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Eine Frau am Telefon: Schwere Kritik an Werbeabzocke per Telefon und Internet kommt von Vertretern aus Politik und Verbraucherschutz.

Moderne “Drückerkolonnen“: Kritik an Werbeabzocke

Berlin - Vertreter aus Politik und Verbraucherschutz haben heftige Kritik am kundenfeindlichen Geschäftsgebaren zahlreicher Telefon- und Online-Werbedienste geübt.

“Es ist nicht akzeptabel, dass die Drückerkolonnen, die früher an der Haustür standen, heute im Internet und am Telefon ihr Unwesen treiben“, sagte der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, am Mittwoch bei einer Fachtagung in Berlin. Häufig würden Klauseln zu Laufzeit und Kündigungsfristen bei Online-Verträgen im Kleingedruckten versteckt oder Verbraucher am Telefon gegen ihren Willen zu Abschlüssen gedrängt. Kurth sprach in diesem Zusammenhang von “etlichen schwarzen Schafen, die eine ganze Branche in Verruf bringen“.

Während sich der Telekommunikationsmarkt bei Preisen und Angebotsvielfalt in den letzten Jahren “sehr erfreulich“ entwickelt habe, hapere es bei der Angebotsqualität teils erheblich. “In Kundenakquisition wird viel investiert, Service und Beschwerdemanagement werden dagegen eher stiefmütterlich behandelt“, sagte Kurth.

Gerd Billen, Vorstand des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, forderte vom Gesetzgeber schärfere Vorschriften für Telefon- und Onlinewerbung und ein hartes Durchgreifen gegen organisierte Kriminalität in der Branche. “Gerade ältere Menschen werden oft mit Gewinnspielen gelockt, ihre Schwächen gezielt ausgenutzt“, sagte Billen.

Kritik am Missverhältnis zwischen Täter- und Opferschutz

Bei Transaktionen im Internet oder am Telefon forderte Billen mehr Transparenz: “Die Leute müssen in der Lage sein, eine freie und informierte Entscheidung zu treffen.“ Dies gelte für Telekommunikationsdienste und Online-Bestellungen ebenso wie beim Wechsel von Verträgen. Von der Telekommunikationsbranche ins Feld geführte Gegenargumente wie technische Hürden, mangelnde Praktikabilität oder unzumutbare Kosten schmetterte Billen als “vorgeschoben“ ab.

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Bereits seit August vergangenen Jahres sind Werbeanrufe ohne Anzeige der Rufnummer und vorherige Einwilligung des Verbrauchers gesetzlich verboten, zudem wurde das Widerrufsrecht für telefonisch oder online abgeschlossene Verträge ausgeweitet. Nach Angaben der Bundesnetzagentur konnte bislang aber erst ein Unternehmen wegen Gesetzesbruchs rechtskräftig verurteilt werden. Laut dem Vizepräsidenten der Regulierungsbehörde, Johannes Kindler, herrscht wegen der fehlenden Ermittlungsbefugnisse bei verdeckten Rufnummern zudem “ein Missverhältnis zwischen Täter- und Opferschutz“. Wer auf ein betrügerisches Telefonangebot hereingefallen ist, für den besteht laut Hubert Weis vom Bundesjustizministerium dennoch Hoffnung: “Heute kann jeder, wirklich jeder am Telefon geschlossene Vertrag widerrufen werden.“

Von Marc Kalpidis

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