Modehandel: Undeutliche Preisschilder kosten Milliarden

Köln - Eine ganze Liste mit Preisen für unterschiedliche Länder, und das in kleinster Schrift: Warum undeutliche Preisschilder die Modebranche jährlich Milliarden kosten:

Schlecht lesbare Preisschilder und falsch eingeräumte Waren kosten den deutschen Bekleidungshandel nach eigener Einschätzung drei Prozent seines Jahresumsatzes. “Es gibt kaum etwas Ärgerlicheres, als wenn ein Kunde mit Kaufabsicht in den Laden kommt - und dann unverrichteter Dinge wieder geht, weil das entsprechende Teil nicht auffindbar oder schlecht ausgezeichnet ist“, sagt der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands des Deutschen Textileinzelhandels (BTE), Jürgen Dax. Solche “Leerkäufe“ brächten die Händler hochgerechnet um insgesamt etwa 1,8 Milliarden Euro pro Jahr.

Wer hat als Kunde nicht schon einmal etwa eine Hose falsch zurückgehängt oder in der Umkleidekabine liegen gelassen - sei es aus Bequemlichkeit oder weil man den richtigen Ständer nicht wiederfindet? “Bis das Teil dann von einem Verkäufer gefunden und wieder an den richtigen Platz gebracht wird, das kann dauern - je weniger Personal es im Laden gibt, desto länger“, sagt Dax. In der Zwischenzeit könne ein anderer Kunde, der genau diese Hose sucht, schon frustriert wieder abgezogen sein.

Ebenso schlecht sei es, wenn ein Standard-Artikel, der normalerweise immer da ist, auf einmal ausverkauft ist. Moderne Kassensysteme sollen das verhindern: Sie lösen automatisch eine Nachbestellung beim Lieferanten aus, wenn der Vorrat von bestimmten Ganzjahresartikeln wie Socken, Unterhosen oder Jeans zur Neige geht.

Was dem BTE aber zunehmend ein Dorn im Auge ist, sind schwer entzifferbare Preisschilder. Nicht nur, dass die Schrift oft sehr klein sei: Viele Etiketten seien mit einer ganzen Liste von Preisen bedruckt - für verschiedene Länder und in unterschiedlichen Währungen. “Vor allem ältere Kunden stehen dann oft hilflos da - besonders, wenn als oberstes nicht der Preis für Deutschland steht“, sagt Dax. “So mancher Kunde hängt das Teil dann lieber wieder weg und geht, anstatt extra einen Verkäufer zu fragen.“

Die Schuld liegt nach Ansicht des BTE hauptsächlich bei den Bekleidungsherstellern, die häufig auch die Preisschilder druckten. Vor allem sogenannte vertikale Anbieter, die ihre Kleidung selbst produzieren und auf eigenen Flächen verkaufen, neigten zu ellenlangen Preisauflistungen.

“Oft werden die Etiketten dort gemacht, wo die Kleidung produziert wird“, sagt dazu der Hauptgeschäftsführer des Modeindustrie-Verbands German Fashion, Thomas Rasch. “Es wäre ein riesiger Aufwand, wenn die Firmen für jede Währung eigene Schilder drucken würden - zumal man nicht von vornherein bei jedem Teil weiß, in welches Land es am Ende geliefert wird“, erläutert er. “Je globaler ein Unternehmen beim Vertrieb aufgestellt ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Etiketten massenmäßig erstellt werden.“

Außerdem mache der Handel es sich zu einfach, wenn er die Schuld für unklare Preisschilder allein den Herstellern in die Schuhe schiebe, meint Rasch. “Was im Laden am Teil hängt, ist Sache des Handels.“ Häufig gäben die Händler die Etiketten-Produktion bei den Herstellern in Auftrag oder sie machten die Preisauszeichnungen selbst. Dennoch: Die Bekleidungsindustrie werde das Thema aufgreifen, versichert Rasch. “Ich kann mir allerdings kaum vorstellen, dass sich ein Kunde durch ein schlecht leserliches Preisschild vom Kauf abhalten lässt, wenn ihm ein Teil passt und gefällt.“

dpa

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