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Container, die viel Geld ins Land bringen sollen: Die Exportwirtschaft in Deutschland wird zunehmend von der Wirtschaftskrise bedroht.

WTO prophezeit Absturz des Welthandels - Deutschland hart getroffen

Genf/Berlin - Deutschlands Exportwirtschaft leidet unter einem nie dagewesenen Einbruch des Welthandels. Dies ist offensichtlich ein Grund für die Bundesregierung, ihre Wachstumsprognose für 2009 deutlich zurücknehmen.

Nach Einschätzung der Welthandelsorganisation (WTO) geht das Handelsvolumen in diesem Jahr um neun Prozent zurück. Die WTO toppt damit die schon düstere Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF), der einen Rückgang von knapp drei Prozent im Vergleich zu 2008 erwartet. Der Bundesverband Groß- und Außenhandel (BGA) rechnet für 2009 mit einem Minus der deutschen Exporte von bis zu 15 Prozent.

Wie die Bild-Zeitung unter Berufung auf Regierungskreise meldete, geht das Bundeswirtschaftsministerium von einem Rückgang des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 4,0 bis 4,5 Prozent aus. Der Einbruch wäre doppelt so stark wie bisher angenommen. Im Januar hatte das Ministerium noch einen BIP-Rückgang von 2,25 Prozent vorausgesagt. Dabei sei aber ein leichtes Wachstumsplus im vierten Quartal 2009 unterstellt worden. Das sei nun sehr unwahrscheinlich. Die Regierung legt ihre neue Konjunkturprognose Ende April vor.

Für WTO-Generaldirektor Pascal Lamy verbietet sich angesichts der düsteren Szenarien erst recht, den Handel über protektionistische Maßnahmen weiter einzuschränken. Allein die Exporte der Industriestaaten dürften nach den Schätzungen um zehn Prozent fallen. Die Entwicklungs- und Schwellenländer müssten sich auf einen Einbruch von bis zu drei Prozent einstellen.

Deutschland war im vergangenen Jahr zum sechsten Mal in Folge Exportweltmeister und lag mit 1,47 Billionen Dollar (1,08 Billionen Euro) knapp vor China. Derzeit ist vor allem die auch für Deutschlands Exporte sehr wichtige Autoindustrie von der sinkenden Nachfrage stark betroffen. Zwar seien Voraussagen schwierig, schreibt die WTO. “Aber es gibt nur wenig Grund für Optimismus, was den Ausblick für 2009 auf den Welthandel betrifft.“

Der BGA stimmte darauf ein, dass Deutschlands Wirtschaftsleistung in diesem Jahr wohl um 3,5 bis 4,0 Prozent sinken werde. Damit ist der BGA weniger pessimistisch als die Bundesregierung und als andere Ökonomen, die ein stärkeres Minus erwarten. Im Januar waren die deutschen Exporte gegenüber dem Vorjahresmonat um 20,7 Prozent weggebrochen. “Dennoch hat Deutschland gute Chancen, den Titel des Exportweltmeisters weiter zu verteidigen, da die chinesischen - wie auch die japanischen - Exporte ebenfalls stark eingebrochen sind und unten bleiben“, sagte BGA-Präsident Anton Börner. 2008 war nach 2007 das zweiterfolgreichste Jahr für den deutschen Außenhandel seit Bestehen der Bundesrepublik.

Die Warenexporte waren um 3,1 Prozent auf knapp unter 1 Billion Euro geklettert, die Dienstleistungsausfuhren auf 161 Milliarden Euro. Damit die Weltwirtschaft wieder anspringe, müsse die Finanz- und Vertrauenskrise gelöst werden. Dazu müssten die Bankbilanzen von den “giftigen“ Wertpapieren bereinigt werden, forderte Börner. Er schlug ein Modell vor, das einer Kreditversicherung durch den Staat ähnelt. Anstelle einer möglichen “Bad Bank“ (“schlechte Bank“), in die die faulen Wertpapiere der Banken zentral ausgelagert werden, sollte es eine “Good Insurance“ (“Gute Versicherung“) geben.

dpa

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