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„Gewinn darf nicht verteufelt werden“: Josef Ackermann verteidigte hohe Renditeziele in Unternehmen.

Deutsche-Bank-Chef Ackermann gesteht Fehler ein

Der Verteidiger der Krisen-Branche

Tutzing – Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hat vor dem Hintergrund der weltweiten Finanzkrise eingestanden, dass die Geldhäuser „viele Fehler“ gemacht hätten. Gleichzeitig verteidigte er aber das Gewinnstreben der Manager.

Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank, Forderer von 25-Prozent-Renditen, Victory-Zeichenmacher aus dem Mannesmann-Prozess und Multimillionenverdiener, jener Josef Ackermann würde wohl nicht vielen Menschen als moralische Instanz in den Sinn kommen. Doch anlässlich einer Tagung der Evangelischen Akademie Tutzing (Kreis Starnberg) war der Schweizer am Sonntag angetreten, um sich Fragen von „Profit und Moral“ zu stellen. Es wurde eine Verteidigungsrede für eine Branche, der die Schuld an der größten Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit vorgeworfen wird.

Selbst im gediegenen Ambiente der Evangelischen Akademie mit ihrer Schlossanlage am Ufer des Starnberger Sees kam Ackermann nicht um ein Schuldbekenntnis umhin: „Es ist klar, dass die Banken viele Fehler gemacht haben“, gestand der Bankchef. So habe man sich zu sehr darauf verlassen, dass es bei Wertpapieren mit grundsätzlich guter Qualität nicht zu einem Preisverfall kommen werde. Doch dies habe sich als Fehleinschätzung entpuppt.

„Wenn es nur noch Verkäufer gibt und keine Käufer, ist auch ein Picasso weniger wert“, sagte Ackermann und verteidigte strukturierte Wertpapiere, mit denen sich Banken aus aller Welt am Geschäft mit US-Immobilienkrediten beteiligten und die die Krise auslösten. „Das waren keine Ramschpapiere. Diese Produkte hatten durchaus ihre Berechtigung.“ Ackermann musste aber eingestehen, dass die Preise für ebenjene Papiere „jeden Tag, jede Woche“ weiter absacken. Er sprach von einem Käuferstreik, der entstanden sei, weil das Vertrauen in die Banken verloren gegangen sei. Daran seien die Institute nicht allein schuld: „Wir sind nicht die Einzigen, die Fehler gemacht haben.“

Als Lehren aus der Krise müssten das Risikomanagement und die Vergütungsstrukturen geändert werden, sagte Ackermann, der betonte, dass er auf Bonuszahlungen von fünf Millionen Euro für 2008 verzichte und die Einführung von Malus-Systemen – also Gehaltsabschläge bei Misserfolg – richtig finde. Generell sei eine intensivere Kontrolle der Finanzbranche erforderlich. Der Bank-Manager sprach sich unter anderem für eine europaweite Aufsicht aus.

Ackermann verteidigte das Profitstreben der Manager und sein früher formuliertes Ziel, bei der Deutschen Bank eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent zu erwirtschaften. „Wenn wir uns nicht dieses Ziel gesetzt hätten, würde es die Deutsche Bank heute nicht mehr geben oder wir wären auf den Staat angewiesen“, sagte Ackermann. „Der Gewinn ist ein tragendes Moment in der Wirtschaft, das man nicht verteufeln darf.“ Zudem sei diese Zahl zu relativieren, weil die Eigenkapitalquoten im Bankgeschäft meist weit unter denen der Industrie lägen.

Der Chef der größten deutschen Privatbank kritisierte die Landesbanken massiv. Institute „ohne richtiges Geschäftsmodell sind eher einer Versuchung ausgesetzt“, unterstellte er angesichts des hohen Engagements vieler Landesbanken bei strukturierten Wertpapieren. Hier liege die Schuld aber nicht nur beim Management. „Auch andere gehören an den Ohren gezupft“, erklärte Ackermann mit Blick auf Aufsichtsgremien und Behörden.

Auch Jürgen Stark, Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank, hatte im Rahmen der Tagung in Tutzing auf die Mitschuld der Regierungen an der Krise verwiesen. Dass die USA mit Immobilienkrediten überflutet wurden, sei sozialpolitisch gewollt gewesen. Die Folge: „Es sind Kredite an Leute gegangen, die sich das eigentlich nicht leisten konnten.“ Wenn der Staat nun als Retter auftrete, bestehe die Gefahr, dass dies Unternehmen dazu verleite, im Vertrauen auf Hilfen im Ernstfall auch in Zukunft übergroße Risiken einzugehen. „Der Staat ist der Retter der letzten Instanz, aber die Marktteilnehmer dürfen sich nicht daran gewöhnen“, warnte Stark.

von Dominik Müller

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