Wandelanleihen – das Anlage-Chamäleon

Wandelanleihen werden von deutschen Anlegern kaum beachtet. Dabei bieten sie oftmals zweistellige Renditen.

Eine Anlage, die von steigenden Aktienkursen profitiert und trotzdem bei akuter Börsenschwäche keine nennenswerte Verluste erleidet? Diesem Anlegerwunsch am nächsten kommen ausgesuchte Wandelanleihen (Convertible Bonds). Dabei handelt es sich um Unternehmensanleihen, die neben der jährlich festgesetzten Verzinsung und der Rückzahlung des Kapitals, ein Wandelrecht in Aktien des Unternehmens beinhalten.

Ausverkauf in 2008

Die „Wandler“ mussten 2008 ebenfalls starke Kursverluste hinnehmen. Die an stetiger Schwindsucht leidende Aktienbörse führte bei vielen Anleihen zu fallenden Preisen der Wandlungsrechte. Nach der Lehman-Pleite sorgten zudem die dramatisch ansteigenden „Risiko-Aufschläge“ für Unternehmensanleihen auch bei den Wandelanleihen für fallende Kurse. Den völligen Einbruch erlebten die meisten Anleihen durch den entstehenden Liquidationsdruck vieler Hedge-Fonds. Im Zuge der Finanzkrise mussten viele Hedge-Fonds ihre zumeist kreditfinanzierten Engagements auflösen und führten zu rapiden Kursverlusten. Zeitweise brachen die Kurse der Anleihen stärker als die Aktien desselben Unternehmens ein.

Zweistellige Renditen

Durch diese überdurchschnittlichen Verluste sind mittlerweile viele Wandelanleihen sehr günstig geworden und bieten bemerkenswerte Rendite-Chancen im zweistelligen Prozentbereich. Die meisten Wandler verhalten sich zwischenzeitlich wie „normale“ Unternehmensanleihen, da die Möglichkeit, zu einem feststehenden Kurs in Aktien zu wandeln, zumeist in weite Ferne gerückt ist. Allerdings sollten Anleger das Ausfallrisiko einzelner Anleihen nicht unterschätzen. Nur etwa 35 Prozent aller Anleihe-Emittenten verfügen über ein Investment-Grade-Rating.(„BBB“ oder besser) Einige Unternehmen werden die Wirtschaftskrise nicht überstehen und somit auch die Anleihen nicht zurückzahlen können.

Komplexe Strukturen

Aufpassen müssen Anleger auch auf die Gestaltung der Wandler. Die Kombination aus Anleihe und Aktie ändert, ähnlich eines Chamäleons, ständig seinen Charakter - je nach Zinsniveau, Aktienkurs und Schuldnerbonität, sowie der sich verändernden Volatilität an den Börsen. Zusätzlich bestehen zumeist weitere Besonderheiten (zum Beispiel Kündigungsrechte), die einzelne Anleihen recht komplex machen können. Diese Bedingungen, sowie relativ hohe Mindesteinstiegsgrößen, sprechen für Investments in ausgesuchten „Wandler“-Fonds. Diese bieten langfristig orientierten Anleger interessante Rendite-Chancen bei überschaubaren Risiken. Die aktuellen Marktverwerfungen am Aktien- und Anleihenmarkt bieten antizyklisch attraktive Einstiegschancen. Wandelanleihen eignen sich zur Beimischung, jedoch sollten Anleger derzeit einen mittel- bis längerfristigen Anlagezeitraum berücksichtigen und auch eine nochmalige Kursschwäche an den Aktienmärkten einkalkulieren.

Tipp:

Ein Interview mit Burkhard Wagner im Nachrichtensender ntv über Wandelanleihen finden Sie hier.

Autor:

Burkhard Wagner, Vorstand der Partners Vermögensmanagement AG in München.

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