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Michael Kollenda von der SALUTARIS Capital Management AG.

Tod der Portfoliotheorie!

Wenn alle etwas tun, muss es noch lange nicht richtig sein! Wer die Regel zur internationalen Risikostreuung missachtet, kann jetzt Chancen nutzen.

Ein wesentliches „Glaubenssystem“ des Marktes, nachdem sich fast alle Marktteilnehmer richteten, ist die Portfoliotheorie. Nun, in der aktuellen Krise zeigt sich „der Tod der Portfoliotheorie“!

Schon vor knapp 20 Jahren haben wir Seminare für erfahrene Wertpapierspezialisten gehalten, die diese aus den USA kommende Lehre der internationalen Diversifikation in der Kapitalanlage zur Grundlage hatten. Das Prinzip der Portfoliotheorie lautet vereinfacht: „Nicht alle Eier in einen Korb legen“. Das weiß heute fast jedes (Börsen-)Kind!

Damals hat diese Theorie funktioniert, weil die Märkte noch nicht so stark globalisiert waren. Aber was nutzt die schönste Theorie, wenn alle gleich handeln. Und heute richten sich alle nach dieser Theorie. Was nutzt es, wenn alle Körbe auf den Boden geworfen werden und auch die japanischen, russischen und chinesischen Eier kaputt gehen?

Vergessen wir die internationale Risikostreuung, bleiben lieber vor Ort und schauen uns genau an, in was wir investieren. Dadurch kann man eine Durststrecke viel besser durchstehen als mit dem fünften Zertifikat auf chinesischen grünen Tee. Es wäre sinnvoller, die großen Produktabteilungen der Banken würden sich wieder mit den tatsächlichen Werttreibern beschäftigen und nicht mit deren 20. Derivat. Gott sei Dank ist das aber nicht der Fall und somit bleiben die Märkte ineffizient und schaffen für clevere Anleger viele Chancen zum Geldverdienen.

Alle, die die Aktien nicht als Zockerinstrument für den schnellen Trade betrachten, freuen sich über dieses Stimmungsbild. Denn es gibt Qualität zum Ausverkaufspreis. So bot der März bereits die Gelegenheit zur Schnäppchenjagd beim „Winterschlussverkauf der Börse“. Insbesondere galt das beim produzierenden deutschen Mittelstand, den die internationalen Fondsinvestoren beleidigt nicht mehr haben wollten. Teilweise hat es hier zwischenzeitlich Kursbewegungen von 50 Prozent und mehr nach oben gegeben. Immer noch notieren vielfach die mittleren und kleineren Gesellschaften auf dem Niveau ihres Eigenkapitals oder gar darunter. Es sind vor allem die kleinen Unternehmen, die „Schnellboote“, wo der Kapitän noch selber steuert und die „Untiefen“ der Konjunktur nicht nur vom Hörensagen oder von der Business-Schule kennt, sondern direkt sofort an der eigenen Brieftasche spürt. Hier wird schneller agiert als bei den „großen Tankern“ aus dem DAX, die erst einmal Beraterteams durch die Büros und Werkhallen schicken müssen, um gezielt Gegenmaßnahmen gegen die wegbrechende Nachfrage zu ergreifen.

Autor:
Michael Kollenda ist Vorstand der Vermögensverwaltung Salutaris Capital Management AG.

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