"Montags-Crash" trifft besonders Banken und Versicherer

Frankfurt/Main - Die Panikstimmung an den weltweiten Börsen mit massiven Kurseinbrüchen hat am Montag in Deutschland besonders im DAX notierte Banken und Versicherungsunternehmen getroffen. Auch einige Werte im MDAX verzeichnete heftige Kursverluste. Hier eine Auswahl:

Allianz: Der größte deutsche Versicherungskonzern ist eines der Schwergewichte im Börsenindex DAX. Die Allianz-Gruppe erwirtschaftete in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres einen Umsatz von 76,7 Milliarden Euro (Vorjahr: 76,3 Mrd, plus 0,5 Prozent) und 7,3 Milliarden Euro (5,65 Mrd, plus 29,2 Prozent) Überschuss. Rund 178 000 Allianz-Mitarbeiter betreuen mehr als 70 Millionen Kunden in über 70 Ländern. Bis zum Nachmittag waren in der Spitze Mittel in Höhe von rund 6,1 Milliarden Euro abgeflossen, der Aktien-Kurs büßte bis zum späten Nachmittag etwa 9 Prozent ein.

Commerzbank: Das zweitgrößte Kreditinstitut Deutschlands beschäftigt rund 36 000 Mitarbeiter, davon 8725 im Ausland. Die Commerzbank erwirtschaftete in den ersten neun Monaten 2007 ein operatives Ergebnis von 2,34 Milliarden Euro (2 Mrd Euro) und einen Überschuss von 1,72 Milliarden Euro (1,25 Mrd). Das Unternehmen, zu dem auch der größte europäische Immobilien- und Staatsfinanzierer Eurohypo gehört, betreut weltweit mehr als acht Millionen Kunden. Am Markt für zweitklassige US-Hypothekenkredite ist das Geldinstitut mit insgesamt 1,2 Milliarden Euro engagiert. Im zweiten und dritten Quartal 2007 schrieb die Bank insgesamt 337 Millionen Euro ab, für das vierte Quartal sind weitere Wertkorrekturen angekündigt. Die Commerzbank- Aktie verlor bis zum Nachmittag mehr als 7 Prozent, die Marktkapitalisierung sank in der Spitze um 970 Millionen Euro.

Deutsche Bank: Das im Jahr 1870 in Berlin gegründete Geldinstitut ist heute die größte Bank Deutschlands. Mit 77 920 Mitarbeitern ist der Konzern in 70 Ländern aktiv. In den ersten neun Monaten 2007 erwirtschaftete die Deutsche Bank vor Steuern einen Gewinn von 7,3 Milliarden Euro und unter dem Strich 5,5 Milliarden Euro Überschuss. Für das gesamte Jahr 2007 ist ein bereinigter Vorsteuergewinn von 8,4 Milliarden Euro angepeilt. Der Titel verlor rund 7 Prozent, der Mittelabfluss betrug in der Spitze etwa 3,4 Milliarden Euro.

Deutsche Börse: Als eine der weltweit großen Börsenorganisationen bedient das Unternehmen mit mehr als 2900 Mitarbeitern Kunden in Europa, Amerika und Asien. Die Deutsche Börse unterhält Standorte in Deutschland, Luxemburg, der Schweiz, Spanien und den USA sowie Repräsentanzen in London, Paris, Chicago, New York, Hongkong, Dubai, Singapur, Tokio und Moskau. Das dritte Quartal 2007 war für die Deutsche Börse das erfolgreichste in der Unternehmensgeschichte. Von Januar bis September erwirtschaftete das Unternehmen 1,65 Milliarden Euro Umsatz (1,39 Mrd) und einen Überschuss von 641 (523) Millionen Euro. Aktien der Deutschen Börse sackten um etwa 9 Prozent ab, der Mittelabfluss betrug knapp 5 Milliarden Euro.

Postbank: Die Postbank Gruppe ist mit 14,5 Millionen Kunden, rund 22 000 Beschäftigten und einer Bilanzsumme von 194 Milliarden Euro einer der großen Finanzdienstleister Deutschlands. Von der US- Immobilienkrise war die Postbank nach eigenen Angaben bisher nur relativ gering direkt betroffen. Im dritten Quartal 2007 wurde eine Wertberichtigung von 61 Millionen Euro vorgenommen. In den ersten drei Quartalen 2007 stieg der Konzerngewinn auf 701 (Vorjahr 420) Millionen Euro, bei Gesamterträgen von 3,25 (3,03) Milliarden Euro. Der Titel verlor etwa 9 Prozent, Mittelabfluss: knapp 1 Milliarde Euro

E.ON: Der führende deutsche Energiekonzern E.ON hat in den ersten neun Monaten des abgelaufenen Geschäftsjahres einen bereinigten Gewinn von 4,2 Milliarden Euro ausgewiesen. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT) wuchs um 12 Prozent auf 7,1 Milliarden Euro, während der Umsatz auf 49,4 Milliarden Euro stieg. Das Schwergewicht des deutschen Leitindex DAX profitierte im Zeitraum Januar bis September von einem Wachstumsschub seiner Töchter in Skandinavien und Großbritannien, die zweistellige Zuwachsraten auswiesen. Ende 2006 beschäftigte die auf dem Gas- und Strommarkt aktive E.ON weltweit rund 81 000 Mitarbeiter. Bis zum Nachmittag büßte die Aktie fast 8 Prozent ein und verlor in der Spitze rund 9,072 Milliarden Euro an Börsenwert.

Hypo Real Estate: Der im DAX notierte Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) hatte erst vor wenigen Tagen mit einem Gewinneinbruch wegen der internationalen Finanzmarktkrise die Börsen verschreckt. Abschreibungen auf ein US-Wertpapierportfolio in Höhe von 390 Millionen Euro ließen das Vorsteuerergebnis um rund ein Viertel zurückgehen. Allein am Tag der Veröffentlichung erster Eckdaten für das Geschäftsjahr 2007 verlor das Hypo Real Estate-Papier mehr als 37 Prozent. Bis zum späten Montagnachmittag gab die Hypo-Real-Estate- Aktie fast 12 Prozent nach und verlor 597 Millionen Euro Börsenkapitalisierung. Für 2007 wies die Gesellschaft durch den Verlust im Handelsgeschäft nur einen Anstieg der operativen Erträge um 1,7 Prozent auf 1,99 Milliarden Euro aus. Angesichts der Belastungen und des schwierigen Umfeldes will die Hypo Real Estate ihre Dividende auf ein Drittel kürzen. Statt 1,50 Euro je Aktie für 2006 soll es für 2007 nur noch 50 Cent geben. Das Unternehmen, beschäftigte am Jahresende 2006 rund 1230 Mitarbeiter.

SAP: Europas größter Softwarehersteller SAP rechnet für das Geschäftsjahr 2007 nach vorläufigen Zahlen mit einem Umsatzanstieg auf 10,26 Milliarden Euro nach 9,40 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Das DAX-Schwergewicht ist der führende Anbieter von Unternehmenssoftware und unterhält Vertriebs- und Entwicklungsstandorte in 50 Ländern. Das 1972 gegründete Unternehmen beschäftigt knapp 42 800 Mitarbeiter. Im Oktober kündigte SAP-Chef Henning Kagermann mit der Übernahme des französischen Spezialisten für Finanzinformations-Software Business Objects für 4,8 Milliarden Euro die bisher größte Übernahme der Firmengeschichte an. Bis zum Nachmittag verloren SAP-Aktien im von Panikverkäufen gekennzeichneten Handel rund 8 Prozent an Wert. Durch den Kursrutsch büßte SAP bis zum Nachmittag in der Spitze rund 3,9 Milliarden Euro an Marktkapitalisierung ein.

Hannover Rück: Der im MDAX notierte weltweit viertgrößte Rückversicherer Hannover Rück hat in den ersten neun Monaten 2007 sein operatives Ergebnis um 14,3 Prozent auf 690 Millionen Euro gesteigert und einen Überschuss von knapp 589 Millionen Euro erzielt. Die Bruttoprämie ging zum 30. September 2007 um 11,1 Prozent auf 6,4 Milliarden Euro zurück. Ausschlaggebend hierfür war auch der Verkauf des US-Erstversicherungsgeschäfts Praetorian. Hannover Rück-Aktien gaben bis zum Nachmittag fast 6 Prozent auf 25,90 Euro nach. In der Spitze flossen 238,8 Millionen Euro ab.

K + S: Der ebenfalls im MDAX gelistete Düngemittel- und Salzhersteller K + S hat in den ersten neun Monaten 2007 einen Umsatz von 2,45 Milliarden Euro erwirtschaftet. Das Unternehmen mit Sitz in Kassel wies für Januar bis September ein operatives Ergebnis von 252 Millionen Euro und einen Überschuss in Höhe von 152,4 Millionen Euro aus. K + S beschäftigte Ende 2006 rund 7 550 Mitarbeiter. Das Unternehmen hatte kürzlich wegen der Dollarschwäche die Prognosen für das Gesamtjahr 2007 erneut gesenkt. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Effekten aus der Absicherung von Wechselkursrisiken dürfte im Gesamtjahr zwischen 300 Millionen und 310 Millionen Euro liegen. Kali + Salz-Aktien sackten bis zum späten Nachmittag um 7,51 Prozent auf 138 Euro nach unten. In der Spitze lag das Minus in Bezug auf den Börsenwert bei 430 Millionen Euro.

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