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Die Details der Fusion von Porsche und VW müssen noch ausgehandelt werden.

VW und Porsche

Wiedeking wird sich kaum unterordnen

Wolfsburg – Der geplante Zusammenschluss von Volkswagen und Porsche schafft den zweitgrößten Autokonzern der Welt.

Doch der Weg bis zu einem einheitlichen Gebilde ist noch weit. Fragen und Antworten dazu:

Wer wird neuer Chef des geplanten Konzerns?

Wahrscheinlich der VW-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking „hat zuviel Porzellan zerschlagen und ist in Niedersachsen und bei den Arbeitnehmern nicht mehr vermittelbar“, sagte Autoexperte Stefan Bratzel vom Center of Automotive.

Was wird aus Wiedeking?

Er bleibt zunächst Vorstandsvorsitzender von Porsche und führt die Verhandlungen. Langfristig wird er wohl freiwillig gehen, eine Unterordnung unter einen Konzernchef Winterkorn ist kaum vorstellbar.

Wo wird der Hauptsitz sein?

Wohl nicht in Stuttgart, das dürfte das Land Niedersachsen als großer VW-Anteilseigner verhindern. Aber Stuttgart dürfte ein starker Außenposten des neuen Konzerns werden und möglicherweise mit besonderen Aufgaben, etwa in der Forschung und Entwicklung, gestärkt werden.

Was ist die wichtigste Frage bei dem Zusammenschluss?

„Vor allem müssen ganz klare Führungsstrukturen geschaffen werden“, sagt Autokenner Bratzel. Es dürfe nicht zu unklaren Kompetenzen kommen, etwa durch eine Doppelspitze.

Warum geht jetzt alles so schnell?

Der Porsche-Einstieg lief seit 2005 wie ein Uhrwerk. Gestützt auf gigantische Kredite und clevere Optionsgeschäfte hat Porsche sich die VW-Mehrheit gesichert und wollte den Konzern ganz übernehmen. Doch das war nicht mehr möglich, seit die EU ihr Vorhaben aufgab, das VW-Gesetz zu stoppen. Damit ist der Staat Niedersachsen im VW-Aufssichtsrat auch künftig nicht zu überstimmen. Auch die Wirtschaftskrise traf Porsche zuletzt hart. Jetzt fressen hohe Zinsen und Gebühren für die Optionen den Gewinn weitgehend auf. Mit der Fusion wollen die Porsche-Eigentümer den Geldabfluss stoppen.

Wer hat den Machtkampf gewonnen, die Porsches oder die Piëchs?

Auf den ersten Blick die Familie Porsche, aber Ferdinand Piëch als Aufsichtsratschef von VW behält seine zentrale Rolle. Wiedeking sagte zwar: „Wir haben unser Konzept durchgesetzt.“ Piëch hatte dagegen einen Kauf von Porsche durch VW vorgeschlagen. Tatsächlich aber wird Volkswagen und damit Piëch im neuen Gebilde den Ton angeben. Die in Porsche-Fragen gut informierten „Stuttgarter Nachrichten“ urteilten: „Porsche verliert Machtkampf und wird Teil des VW-Konzerns.“

Wie sehen Gewerkschaften den geplanten Deal?

Die IG Metall ist dafür. Hans Baur, stellvertretender Vorsitzender des Porsche-Aufsichtsrates und IG-Metall-Mitglied, sagte dem „ZDF-Morgenmagazin“: „Ich denke, es gibt aber keine Alternative dazu, dass wir uns nun gemeinsam auf den Weg machen, eine neue Konzeption aufzulegen.“

Was sagen die Arbeitnehmervertreter bei Porsche und VW?

Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück forderte nun: „Wichtig ist jetzt, dass die Arbeitnehmerrechte geschützt, ja sogar erweitert werden. Wir brauchen das VW-Gesetz, um Arbeitsplätze in Deutschland zu sichern. Das Kapital allein schützt uns nicht mehr.“ VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh stellt die angekündigte Fusion infrage: „Mit uns ist besprochen, dass der Weg zu einem integrierten Konzern völlig offen ist. Eine Fusion ist dabei nur ein Weg. Anscheinend verwechseln hier einige die Begriffe Fusion und Integration. Und allein wegen des VW-Gesetzes sind wir mehr als skeptisch, ob der Weg einer Fusion überhaupt beschritten werden kann.“

Claus-Peter Tiemann

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