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Plötzlicher Pflegefall

Welche Hilfen es im Ernstfall gibt

Manchmal geht es ganz schnell: Ein Beinbruch oder ein Schlaganfall und ein älterer Mensch kann sich plötzlich nicht mehr alleine versorgen. Dann muss praktische und finanzielle Hilfe her. Die wichtigsten Möglichkeiten im Überblick.

-Pflegeberater: "Seit diesem Jahr haben Versicherte einen Rechtsanspruch, sich über ihre Pflegekasse von einem Pflegeberater kostenlos beraten und betreuen zu lassen", sagt Heike Nordmann, Expertin für Wohnformen im Alter bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Dieser soll bei der Organisation, Finanzierung und Abwicklung von Hilfsleistungen beraten. Neben Leistungen aus der Pflegekasse, die den gesetzlichen Krankenkassen zugeordnet sind, geht es auch um professionelle und ehrenamtliche Hilfsmöglichkeiten vor Ort.

-Pflegehilfe: Die meisten Pflegebedürftigen möchten so lange wie möglich zuhause leben. Praktische Unterstützung erhält man von ambulanten Pflegediensten. Zuschüsse gibt es von der Pflegekasse je nach Pflegestufe I, II oder III in Höhe von 420 Euro, 980 Euro beziehungsweise 1470 Euro im Monat. Übernehmen Angehörige die Pflege, erhalten sie ein monatliches Pflegegeld von 215 Euro, 420 Euro beziehungsweise 675 Euro.
Zunehmend werden auch Haushaltshilfen aus Osteuropa engagiert. Um ein solches Beschäftigungsverhältnis legal zu gestalten, muss der Weg über die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit (Telefon: 0228 / 713 14 14; Internet: www.zav.de) beschritte werden. Dann kann man ebenso Pflegegeld erhalten. Ist man noch kein Pflegefall und benötigt Unterstützung, muss man dafür selbst aufkommen.
Haushaltshilfen kann man übrigens auch über Wohlfahrtsverbände oder Nachbarschaftshilfen finden. 20 Prozent der Kosten für die Hilfskraft kann man von der Steuer absetzen, maximal aber nur 4000 Euro im Jahr.

-Wohngemeinschaft für Pflegebedürftige: Wohngemeinschaften (WG) als Alternativen zum Leben im Heim boomen, vor allem solche für Demenzkranke. Auch hier gibt es Mittel aus der Pflegekasse. Menschen mit Demenz können zusätzlich ein Betreuungsgeld von 1200 Euro bis maximal 2400 Euro im Jahr erhalten, unabhängig von einer Pflegestufe und der Art der Unterbringung.

-Senioren-WG: Seit neuestem bietet die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) über einen Wettbewerb Anreize zur Gründung von Senioren-WGs. Beim Kauf oder Bau eines Gebäudes zur Gründung einer WG, in der man selbst lebt, kann man grundsätzlich immer von einem zinsgünstigen KfW-Wohnungseigentumskredit (zwischen 3,9 und 4,95 Prozent Effektivzins) profitieren. Zusätzlich gibt es einen Tilgungszuschuss von 30 000 Euro zu gewinnen. Anträge können bis 31. Mai über die jeweilige Hausbank gestellt werden.

-Umbau: "Viele Ältere denken daran wie sie ihre Immobilie energetisch sinnvoll umrüsten können. An die Barrierefreiheit der eigenen Wohnung denken sie aber nicht", sagt Verbraucherschützerin Nordmann. Einige Kommunen vergeben Fördergelder für solche Maßnahmen. Nachfragen lohnt sich bei den örtlichen Wohnungsämtern, rät sie. Ist man erst mal ein Pflegefall, gewährt die Pflegekasse maximal 2557 Euro Zuschuss pro Umbaumaßnahme.

-Finanzielle Vorsorge: Als ein Standbein bei der finanziellen Vorsorge für den Ernstfall werden oft Senioren-Unfallversicherungen angepriesen. Sie sind meist verknüpft mit Assistanceleistungen, bei denen der Versicherer im Ernstfall Hilfeleistungen im Haushalt organisiert und bestenfalls auch bezahlt.
"Das kann sinnvoll sein, wenn man alleine lebt", sagt Stefan Albers, Präsident des Bundesverbandes der Versicherungsberater. Er sieht solche Policen ansonsten kritisch: "Sie sind teuer und wenn man wegen Krankheit Hilfe benötigt, leistet die Police nicht." Albers empfiehlt stattdessen Pflegetagegeldversicherungen - aber nur, wenn man sie spätestens bis zum 40. Lebensjahr abschließt. Dann kosten Policen ab 18 Euro für einen Mann beziehungsweise 25 Euro für eine Frau im Monat.

Annette Jäger

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Wegen Krankheiten im hohen Alter leidet oft auch die Fähigkeit zu eigenverantwortlichen Entscheidungen. Für alte Menschen, die nicht mehr geschäftsfähig sind, wird meist vom Gericht ein Betreuer eingesetzt. Mit einer sogenannten Altersvorsorgevollmacht kann man aber auch selbst frühzeitig die Person bestimmen, die dann Entscheidungen treffen darf. Darauf weist die Deutsche Anwaltsvereinigung für Erb- und Familienrecht (DANSEF) hin.
Mit der Altersvorsorgevollmacht setzt man die Vertrauensperson ein, die später im Fall der eigenen Geschäftsunfähigkeit als Bevollmächtigter handeln soll. Die Vollmacht macht den gerichtlich bestellten Betreuer überflüssig. Das kann in Notsituationen von entscheidender Bedeutung sein und erspart den Angehörigen einen aufwendigen Antrag bei Gericht, wie DANSEF erklärt.
Die Anwälte für Erb- und Familienrecht empfehlen, die Vorsorgevollmacht sofort dem Bevollmächtigten zu übergeben. Zudem sollte man dafür sorgen, dass die Existenz der Vollmacht auch bekannt wird, falls man wegen Unfall oder Krankheit unerwartet die Geschäftsfähigkeit verliert. Dazu kann eine Vorsorgekarte dienen, auf der der Bevollmächtigte eingetragen ist und die man immer bei sich tragen sollte. Zudem kann man die Vollmacht auch beim Zentralen Vorsorgeregister in Berlin anmelden. Die Gerichte sind verpflichtet, bei dem Register nach Vollmachten nachzufragen, bevor sie selbst einen Betreuer einsetzen.

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