mobilcom und freenet noch nicht im Ziel

- Büdelsdorf/Hamburg - Der Telekomkonzern mobilcom kommt auf dem Weg zur Fusion mit seiner Internettochter freenet.de nur zentimeterweise voran. Vor einem Jahr haben die Hauptversammlungen beider Unternehmen der Fusion bereits zugestimmt, doch juristische Auseinandersetzungen haben den Vollzug bislang verhindert. Eckhard Spoerr, Vorstandsvorsitzender beider Unternehmen, kämpft an mehreren Fronten gleichzeitig, um die Fusion doch noch zu Stande zu bringen.

Nachdem die Büdelsdorfer mobilcom vor wenigen Tagen eine gütliche Einigung mit einem großen Teil der Fusionsgegner vor dem Landgericht Kiel erzielte, ist die Hauptversammlung der mobilcom AG am Montag in Hamburg der nächste Prüfstein. Die restlichen Fusionsgegner, die mit ihren Klagen eine Verschmelzung der beiden Firmen blockieren, werden die Gelegenheit nutzen, für ihren Standpunkt zu werben. Einige Kläger befürchten, dass ihre Aktien durch eine Fusion an Wert verlieren. Andere wollen offenbar einen Vergleich mit mobilcom so teuer wie möglich und damit für sich selbst besonders lukrativ machen.

Doch damit nicht genug. Spoerr muss sich auch noch mit freenetAktionären einigen. Drei Wertpapierbesitzer klagen vor dem Landgericht Hamburg ebenfalls gegen die Fusion. Das Gericht hat zwar schon zu erkennen gegeben, dass es einer Fusion zustimmen werde. Doch sobald diese Entscheidung offiziell verkündet ist, muss Spoerr damit rechnen, dass die Gegner vor die nächsthöhere Instanz ziehen. Ein jahrelanger und teurer Prozess wäre die Folge. Der Vorstandschef arbeitet daher fieberhaft an einer Einigung mit allen Gegnern der Fusion.

Dabei steht er offensichtlich stark unter Druck. Die Verzögerung der Fusion hat bereits Spuren im operativen Geschäft der beiden Unternehmen hinterlassen. Im ersten halben Jahr 2006 sank der Konzerngewinn und das Breitbandgeschäft erlitt einen kräftigen Dämpfer. Der Großaktionär Texas Pacific Group (TPG) dürfte über diese Entwicklung alles andere als erfreut sein und drängt daher auf eine Fusion der beiden Unternehmen mit dem klaren Ziel, Kosten zu sparen.

Einen wichtigen Erfolg hat Spoerr allerdings erzielt. Durch eine außergerichtliche Einigung mit der Millenium GmbH hat er nicht nur eine Versöhnung mit dem Gründer und früheren Mehrheitsaktionär Gerhard Schmid erreicht, sondern ihn auch auf die Seite der Fusionsbefürworter gezogen. Denn der Vergleich mit der Firma von Schmids Frau Sybille Schmid-Sindram ist an den Vollzug der Fusion von mobilcom und freenet.de geknüpft. Schmid dürfte daher seinen nach wie vor vorhanden Einfluss auf der Hauptversammlung nutzen, um die Fusionsgegner davon zu überzeugen, sich ebenfalls mit mobilcom zu einigen.

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