+
Er geht endgültig: Der Vorstandschef der Morgan Stanley Bank Deutschland, Dirk Notheis

Morgan-Stanley-Chef Notheis ausgeschieden

Stuttgart - Der Vorstandschef der Morgan Stanley Bank Deutschland, Dirk Notheis, kehrt nicht mehr an die Spitze der Investmentbank zurück.

Notheis sei nicht mehr Mitglied des Vorstandes, sagte eine Sprecherin des Unternehmens am Dienstag auf dapd-Anfrage. Nach Berichten der „Stuttgarter Zeitung“ und der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ war Notheis bereits vor Tagen aus dem Vorstand ausgeschieden.

Der Vorstandschef hatte den Aufsichtsrat Ende Juni zunächst darüber informiert, dass er eine „Auszeit“ nehme. Damit reagierte er auf Kritik an seiner Rolle beim EnBW-Deal des früheren baden-württembergischen Ministerpräsidenten Stefan Mappus. Wegen des Milliardengeschäfts ermittelt mittlerweile die Staatsanwaltschaft gegen Notheis, Mappus und zwei ehemalige Minister. Ein Untersuchungsausschuss des baden-württembergischen Landtags versucht seit Monaten, Hintergründe des Aktiengeschäfts aufzuklären.

Vor der „Auszeit“ des Investmentbankers waren in Medien teils in rüdem Ton verfasste E-Mails bekannt geworden, die den Schluss zulassen, dass Notheis Ende 2010 beim Erwerb der EnBW-Anteile durch den damaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten eine maßgebliche Rolle gespielt hat.

Notheis nannte Kaufpreis „mehr als üppig“

Laut Medienberichten bezeichnete Notheis in seinen E-Mails beispielsweise Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) als „Mutti“, die für Mappus ein Treffen mit Frankreichs damaligem Präsidenten Nicolas Sarkozy arrangieren solle. Auch forderte Notheis Mappus auf, keine konkurrierenden Banken zur Überprüfung des Kaufpreises einzuschalten. Den Kaufpreis von 41,50 Euro pro Aktie, den Baden-Württemberg dem französischen Staatskonzern EdF zahlte, nannte der langjährige Mappus-Freund, der das Land vertrat, „mehr als üppig“.

Anlass für die Ermittlungen der Stuttgarter Staatsanwaltschaft ist ein Gutachten des Landesrechnungshofs. Darin sehen die Ermittler Anhaltspunkte für den Tatverdacht, dass sich Mappus der Untreue und Notheis der Beihilfe zur Untreue strafbar gemacht haben. Die Strafverfolgungsbehörde stützt sich dabei auf die Beurteilung der Finanzexperten, wonach der Erwerb der Aktien am Energieunternehmen EnBW durch das Land nicht ordnungsgemäß vorbereitet und auf eine ausreichende Wirtschaftlichkeitsprüfung verzichtet worden sei.

Land fordert 840 Millionen Euro zurück

Der CDU-Politiker Mappus hatte im Jahr 2010 unter der Regie des damaligen Morgan-Stanley-Deutschlandchefs Notheis über 45 Prozent der Aktien des baden-württembergischen Stromversorgers EnBW vom französischen Energieunternehmen EdF zurückgekauft. Das am Parlament vorbei eingefädelte Geschäft wurde später vom baden-württembergischen Staatsgerichtshof für verfassungswidrig erklärt. Weil das Land den Kaufpreis von 4,67 Milliarden Euro für zu hoch hält, fordert es in einer Schiedsklage von der EdF fast 840 Millionen Euro zurück.

dapd

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Ministerium: Luft bleibt nach Diesel-Updates zu schmutzig
Diesel-Fahrverbote in Städten - für viele Autobesitzer und Unternehmen wäre das ein riesiges Problem. Eine Umweltbehörde hat nachgerechnet, ob Politik und Autobranche …
Ministerium: Luft bleibt nach Diesel-Updates zu schmutzig
1710 Tonnen: Hälfte des deutschen Goldes nun in heimischen Tresoren
Frankfurt/Main - Die Deutsche Bundesbank hat die Verlagerung ihrer Goldreserven aus dem Ausland gut drei Jahre früher abgeschlossen als geplant.
1710 Tonnen: Hälfte des deutschen Goldes nun in heimischen Tresoren
Rosneft siegt mit Schadenersatzklage in Milliardenhöhe
Rosneft gehört mehrheitlich dem russischen Staat. Zuletzt sorgte die Nachricht für Diskussionen, dass Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) für einen …
Rosneft siegt mit Schadenersatzklage in Milliardenhöhe
Gläubiger lassen Air Berlin vorläufig weitermachen
Erstmals haben die Gläubiger der Air Berlin über das weitere Insolvenzverfahren beraten. Vor einer schnellen Zerschlagung des Unternehmens sind sie einstweilen …
Gläubiger lassen Air Berlin vorläufig weitermachen

Kommentare