Mobilfunkfirmen unter Druck: EU bekämpft Auslands-Abzocke

- München/Brüssel - Der Kunde hatte per Handy in Schottland telefoniert, einige Anrufe bekommen, SMS geschickt und war mit der Daten-Karte im Internet. Zuhause traf ihn fast der Schlag: 400 Euro Telefonrechnung. Der Kunde heißt Eberhard Sinner und ist Bayerns Europaminister. Ob sich das für den Netzbetreiber gelohnt hat? Mit Nachdruck treibt Sinner jetzt EU-weit den Kampf für niedrigere Minutenpreise an.

<P>"Roaming" heißt das Handy-Telefonieren jenseits der Grenze. In über 120 Ländern bleiben die Mobilfunkkunden unter ihrer Nummer erreichbar. Technisch simpel, doch im Ausland sind happige Aufschläge für ein- und abgehende Gespräche fällig. Minutenpreise bis zu einem Euro und mehr sind die Regel. SMS kosten mitunter über 50 Cent. Vor allem sie gehen ins Geld: Laut EU-Unterlagen schicken 92 Prozent im Ausland lieber SMS, statt zu telefonieren.<BR><BR>"Die Minutenpreise im Ausland sind zu hoch", sagte Sinner unserer Zeitung. Er will erreichen, dass Telefonieren im Ausland nicht mehr kostet als daheim, ähnlich wie bei Überweisungen oder dem Porto. Der Minister macht seit einigen Wochen hinter den Kulissen Druck bei Bund, EU und Netzbetreibern.<BR><BR>Indirekt wirft er den Konzernen Abzocke vor: "Die nationalen Märkte sind nach wie vor zu stark abgeschottet. Es gibt keinen echten Wettbewerb." Beispiel Österreich: Dort kostet Handy-Telefonieren Einheimische oft nur Spottpreise. "Die Netzbetreiber holen sich das Geld mit hohen Minutenpreisen von Ausländern", klagt Sinner. Im Grenzgebiet gibt es immer wieder Ärger. Die Handys wählen sich oft unbemerkt ins österreichische Netz ein. "Dann sind Sie im Prinzip Zwangskunde", sagt Sinner.<BR><BR>Er will zunächst Transparenz durchsetzen: Wenn sich das Handy im Ausland einbucht, müssten die wichtigsten Preise am Display erscheinen: "Technisch kein Problem." Ein T-Mobile-Sprecher zweifelt: In 160 SMS-Zeichen seien die verschiedenen, sich oft ändernden Tarifmodelle kaum erklärbar.<BR><BR>Die Kommission hat nach mehreren Razzien Kartellverfahren gegen die deutschen Firmen T-Mobile und Vodafone eingeleitet. Wird ihnen Abzocke nachgewiesen, folgen Bußen bis zu zehn Prozent des Umsatzes. So hoch wird die Strafe kaum ausfallen, doch die Verfahren dienen auch zur Abschreckung.<BR><BR>Die Konzerne halten das Vorgehen für "unbegründet". T-Mobile erinnert, man habe die Preise massiv gesenkt, unter das europäische Niveau. Außerdem sei man Nettozahler gegenüber ausländischen Betreibern: Mehr Deutsche telefonieren im Ausland als Ausländer in Deutschland. Trotzdem dürften die Roaming-Preise für deutsche Kunden in Europa weiter sinken. T-Mobile, E-Plus und angeblich auch Vodafone sehen Spielraum nach unten. "Wir wollen weg vom Teuer-Image beim Roaming", heißt es dort. O2 dürfte nachziehen.<BR><BR>Der Druck wächst. Seit einigen Wochen untersuchen auch die nationalen Regulierer die Roaming-Kosten. Die Behörden wollen ihre Ergebnisse schon in wenigen Wochen in Brüssel vorlegen.<BR></P>

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