich der Finanzsektor stabilisieren. 2010 könne dann mit Wachstum gerechnet werden.

Die Federal Reserve gab zudem bekannt, dass ihr jüngstes Kreditprogramm angelaufen sei, das vor allem den Fluss von Darlehen an Haushalte und Kleinunternehmen wieder in Gang bringen soll. Experten befürchten, dass die zahlreichen Maßnahmen der Fed, die im Prinzip dem Drucken von Geld gleichkommen, auf mittlere Sicht die Inflation über Gebühr anheizen könnten. Die Federal Reserve betonte am Mittwoch jedoch, dass sie eher einen zu niedrigen Preisauftrieb befürchte, was langfristig schädlich für das Wachstum sei.

Die US-Verbraucherpreise stiegen derweil auch im Februar leicht an. Auf Monatssicht lag die Inflationsrate bei 0,4 Prozent, teilte das US-Arbeitsministerium am Mittwoch in Washington mit. Bereits im Januar zogen die Preise um 0,3 Prozent an. Dies war der erste Anstieg seit einem halben Jahr gewesen.

dpa

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